Temperaturen jenseits der dreißig Grad und wochenlang kein Regen können für Gärtner und Gärtnerinnen zur Herausforderung werden. Wer denkt, dass solche Bedingungen exotische Pflanzen notwendig machen, irrt aber. Denn unter den heimischen Wildpflanzen gibt es ausgewiesene Hitzespezialisten, die für heiße und trockene Standorte geeignet sind und keine Bewässerung benötigen. NABU-Gartenexpertin Aniela Arnold gibt zum Tag des Gartens am 14. Juni Tipps, welche Pflanzen gut mit hochsommerlichen Bedingungen zurechtkommen und wie der Garten auch bei Hitze nicht zum Stressfaktor wird, sondern eine bunt blühende und kühlende Oase bleibt.
Kartäuser-Nelke
„Ohne Blüte ist diese Nelkenart kaum von Gräsern zu unterscheiden. Wenn sie aber blüht, ist sie ein echter Hingucker im Garten: viele einzelne Blüten leuchten in strahlend pinken Büscheln“, erklärt Arnold. Die Kartäuser-Nelke ist eine echte Trockenspezialistin und passt ihre Größe dem Nährstoffangebot am jeweiligen Standort an.
Zypressen-Wolfsmilch
Ähnlich auffällig ist die Zypressen-Wolfsmilch. „Der Name ist ein wenig irreführend, denn obwohl bei uns keine Zypressen vorkommen, ist die Zypressen-Wolfsmilch eine heimische Wildpflanze“, so Arnold. „Das leuchtende Gelbgrün der Blüten sieht im Beet toll aus. Mit viel Sonne verfärben sich die Blütenblätter an nährstoffarmen Standorten rot – das macht sie aber nicht weniger dekorativ.“ Wie alle Wolfsmilch-Gewächse sondert sie einen Milchsaft ab, der zu Hautreizungen führt. Deswegen empfehlen sich Handschuhe, wenn man mit der Wolfsmilch hantiert.
Rundblättrige Glockenblume
Die Rundblättrige Glockenblume hat sich an magere, trockene Standorte angepasst. Sie bildet eine Pfahlwurzel aus und kann somit an Feuchtigkeit gelangen, die in tieferen Bodenschichten ist. Neben ihrer Hitzeresistenz ist die blassblaue Staude auch eine wertvolle Nahrungspflanze für Insekten. „Ganze zwölf Wildbienen-Arten sind auf Glockenblumen spezialisiert“, erklärt Arnold. „Das bedeutet, dass diese Bienen nur an Blüten aus der Glockenblumen-Familie Pollen und Nektar sammeln.“
Der Sommer ist nicht die beste Pflanzzeit
Wer die Hitzehelden noch nicht im Garten hat, muss sich allerdings etwas gedulden. Denn wer jetzt pflanzt, riskiert, dass die Setzlinge ohne Bewässerung eingehen. NABU-Gartenexpertin Aniela Arnold empfiehlt deshalb, bis zum Herbst zu warten: „Jungpflanzen pflanzt man am besten zwischen September und November in den Garten. Dann kriegen sie ausreichend Feuchtigkeit, aber haben vor dem Frost noch genug Zeit, um gut anzuwachsen.“ Für Ungeduldige hat sie einen besonderen Tipp: „Wer auch in der heißen Jahreszeit im Garten aktiv sein möchte, kann Trockenmauern oder Totholzhaufen anlegen. Davon profitieren wiederum die tierischen Hitzespezialisten wie Eidechsen und Insekten, die dort nisten. Wenn ein Garten naturnah angelegt ist, gibt es gerade im Sommer viel zu beobachten.“
Fünf Tipps für den sommerfitten Garten
- Selteneres Mähen hilft dem Boden: Höhere Vegetation beschattet die Oberfläche, hält sie kühler und fördert tiefere Wurzeln. Dadurch trocknet der Boden oft langsamer aus – und Bewässerung wird seltener nötig.
- Bunter Blumenkräuterrasen statt tristes Grün: Wer Wildpflanzen wie Schafgarbe und Rotklee im Rasen zulässt, spart sich aufwändiges und teures Bewässern. Während klassische Rasengräser Flachwurzler sind, die bei Trockenheit nicht mehr an feuchte Bodenschichten heranreichen, sind Wildpflanzen eher gegen Trockenheit gewappnet, zum Beispiel durch Pfahlwurzeln. Ein sogenannter Blumenkräuterrasen ist ebenso trittfest wie Englischer Rasen – und sorgt mit Blüten für bunte Farbtupfer.
- Regenwasser sammeln: Mit einer – mückensicher abgedeckten – Regentonne oder Zisterne lässt sich Regenwasser auffangen, sodass man es in Dürreperioden einsetzen kann. Beim Gießen auf Leitungswasser zu verzichten, schont den Geldbeutel und die Umwelt.
- Wenn schon gießen, dann richtig: Manche Pflanzen, zum Beispiel im Gemüsebeet, brauchen regelmäßige Wassergaben, um durch den Sommer zu kommen. Anstatt oft ein bisschen, wässert man lieber seltener, aber dafür mehr. So entwickeln die Pflanzen tiefere Wurzeln und werden robuster.
- Entsiegeln: Versiegelte Flächen wie Pflastersteine heizen sich deutlich stärker auf als begrünte Bereiche. Mit Rasengittersteinen und offenen Fugen lassen sich Wege und andere befestigte Flächen versickerungsoffen gestalten. Wachsen in den Fugen dann noch passende Pflanzen wie etwa Mauerpfeffer, sinkt die umliegende Temperatur und Insekten finden Nahrung.
Termin: Kostenfreier Online-Vortrag zu Hitzespezialisten im Garten: Donnerstag, 18. Juni 2026, 19 Uhr. Anmeldung unter: www.MenschNatur.org/webinar
Hintergrund:
Die Gartentipps sind Teil des Projekts Mensch.Natur – natürlich.zusammen.leben des NABU Baden-Württemberg. Ziel des Projektes ist es, die biologische Vielfalt im Siedlungsraum zu erhalten und zu stärken – in Gärten und Kirchengemeinden, auf öffentlichen Grünflächen und an Gebäuden. Mensch.Natur läuft von 2025 bis 2031 und wird gefördert im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit sowie durch das Umweltministerium Baden-Württemberg.
Mehr Informationen unter: www.MenschNatur.org
PM NABU Baden-Württemberg