Achtstundentag und Tarifbindung – Voraussetzung für gesunde Beschäftigte / ver.di-Bilanz aus fünf Jahren Gute-Arbeit-Offensive

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) zieht Bilanz ihrer vor fünf Jahren gestarteten „ver.di-Offensive Gute-Arbeit“. Um die Arbeitsbedingungen mit den Beschäftigten gemeinsam aktiv zu verbessern, hatte die Gewerkschaft im Jahr 2021 zahlreiche Gute-Arbeit-Projekte in verschiedenen Branchen und Betrieben bundesweit gestartet, etwa in der Ver- und Entsorgung, bei den Rettungsdiensten, im Handel, der Informations- und Kommunikationstechnik-Branche (IKT), der Weiterbildung sowie in den Postdiensten, Speditionen und der Logistik. Befragungen der Beschäftigten haben ergeben, dass für sie ein ausreichendes Entgelt, gesunde Arbeitsbedingungen sowie die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie oberste Priorität haben: 95 Prozent wünschen sich, vor 18 Uhr Feierabend machen zu können; 72 Prozent wünschen sich Arbeitszeiten unter acht Stunden (DGB-Gute Arbeit-Index in der Dienstleistungsbranche).

„Hier bis zu 13 Stunden täglich zu arbeiten, wie es Arbeitgeber und Union derzeit beabsichtigen, ist massiv gesundheitsschädlich! Der Achtstundentag ist eine hart erkämpfte Errungenschaft der Arbeiterinnen- und Arbeiterbewegung, die wir als Gewerkschaft verteidigen. Denn es geht dabei vor allem um den Erhalt der Gesundheit – dem wichtigsten Gut der Beschäftigten. Daher kämpfen wir um gute Arbeitsbedingungen, mehr Tarifbindung und den Achtstundentag, auch und gerade unter den derzeit erschwerten politischen Rahmenbedingungen“, so der ver.di-Vorsitzende Frank Werneke.

Die laufenden ver.di-Befragungen mit dem DGB-Index Gute Arbeit, an denen sich im Rahmen der ver.di-Offensive bisher rund 57.000 Beschäftigte beteiligt haben, verdeutlichen die Probleme in der Arbeitswelt von heute. Beispiel Handel: 79 Prozent der Beschäftigten halten ihren Lohn angesichts ihrer Arbeitsleistung für wenig oder gar nicht angemessen. Für 52 Prozent der Befragten reicht der Monatslohn nur gerade so aus. Bei 19 Prozent reicht er gar nicht aus. 68 Prozent glauben auch, dass ihre Rente später zum Leben nicht reichen wird. „Das ist ein Armutszeugnis für die Arbeitgeber, die den Beschäftigten dieser systemrelevanten Branche in weiten Teil nicht einmal existenzsichernde Löhne zahlen und keine vollen Stellen anbieten. Und genau dieses Missverhältnis ist die Ausgangsbasis für die gerade laufenden Tarifrunden im Handel. So wie wir uns auf politischer Ebene gegen Angriffe auf soziale Errungenschaften stemmen, kämpfen wir in Tarifverhandlungen entschieden für faire Löhne“, so Werneke.

Der Dienstleistungsbereich ist mit etwa 35 Millionen Beschäftigten der größte Wirtschaftssektor in Deutschland, in dem insbesondere viele Frauen beschäftigt sind, vor allem im Gesundheitsbereich, im Erziehungswesen und eben im Handel. „Frauen arbeiten in diesen Bereichen unter sehr hohen Belastungen. Meist werden keine Vollzeitstellen angeboten. Fast zwei Drittel arbeiten in Teilzeit oder als geringfügig Beschäftigte. Insgesamt 56 Prozent der Beschäftigten im Dienstleistungssektor geben an, auch wegen der Kinderbetreuung in Teilzeit zu sein; rund ein Fünftel, weil sie neben der Arbeit Pflegeverantwortung übernehmen“, so Rebecca Liebig, ver.di-Vorstandsmitglied, zuständig für Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik, Gute Arbeit und Innovation. „Hier sind Staat und Unternehmen gefordert, die Kita- und Pflegeinfrastruktur zu erweitern, damit Frauen von der Sorgearbeit entlastet werden können“, sagte Liebig.

Weitere Daten zur ver.di-Offensive Gute Arbeit:

DGB-Index Gute Arbeit, speziell für den Dienstleistungssektor:

Wie Arbeitszeitrealitäten auf Vereinbarkeit und Gesundheit wirken. Eine Auswertung des DGB-Index Gute Arbeit für den Dienstleistungssektor | Innovation und Gute Arbeit

ver.di-Befragungen:

https://innovation-gute-arbeit.verdi.de/themen/gute-arbeit-befragungen

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://filstalexpress.de/arbeitsmarkt/208128/achtstundentag-und-tarifbindung-voraussetzung-fuer-gesunde-beschaeftigte-ver-di-bilanz-aus-fuenf-jahren-gute-arbeit-offensive/

Schreibe einen Kommentar