- Bestimmte Filter können hormonell oder krebserregend wirken
- Der BUND empfiehlt, Inhaltsstoffe zu checken
- Bekleidung und Vermeidung als effektivster Sonnenschutz
Der Sommer ist da, die Sonne brennt. Viele Menschen zieht es ins kühle Nass und ihre Haut ist zwingend auf Sonnenschutz angewiesen. Doch beim Kauf von Sonnencremes sollten Sie nicht wahllos zugreifen. Viele Cremes enthalten Mikroplastik, weitere synthetische Polymere oder andere schädliche Stoffe, die beim Baden ins Wasser gelangen und dort verbleiben – mit langfristigen Folgen.
Chemische oder mineralische Filter?
Fritz Mielert, Umweltreferent beim BUND Baden-Württemberg: „Sonnencremes schützen die Haut entweder durch einen chemischen oder einen mineralischen Filter. Chemische Sonnenschutzmittel können in die Haut eindringen und UV-Strahlung in Wärme umwandeln. Einige Zusatzstoffe stehen unter Verdacht, Allergien auszulösen oder im menschlichen Körper hormonell zu wirken.“
Nicht nur wir Menschen, sondern auch Meeresbewohner leiden unter diesen Stoffen, wenn sie beim Baden von der Haut ins Wasser gelangen. Besonders Korallenriffe sind von der Verunreinigung durch chemisch wirkende Sonnenschutzmittel betroffen.
Mineralische Sonnenschutzmittel nutzen oft Zinkoxid oder Titandioxid als optische Barriere zwischen Haut und Sonnenstrahlung. Diese Stoffe wirken wie ein Spiegel und reflektieren das Sonnenlicht auf der Haut. Sie sind ökologisch vertretbar und insbesondere für Allergiker*innen häufig die bessere Wahl. Oft hinterlassen sie einen weißen oder gelblichen Film auf der Haut. Dabei ist es wichtig, dass die mineralischen Stoffe nicht in Nanoform vorliegen. Nanopartikel können sehr weit in den Organismus vordringen. Die gesundheitlichen und ökologischen Risiken von Nanomaterialien sind nicht abschließend geklärt. Produkte mit Nanopartikeln erkennen Sie an der verpflichtenden Kennzeichnung mit dem Kürzel „nano“ in der Inhaltsstoffliste.
Mikroplastik kann sowohl in chemischen als auch in mineralischen Sonnenschutzmitteln enthalten sein, hier sind es in erster Linie Kunststoffverbindungen, die in den Cremes in gelöster oder flüssiger Form vorliegen, zum Beispiel als Bindemittel, Füllmittel oder Filmbildner. Diese gelangen ungefiltert in die Umwelt und unsere Gewässer und können dort nur schwer oder gar nicht abgebaut werden.
Gefährliche Filter: Benzophenon und DHHB
Fritz Mielert: „Als besonders kritisch gilt der chemische UV-Filter Octocrylen. In Sonnencremes kann sich daraus das womöglich krebserregende Benzophenon bilden. Selbst in ungeöffneten Sonnencremes wurde es bereits nachgewiesen.“ Die EU hat Benzophenon in Kosmetika vor zwei Jahren verboten, nicht aber Octocrylen. Der BUND rät daher, die Inhaltsstoffe der Sonnencremes genau zu überprüfen.
In letzter Zeit ist der in manchen Sonnencremes eingesetzte chemische UV-Filter Diethylamino Hydroxybenzoyl Hexyl Benzoate (DHHB) im Fokus der Öffentlichkeit. DHHB kann mit dem mit dem Stoff Dihexylphthalat (DnHexP) verunreinigt sein. DnHexP wurde wegen seiner hormonschädlichen Eigenschaften von der EU als besonders besorgniserregender Stoff gelistet. Ökotest hat in einigen Sonnencremes, die den UV-Filter DHHB enthielten, auch DnHexP nachgewiesen. Der BUND verfolgt die derzeit noch laufenden Studien zur Thematik. Für Verbraucher*innen, die aus Vorsorge den UV-Filter DHHB oder andere Gefahrenstoffe bis auf Weiteres vermeiden möchten, hat der BUND ein Angebot:
Die ToxFox-App: Inhaltsstoffe checken und Gefahren erkennen
Mit der kostenfreien ToxFox-App des BUND können Verbraucher*innen herausfinden, welche Inhaltsstoffe ihre Sonnencreme hat. Dafür scannen sie einfach den Barcode.
Sonnencreme nicht in Sprühform
Generell gilt: Sonnenschutz als Cremes und Sticks sind die bessere Wahl, denn bei Produkten zum Aufsprühen gelangt bereits beim Auftragen ein Teil des Produktes in die Umwelt. Vor dem Baden ist es wichtig, die Sonnencreme ausreichend einziehen zu lassen, damit weniger Inhaltsstoffe ins Wasser gelangen.
Bekleidung und Vermeidung
Einen wirklich ökologisch sinnvollen Sonnenschutz bieten nur zwei altbewährte Methoden: Bekleidung und Vermeidung. Unser Tipp: Meiden Sie die starke Sonneneinstrahlung in der Mittagshitze und verlagern Sie den Strandbesuch auf die Morgen- oder späten Nachmittagsstunden. Auch ein wirksamer Sonnenschutz: Tragen Sie lange Bekleidung. Aber Vorsicht: Synthetische Badebekleidung mit UV-Schutz kann Fasern verlieren, die als Mikroplastik den Meeren schaden. Deshalb ist das Tragen von Kleidungsstücken aus Naturfasern der ökologisch wirksamste Schutz von Haut und Meeren.
Beim Sonnenbrand helfen einfache Hausmittel
Fritz Mielert: „Wenn Sie trotz aller Vorsicht einen Sonnenbrand bekommen haben, dann greifen Sie am besten zu einfachen Hausmitteln statt zu After-Sun-Produkten aus der Drogerie. Auch diese Produkte enthalten oft Duft- und Konservierungszusätze, die im Verdacht stehen, die Gesundheit zu gefährden.“ Eine Alternative ist verdünnter Speiseessig (Achtung: keine Essigessenz!), am besten aus ökologischer Produktion ohne Zusatzstoffe. Tränken Sie einfach ein Tuch damit und legen Sie es auf die verbrannten Stellen. Sollte Ihre Haut gereizt reagieren, dann verdünnen Sie die Flüssigkeit mit mehr Wasser.“
Mehr Informationen:
Webseite des BUND BW zu Mikroplastik
Pressemitteilung des BUND zu DnHexP
Webseite des BUND zu Benzophenon und weiteren Schadstoffen
PM Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Baden-Württemberg e.V.