Die Hürden im internationalen Geschäft nehmen weiter zu: 77 Prozent der baden-württembergischen Unternehmen berichten in der DIHK-Umfrage ‚Going International 2026‘ von wachsenden Handelsbarrieren im Ausland – so viele wie nie zuvor. Vor zehn Jahren lag dieser Anteil noch bei 32 Prozent. „Der Südwesten ist Exportland Nummer eins und genau deshalb treffen uns neue Handelshemmnisse und Unsicherheiten besonders hart“, sagt Claus Paal, Vizepräsident des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertages (BWIHK). Bundesweit beklagen 69 Prozent der Unternehmen steigende Handelshemmnisse – auch hier ein Allzeithoch.
„Die Politik muss gegensteuern“, fordert Paal. „Europa kommt bei Handelsabkommen endlich voran, man fragt sich nur: Warum erst jetzt?“ Allerdings wachse auf der anderen Seite die Bürokratie aus Bund und Europa unverändert weiter. „Für unsere Unternehmen zählt, was sie tatsächlich belastet. Und das nimmt mit hoher Taktung immer noch weiter zu. Der Handlungsdruck wird fahrlässig unterschätzt.“
Handelshemmnisse erreichen neue Dimension
Das Allzeithoch der von Handelsbarrieren im Ausland betroffenen Südwestunternehmen betrifft dabei unterschiedliche Aspekte an Hemmnissen, die das Wirtschaften vor Ort und den Export erschweren. Besonders ins Gewicht fallen:
- steigende Zölle (78 Prozent)
- lokale Zertifizierungspflichten (49 Prozent)
- verschärfte Exportkontrollen (43 Prozent)
Gleichzeitig wächst auch der Druck im Inland: 86 Prozent der Betriebe sehen sich mit zusätzlichen Hürden aus Deutschland oder der EU konfrontiert, das sind acht Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. „Unsere Unternehmen stehen doppelt unter Druck: Zum einen durch zunehmenden Protektionismus und Unsicherheiten weltweit, zum anderen kommen immer komplexere Regeln hier vor Ort hinzu. Das ist ein massives Standortproblem“, so Paal.
Bürokratie wird zum zentralen Bremsklotz
Besonders kritisch bewerten Unternehmen den steigenden administrativen Aufwand:
- 51 Prozent klagen über komplexe Genehmigungsverfahren, Exportkontrollen und Dokumentationspflichten,
- 46 Prozent über umfangreiche Berichtspflichten entlang der Lieferketten,
- 35 Prozent über neue Verpackungsvorgaben.
„Unsere Betriebe wollen Märkte erschließen, stattdessen kämpfen sie sich durch Formulare und Genehmigungen. Das kostet Zeit, Geld – und im Zweifel Aufträge“, sagt Paal.
Weltmärkte bleiben schwierig – Indien gewinnt an Bedeutung
Die Lage im Auslandsgeschäft bleibt angespannt:
- 35 Prozent der Unternehmen bewerten ihre Situation als ungünstig,
- nur 21 Prozent berichten von guten Geschäften.
Auch die Erwartungen bleiben verhalten:
- 22 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung,
- 15 Prozent mit einer Verbesserung.
Vor allem der US-Markt bereitet zunehmend Sorgen. In Nordamerika überwiegt der Pessimismus deutlich, auch in Süd- und Mittelamerika bleibt die Lage schwierig. Europa zeigt sich stabiler, jedoch ohne nennenswerte Dynamik – insbesondere im Vereinigten Königreich sowie in Ost- und Südosteuropa dominieren negative Einschätzungen. Asien setzt dagegen positive Impulse: Indien entwickelt sich für viele Unternehmen zum Hoffnungsträger mit deutlich optimistischeren Erwartungen. China bleibt hingegen ein herausforderndes Umfeld mit gemischten Perspektiven.
Informationen zur Umfrage:
Im Rahmen der DIHK-Umfrage ‚Going International 2026‘ wurden vom 2. bis zum 13. Februar 2026 bundesweit 2.400 auslandsaktive Unternehmen befragt. Aus Baden-Württemberg beteiligten sich davon 241 Unternehmen.
Claus Paal ist Vizepräsident des BWIHK und Präsident der IHK Region Stuttgart, die im BWIHK für den internationalen Handel federführend ist.
Der Baden-Württembergische Industrie- und Handelskammertag (BWIHK) ist eine Vereinigung der zwölf baden-württembergischen Industrie- und Handelskammern (IHKs). In Baden-Württemberg vertreten die zwölf IHKs die Interessen von mehr als 650.000 Mitgliedsunternehmen. Zweck des BWIHK ist es, in allen die baden-württembergische Wirtschaft und die Mitgliedskammern insgesamt betreffenden Belangen gemeinsame Auffassungen zu erzielen und diese gegenüber der Landes-, Bundes- und Europapolitik sowie der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) und anderen Institutionen zu vertreten.
PM Baden-Württembergischer Industrie- und Handelskammertag