Auf selten gemähten Grünflächen finden Gänseblümchen, Löwenzahn oder die vielfarbige Zaunwicke ihren Platz. Wildbienen, Schwebfliegen und Schmetterlinge tanken dort Nektar, Vögel finden mehr Insekten als Nahrung. Klingt schön? „Machen Sie den Selbsttest“, sagt NABU-Gartenexpertin Aniela Arnold und ruft dazu auf, die Aktion „Mähfreier Mai“ aktiv zu unterstützen: „Lassen Sie den Rasenmäher jetzt im Mai und gerne darüber hinaus im Schuppen und die Blüten im Garten wachsen.“
Die Aktion ist Teil einer aus England stammenden Bewegung. Diese will dazu animieren und motivieren, den Garten als Lebensraum neu kennenzulernen. „So bekommt man ein besseres Gefühl für die Natur vor der Haustüre“, sagt Arnold. Der „Mähfreie Mai“ sei kein Appell an Perfektion, sondern an mehr Geduld und Gelassenheit im Garten. Auch die Nachbarschaft freut sich, wenn statt des Dröhnens des Rasenmähers es plötzlich summt und zwitschert.
Weil die Biodiversität bedroht ist, sind naturnahe Flächen dringend gesucht, auf denen sich die Natur austoben darf. Grund genug, einfach mal nichts zu tun und den Blumen beim Wachsen zuzuschauen. Die meiste Blütenvielfalt entsteht, wenn Wildpflanzen wie Löwenzahn, Brennnessel, Hohe Primel, Günsel, Veilchen, Zaun-Wicke oder Gundermann ihren Platz im Garten finden. Einige Arten tragen „Garten“ oder „Haus“ sogar bereits im Namen – sie kommen typischerweise auch nah am Haus vor, wenn man sie lässt. Dazu gehören die reich blühende Garten-Akelei ebenso wie die Vogelarten Garten- und Hausrotschwanz, die Garten-Blattschneiderbiene, der Gartenschläfer oder die Gartenspitzmaus.
„Generell sollte man seltener mähen. Wenn schon viel blüht im Rasen, dann lieber nur die Wege freischneiden oder größere Blüteninseln stehen lassen“, so Arnold. Sie hat sechs Tipps, wie sich die Artenvielfalt fördern lässt:
Sechs praktische Tipps zum Mitmachen:
- Wachsen lassen statt kurzhalten
Wer den Rasen wachsen lässt, kann dort bald Gänseblümchen, Günsel oder Gundermann finden. Die Samen dieser Wildpflanzen kommen durch Wind, Insekten oder andere Tiere in den Garten und ziehen Wildbienen, Schwebfliegen, Hummeln und Schmetterlinge an.
- Blühinseln statt Rasenmonotonie
Statt Bonusmeilen mit dem Rasenmäher lieber Pflanzenarten sammeln. Statt flächendeckend zu mähen, nur Wege und Ränder freischneiden. Das wirkt aufgeräumt und lässt gleichzeitig Raum für blühende Bereiche. Diese können zwei- bis dreimal jährlich mit der Sense geschnitten werden – am besten zeitversetzt, damit Insekten Rückzugsorte finden. Das Mähgut stets entfernen, weil zu viele Nährstoffe die Vielfalt ersticken.
- Wilde Ecken stehen lassen
Brennnesseln im Garten wachsen lassen? Unbedingt, denn sie sind wichtiges Raupenfutter. Schmetterlingsarten, wie Tagfalter, Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs oder Admiral brauchen Brennnesseln zum Überleben. „Alle lieben diese wunderschönen Tagfalter, viele mähen trotzdem die Brennnesseln ab. Machen Sie mit beim mähfreien Mai und lassen Sie wilde Ecken ganzjährig stehen“, rät Arnold.
- Vogelfutter aus dem Garten
Fast alle unsere Gartenvögel verfüttern proteinreiche Insekten an ihren hungrigen Nachwuchs. Wer durch seltenes Mähen Insekten schützt, hilft den Gartenvögeln ganz direkt. Auch Sämereien sind gefragt: Gimpel fressen neben Insekten Brennnesselsamen. Der Grünfink pickt Samen von Gräsern und Kräutern, die er zum Teil an Nestlinge verfüttert. Der Distelfink ernährt seine Küken weitgehend mit Sämereien von Löwenzahn, Disteln, Kratzdisteln, Flockenblumen, auch Blattläuse sind willkommen. In selten gemähten Gärten wächst das Vogelfutter kostenfrei von selbst.
- Vögel zählen im Mai
Blühflächen sind gute Orte zur Vogelbeobachtung. Die 22. bundesweite „Stunde der Gartenvögel“ vom 8. bis 10. Mai 2026 lockt Vogelbegeisterte überall im Land nach draußen. Wer vorher seltener mäht, hat beste Chancen auf gefiederte Besucher, die hier zur Brutzeit viele Insekten finden. Bei der Aktion werden eine Stunde lang Vögel gezählt. Die Vogelzählung ist auch ein Gradmesser für den Zustand der Gärten: Wo Kräuterwiesen sprießen und Gebüsche als Verstecke vorhanden sind, geht es den Vögeln besser. Auf Schotter, Kies und an Steinstelen gibt es weder Nahrung noch Brutplätze. Infos zur Stunde der Gartenvögel gibt es hier.
- Naturgarten wachsen lassen – so geht’s
Beim naturnahen Gärtnern geht es auch darum, unterschiedliche Lebensräume für Tiere und Pflanzen anzubieten. Jeder Quadratmeter zählt und kein Garten ist zu klein. Ein einziger Garten kann bereits karge Trockenmauern neben üppigen Staudenbeeten, Benjeshecken aus Schnittgut und Wasserstellen beherbergen. Auch einzelne Elemente haben eine große Wirkung. Ideen für mehr Artenvielfalt im Garten gibt es in der kostenfreien Webinar-Reihe zum Naturgarten. Infos und kostenfreie Anmeldung: www.MenschNatur.org/webinar.
Weitere Infos:
Weitere NABU-Tipps für mehr Vielfalt im Garten
Zur Aktion der Stunde der Gartenvögel
PM NABU (Naturschutzbund Deutschland) Landesverband Baden-Württemberg e.V.