„Deutschland ist ein absolutes Täterparadies“ – mit diesen Worten hat Collien Fernandes eine gesellschaftliche Debatte ausgelöst, die zeigt, wie groß der Gesprächsbedarf rund um diverse Formen von Gewalt in Beziehungen ist. Tausende Betroffene melden sich zu Wort. Ein Thema, das lange unsichtbar blieb, rückt ins Zentrum der Öffentlichkeit.
Genau in diesen Moment hinein veröffentlicht das Musikduo ME & THE LION die Musik-Dokumentation „Breaking Point – Wenn Liebe krank macht“ und macht sichtbar, was der MUT-ATLAS des MUT fördern e.V. seit Jahren kartiert: über 12.500 Hilfsangebote in Deutschland, mehr als 360 Hilfsangebote, die spezifisch Betroffene von Gewalt mit sicheren Räumen, spezifischer Beratung und Community-Angeboten unterstützen.
„Breaking Point“: Empowerment durch Musik und persönliche Geschichte
Das Musikduo ME & THE LION aus Rostock klärt seit 2023 über den Zusammenhang von ungesunden Beziehungen und mentaler Gesundheit auf. Ihr dokumentarisches Musikformat verbindet persönliche Erfahrung und Expertenwissen mit Popmusik – und macht sichtbar, wie schnell Dynamiken entstehen, die Betroffene in psychische Krisen führen.
Im Zentrum steht die persönliche Geschichte von Sängerin Anika Sieg, ergänzt durch fachliche Perspektiven von Dipl.-Psychologin Turid Müller und Stimmen aus der Gesellschaft. Ziel ist es, aufzuklären und Betroffene zu ermutigen, Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Das Projekt entstand in Trägerschaft des Mut fördern e.V. und wurde durch die KKH Kaufmännische Krankenkasse finanziert – ein Zeichen, dass das Thema zunehmend auch im gesundheitspolitischen Kontext Aufmerksamkeit erhält.
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Link zur Musik-Doku auf YouTube
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Veröffentlichung des Songs „Breaking Point“ am FR, 10.04.2026 auf YouTube (ME & THE LION)
MUT-ATLAS: 12.500 Hilfsangebote auf einer Karte – und es werden täglich mehr
Parallel zur Veröffentlichung des Films zeigt der MUT-ATLAS (www.mut-atlas.de), wie viel Hilfe bereits existiert. Die Plattform wird fortlaufend um neue Hilfsangebote erweitert. Die deutschlandweite, anonyme und nicht-kommerzielle Plattform listet derzeit über 360 Hilfsangebote speziell zum Thema Gewalt – von Beratungsstellen und Schutzunterkünften über Online-Communities bis hin zu spezifischen Angeboten für Frauen, Männer, queere Menschen und Jugendliche. Die Zahl wächst kontinuierlich.
„Viele wissen gar nicht, dass es jenseits der Krisentelefone ein breites Netz an Hilfen gibt. Der MUT-ATLAS bringt diese Vielfalt gebündelt auf eine Karte“, sagt Sebastian Burger, Initiator und künstlerischer Leiter des MUT-ATLAS. In einer Zeit, in der die Telefonseelsorge und Krisendienste zunehmend überlastet sind, schließt die Plattform eine entscheidende Lücke.
Entstanden ist der MUT-ATLAS aus unmittelbarer Erfahrung: Bei der MUT-TOUR – dem bekanntesten Projekt des Vereins, bei dem Menschen seit 2012 auf Tandems durch Deutschland fahren und Öffentlichkeitsarbeit leisten – wurde deutlich, dass viele Betroffene zwar Hilfe brauchten, passende Anlaufstellen aber oft nur mit viel Anstrengung fanden. Nicht weil es grundsätzlich an Angeboten fehlte, sondern weil diese schwer auffindbar waren oder das Hilfesystem von außen kaum verständlich ist. Heute umfasst die digitale Karte über 12.500 Einträge diverser Hilfsangebote in ganz Deutschland.
„Es braucht verschiedene Angebote. Der eine Mensch braucht die Anonymität eines Telefonats. Jemand anderes braucht das menschliche Gegenüber. Es gibt nicht das EINE Angebot für alle, wir brauchen einfach Vielfalt.“, sagt Prof. Dr. Heide Glaesmer, Universität Leipzig
Aufklärung und Orientierung Hand in Hand
Die Musik-Doku „Breaking Point“ und der MUT-ATLAS verfolgen dasselbe Ziel: Betroffene von Gewalt in Beziehungen sollen wissen, dass sie nicht allein sind – und dass Hilfe erreichbar ist. Die Doku motiviert Betroffene, das eigene Erleben zu benennen und sich Hilfe zu suchen. Der MUT-ATLAS zeigt den nächsten Schritt: konkrete, erreichbare Unterstützung, anonym und ohne Umwege.
Der MUT-ATLAS reicht dabei weit über das Thema Gewalt hinaus: Die Plattform verzeichnet Hilfsangebote zu Depression, ADHS, Autismus, Migration und vielen weiteren Themen – als Wegweiser für Menschen in den unterschiedlichsten Lebenssituationen.
Informationen
- Musik-Doku: ME & THE LION | YouTube-Release
- MUT-ATLAS: www.mut-atlas.de
- Förderung (Breaking Point): KKH Kaufmännische Krankenkasse
- Für unsere MUT-TOUR wurden wir 2025 mit dem Phineo-„Wirkt!“-Siegel und 2015 mit dem Antistigma-Preis der DGPPN ausgezeichnet. 2026 gibt es wieder über 40 Aktionstage in ganz Deutschland. Gern mitmachen!
- Unser MUT-ATLAS ist die Zentrale Plattform für psychosoziale Hilfe. Wir bieten Reichweite für eure Angebote und die dafür nötige komplette technische Infrastruktur.
- Gemeinsam mit dem Universitätsmedizin Leipzig sind wir vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) beauftragt, einen Suizidpräventionsatlas zu realisieren.
- Der Mut fördern e.V. ist Mitglied im Aktionsbündnis Seelische Gesundheit sowie in anderen Vereinen und Institutionen.
PM Mut fördern e.V. c/o Musiker*innen-Initiative Bremen e. V.