Offener Brief an die Stadt Göppingen, sowie alle zuständigen Stellen

Montag, den 4.5.2026

Sicherheit, Würde und Schutz im öffentlichen Raum

Sehr geehrte Damen und Herren,

der 1. Mai 2026 hat in Göppingen ein Bild hinterlassen, das viele Menschen tief bewegt und verunsichert hat. Im Herzen unserer Stadt – auf dem Marktplatz – wurde eine Versammlung unter sichtbarem polizeilichem Schutz in alle vier Himmelsrichtungen abgesichert.

Und gleichzeitig entstand innerhalb dieses geschützten Raumes eine Situation, die in ihrer Wirkung zutiefst verstörend ist.

Nach unserer Wahrnehmung wurde während der Versammlung eine offensichtlich queere Person von einem Redner öffentlich vorgeführt und herabgewürdigt sowie unter anderem als „es“ bezeichnet. Sie wurde des Platzes verwiesen und verließ diesen ruhig und kooperativ.

Auf dem Weg vom Platz entstand der Eindruck, dass sie von Teilnehmenden angerempelt und in einer für sie beängstigenden Weise angegangen wurde.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“
(Artikel 1 des Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland)

Dieser Satz ist das Fundament unseres Zusammenlebens. Und doch mussten wir aufgrund des geschilderten Vorfalls zu dem Eindruck gelangen, dass genau dieses Fundament im öffentlichen Raum nicht ausreichend geschützt war.

Was hier geschehen ist, betrifft nicht nur eine einzelne Person.

  • Es betrifft das Sicherheitsgefühl vieler Menschen.
  • Es betrifft das Vertrauen in den Schutz im öffentlichen Raum.
  • Es betrifft insbesondere queere Menschen, die solche Situationen als reale Bedrohung erleben.

 

Wenn Menschen im Zentrum unserer Stadt – unter den Augen staatlicher Präsenz – das Gefühl haben, nicht sicher zu sein, ist eine Grenze erreicht, die wir nicht akzeptieren können und dürfen.

Wir erkennen die Versammlungsfreiheit ausdrücklich an. Sie ist ein hohes und schützenswertes Gut unserer Demokratie. Doch sie darf nicht dazu führen, dass andere Grundrechte, insbesondere die Würde und Sicherheit von Menschen, faktisch zurückgedrängt werden.

Wir fordern die Stadt Göppingen auf:

Eine klare Stellungnahme zu den Ereignissen abzugeben

Für zukünftige Versammlungen deutlich strengere Auflagen zu prüfen und umzusetzen, insbesondere:

erhöhte und sichtbare Polizeipräsenz im unmittelbaren Publikumsbereich.

klare Schutzkonzepte für gefährdete Personengruppen.

konsequentes Einschreiten bei Herabwürdigung, Bedrohung und Übergriffen.

Den Marktplatz als zentralen Ort unserer Stadt besonders verantwortungsvoll zu schützen:

Wir fordern, dass der Marktplatz als zentraler Ort unserer Stadt nur dann für Versammlungen genutzt wird, wenn die Sicherheit und Würde aller Anwesenden uneingeschränkt gewährleistet werden kann.
Ist dies nicht sicherzustellen, sind alternative Orte in der Stadt festzulegen.

Göppingen ist eine Stadt der Vielfalt. Eine Stadt des Miteinanders. Eine Stadt, in der jeder Mensch seinen Platz haben muss und das ohne Angst. Eine demokratische Gesellschaft zeigt sich nicht darin, dass Konflikte nicht existieren, sondern darin, wie sie mit ihnen umgeht.

Wir bitten Sie um eine Stellungnahme sowie um konkrete Konsequenzen für zukünftige Versammlungen.

 

PM Sozialbündnis Landkreis Göppingen

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