Maschinen- und Anlagenbau: Durch fehlende Investitionen stehen Beschäftigte unter Druck

  • Maschinenbaubranche weiterhin auf schlechtem wirtschaftlichem Niveau
  • Unternehmen investieren zu wenig und US-Zölle belasten das Geschäft
  • IG Metall fordert Zukunftsdialog für die Branche unter Federführung des Wirtschaftsministeriums

 

Eine Schlüsselbranche der deutschen Wirtschaft kommt seit mehreren Jahren nicht von der Stelle: der Maschinen- und Anlagenbau. Im jährlichen Trendmelder befragt die IG Metall Betriebsräte zur aktuellen Lage der Branche. Die Ergebnisse zeichnen das Bild einer Branche, die viel zu wenig investiert und ausbildet, um aus der Stagnation herauszukommen. Die Gewerkschaft fordert höhere Investitionen und Unterstützung aus der Politik.

„Die Maschinen- und Anlageindustrie ist der Treiber für den industriellen Wandel in Deutschland und der Welt. Die Branche stellt die Maschinen für digitalisierte und klimafreundliche Produktionsprozesse her. Wenn es dort stockt, stockt auch der Fortschritt in der restlichen Industrie“, warnt Jürgen Kerner, Zweiter Vorsitzender der IG Metall.

Fehlende Investitionen gefährden die Zukunft der Branche

In der Umfrage gab nur ein Viertel der Befragten an, dass sie die aktuellen Investitionen in ihren Unternehmen als gut oder sehr gut ansehen. Die Hälfte erklärte, dass das Unternehmen bei der bisherigen Höhe der Investitionen bleibt und damit auf einem kritischen Niveau verharrt. Das verschlechtert die Zukunftsaussichten für die gesamte Branche und den Standort in Deutschland. Hinzu kommt ein stagnierendes Niveau an Auszubildenden. „Die Unternehmen müssen die Weichen jetzt neu Richtung Zukunft stellen, damit die Branche wieder Fahrt aufnimmt und international wieder wettbewerbsfähiger wird“, fordert Kerner. „Es gilt jetzt, antizyklisch zu investieren, um die Krise hinter sich zu lassen.“

Neuer Zukunftsdialog soll Strategien entwickeln

Um die Herausforderungen in der Branche gemeinsam zu bewältigen und die industrielle Entwicklung nachhaltig zu gestalten, schlägt die IG Metall in einem mit Betriebsrätinnen und Betriebsräten entwickelten Positionspapier die Einrichtung eines „Zukunftsdialogs Maschinen- und Anlagenbau“ unter Leitung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie vor. In diesem Format sollen Vertreterinnen und Vertreter der IG Metall, der Unternehmen, der Wissenschaft und der Politik gemeinsam Strategien entwickeln, um Innovation, gute und sichere Arbeit sowie eine nachhaltigere Standortentwicklung zu stärken. Die IG Metall wird hierzu auf den VDMA und das Wirtschaftsministerium zugehen und den Zukunftsdialog initiieren.

Mäßige Auftragslage und Beschäftigte unter Druck

Die Zeit drängt, denn immer mehr Beschäftigte sind von Personalabbau betroffen. Ein Drittel der Befragten rechnet mit sinkenden Beschäftigtenzahlen innerhalb des nächsten Jahres. In 129 der befragten Betriebe wurde für über 13.200 Personen ein Arbeitsplatzverlust angekündigt. Der Abbau betrifft nun zunehmend die Kernbelegschaft, denn Leiharbeit und befristete Beschäftigungen wurden bereits in den letzten Jahren weitgehend beendet.

Hinzu kommt, dass die Instrumente zur Krisenbewältigung teilweise ausgeschöpft sind. So plant ein Viertel der Betriebe, in Kurzarbeit zu gehen oder sie sind es bereits. Zudem werden in einem Drittel der Betriebe aktuell die Arbeitszeitkonten abgebaut. Jürgen Kerner erklärt: „Vor diesem Hintergrund fordern wir ein klares Bekenntnis der Arbeitgeber zum Industrie- und Produktionsstandort Deutschland und eine nachhaltige und qualifizierte Personalplanung sowie Weiterbildungsangebote für alle Beschäftigten, insbesondere in diesen Krisenzeiten.“

Mit Local-Content-Vorgaben auf US-Zölle antworten

Diese aktuelle Lage spiegelt sich auch in den Auftragsbüchern wider. Nur etwa ein Drittel der Befragten bewertet die Höhe der Auftragseingänge als gut. 16 Prozent gehen sogar von sinkenden Aufträgen aus. Das liegt unter anderem an den US-Zöllen, die laut 43 Prozent der Befragten ihren Unternehmen schaden. „Die Politik muss die US-Zölle wieder in Angriff nehmen. Denn sie gefährden ganz akut die Produktion in Deutschland“, sagt Kerner. Die USA ist das wichtigste Exportland der Branche, weswegen bereits 45 Prozent der Betriebe Produktionsstandorte in den Staaten haben.

Die Trump-Regierung hat mit ihrer Politik, Produktionsverlagerung in die USA zu erzwingen, zum Teil Erfolg. 15 befragte Betriebe setzen aktuell bereits eine Verlagerung von Produktion in die USA als Reaktion auf die Zollerhöhungen um. Weitere 15 Betriebe haben konkrete Planungen zu Verlagerungen begonnen und in 8 Prozent der befragten Betriebe wird zumindest darüber diskutiert. Auch deshalb setzt sich die IG Metall für eine Stärkung der Local-Content-Maßnahmen ein. Die Gewerkschaft ist überzeugt: Wer Zugang zu dem europäischen Binnenmarkt haben möchte, muss auch vor Ort produzieren. Nur solche Regelungen können die Produktion in Deutschland auf lange Sicht absichern.

Der Trendmelder ist eine seit 2017 jährlich im Frühjahr von der IG Metall durchgeführte Befragung von Betriebsrätinnen und Betriebsräten im Maschinen- und Anlagenbau. Er erfasst ihren Blick auf die Branche. In diesem Jahr haben mehr als 560 Betriebe teilgenommen und die Befragung wurde um Fragen zu den Auswirkungen der US-Zölle ergänzt.

Weiterführende Informationen:

 

PM IG Metall

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