Pünktlich zum langen Osterwochenende hat die Wilhelma eine neue botanische Sonderausstellung eröffnet: Diese entführt die Besucherinnen und Besucher des Zoologisch-Botanischen Gartens in die Pflanzenwelt des westpazifischen Inselstaates Palau. Die Ausstellung gibt Einblicke in die Biodiversität eines der artenreichsten, aber auch fragilsten Inselökosysteme der Erde.
Palau gehört zum sogenannten Polynesien-Mikronesien-Biodiversitäts-Hotspot und zeichnet sich durch eine bemerkenswerte Dichte endemischer Pflanzenarten aus – also Arten, die ausschließlich dort vorkommen. Die geografische Isolation der Inseln hat zu hochspezialisierten Lebensgemeinschaften geführt. Viele Pflanzen Palaus sind heute durch den Klimawandel, steigenden Meeresspiegel, invasive Arten und Lebensraumverlust bedroht. Das gilt insbesondere für die Orchideen: Fast 100 unterschiedliche Arten wurden in Palau nachgewiesen – die größte Vielfalt in ganz Mikronesien. Ihre staubfeinen Samen sind auf eine Symbiose mit speziellen Pilzen angewiesen, um keimen zu können. Diese enge ökologische Beziehung macht sie besonders sensibel für Umweltveränderungen. Die Ausstellung greift diese Problematik auf und zeigt unter anderem auch eingeschleppte Pflanzenarten, welche die natürlichen Habitate zunehmend unter Druck setzen.
Die Sonderschau führt entlang typischer Lebensräume Palaus – von Küstenbereichen über Mangrovenwälder bis hin zu tropischen Regenwäldern im Inselinneren. Eine mit viel Sorgfalt angelegte Bepflanzung und thematische Stationen vermitteln die Vielfalt dieser Ökosysteme und verdeutlichen zugleich ihre Verletzlichkeit. Den Abschluss der Ausstellung bildet eine Infotafel über das Leben und Wirken von Augustin Krämer. Der 1941 in Stuttgart verstorbene und in Palau noch heute allseits bekannte Cannstatter Marinearzt hat Anfang des 20. Jahrhunderts über zwei Jahre in Palau gelebt und die dortige Natur und Kultur in mehreren Büchern dokumentiert. Seine Aufschriebe bilden heute wichtige Quellen zur Geschichte von Palau und sind sogar in die Verfassung des unabhängigen Inselstaates eingeflossen.
Ein weiteres zentrales Element der Ausstellung ist die Darstellung aktueller Forschungs- und Erhaltungsmaßnahmen. Seit 2019 arbeitet die Wilhelma mit Partnerinstitutionen in Palau sowie der San Diego Zoo Wildlife Alliance in den USA zusammen, um eine wissenschaftliche Erhaltungssammlung bedrohter und endemischer Pflanzen aufzubauen. Stein des Anstoßes für diese erfolgreiche internationale Zusammenarbeit war das persönliche Engagement der Wilhelma-Gärtnerin Jasmin Langhammer, die sich im Rahmen zunächst rein privater Reisen nach Palau für die Pflanzenwelt des Inselstaates begeisterte und später mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Belau National Museum den Grundstock der Palau-Sammlung in der Wilhelma aufgebaut hat.
„Mit der neuen Ausstellung möchten wir die faszinierende Pflanzenwelt Palaus nicht nur präsentieren, sondern auch die komplexen ökologischen Zusammenhänge verständlich machen“, erläutert Dr. Björn Schäfer, Leiter des Fachbereichs Botanik in der Wilhelma. „Die Kombination aus lebenden Pflanzen, wissenschaftlichen Inhalten und anschaulicher Landschaftsdarstellung erlaubt es, Besucherinnen und Besucher für die Bedeutung dieser einzigartigen Ökosysteme zu sensibilisieren.“
Wilhelma-Direktor Dr. Kölpin betont die übergeordnete Bedeutung des Projekts: „Der Schutz der Biodiversität ist eine globale Aufgabe, die nur durch internationale Kooperation gelingen kann. Zoos und Botanische Gärten leisten hierbei einen wichtigen Beitrag, indem sie bedrohte Arten erhalten, erforschen und der Öffentlichkeit zugänglich machen.“
Die Palau-Ausstellung ist ab sofort für alle Besucherinnen und Besucher der Wilhelma geöffnet. Sie befindet sich innerhalb der historischen Gewächshauszeile in einem separaten Schauhaus, das über eine Seitentür des Kamelienhauses zugänglich ist.
Foto: Blüte der auf Palau eingeführten Philippinischen Signalpflanze Mussaenda phillippica.
PM Wilhelma Zoologisch-Botanischer Garten Stuttgart