Manchmal frage ich mich, ob wir kollektiv den Verstand verloren haben. Da streicht die Stadt Gmünd beim Stadtfest einfach mal das komplette Familienprogramm – ersatzlos, kommentarlos, schulterzuckend. Und niemand soll merken, was das eigentlich bedeutet? Das ist nicht nur eine Sparmaßnahme. Das ist ein Signal. Ein fatales.
Denn wo wird gekürzt? Natürlich dort, wo es am wenigsten Widerstand gibt: bei Kindern und Jugendlichen. Die haben keine Lobby, keine Presseabteilung, keine lautstarke Wählergruppe. Sie haben nur Bedürfnisse. Und genau die scheinen politisch am wenigsten zu zählen.
Ich arbeite seit Jahrzehnten in der Kinder- und Jugendarbeit. Professionell, engagiert, oft ehrenamtlich. Nicht, weil ich zu viel Freizeit hätte, sondern weil Kinder Menschen brauchen, die bleiben. Menschen, die Verantwortung leben – nicht nur darüber reden.
Und dann kommt eine Sparpolitik daher, die so intransparent ist, dass man fast meinen könnte, sie sei absichtlich so gestaltet. Man will ja nicht, dass jemand merkt, wo überall gestrichen wird. Bei Kindern fällt es ja erst später auf. Perfekt, wenn man Haushaltszahlen hübsch aussehen lassen möchte.
Dabei geht es nicht um „nice to have“. Es geht um Schutz. Um sichere Orte. Um Bildung. Um Selbstwertgefühl, Fairness, Teamfähigkeit. Um alles, was eine Gesellschaft zusammenhält – und was man nicht im Sonderangebot bekommt.
Kinder- und Jugendarbeit ist kein Luxus. Sie ist Grundversorgung. Aber ein Fundament sieht man nicht. Also kann man es wegfräsen, bis das Haus irgendwann schief steht. Und dann? Dann wird eine Arbeitsgruppe gegründet. Ein Konzeptpapier geschrieben. Ein runder Tisch einberufen. Und alle tun überrascht.
Ich jedenfalls mache weiter. Nicht, weil es bequem ist. Sondern weil es notwendig ist. Weil irgendjemand in diesem Land noch wissen muss, was Verantwortung bedeutet.
Wer heute an Kindern spart, spart nicht – er hinterlässt Schulden. Und zwar bei der nächsten Generation.
Alfred Brandner