Ich habe genug ! „Respektlosigkeit frisst unsere Gesellschaft auf – und keiner stoppt es!“

Ich sage es, wie es ist: Wir haben ein Problem. Ein gewaltiges. Und jeder, der täglich draußen unterwegs ist, sieht es. Ich habe Jahrzehnte im Rettungsdienst gearbeitet, ich habe Menschen in Not geholfen, ich habe Gewalt erlebt, ich habe Situationen entschärft, die kurz vor dem Abriss standen. Und genau deshalb spreche ich jetzt Klartext: Der Respekt ist weg. Komplett.

Ich sehe Menschen, die ihren Müll einfach fallen lassen, als wäre es das Normalste der Welt. Hundekot bleibt liegen, weil sich keiner mehr verantwortlich fühlt. Jugendliche pöbeln rum, Erwachsene benehmen sich wie Kleinkinder, und jeder glaubt, er sei der Mittelpunkt des Universums. Ich habe darüber im Filstalexpress geschrieben – und ich stehe zu jedem einzelnen Satz. Denn ich erlebe es jeden Tag.

Ich habe in meinem Leben gelernt, dass nicht die Starken, Reichen und Schönen zählen – sondern der Mensch. Der ganz normale Mensch, der versucht, seinen Alltag zu meistern. Aber genau dieser Mensch wird heute überrollt von Egoismus, Rücksichtslosigkeit und einer Gleichgültigkeit, die mich fassungslos macht.

Ich habe unzählige Einsätze gefahren. Ich weiß, wie schnell Situationen kippen. Ich weiß, wie wichtig es ist, Haltung zu zeigen. Und ich weiß auch, wie oft wir Einsatzkräfte heute beschimpft, bedrängt oder sogar angegriffen werden. Früher war der Rettungswagen ein Ort des Vertrauens. Heute müssen wir manchmal aufpassen, dass wir nicht selbst zum Opfer werden.

Deshalb trainiere ich Kampfsport. Nicht, um stark auszusehen – sondern um stark zu bleiben. Körperlich, geistig, menschlich. Ich bilde aus, ich gebe weiter, was ich gelernt habe. Denn wenn wir uns nicht selbst schützen, tut es keiner.

Ich habe nie nur zugeschaut. Ich habe gehandelt. Ich habe ein blinkendes Notfallschild entwickelt, das Rettungskräften nachts den Weg weisen sollte. Es wurde ausgezeichnet, es wurde gelobt – und dann von Bürokratie ausgebremst. Das hat mich nicht gebrochen. Es hat mich wütender gemacht. Und entschlossener.

Ich will, dass wir wieder miteinander reden, bevor wir übereinander herfallen. Ich will, dass wir Konflikte lösen, bevor sie eskalieren. Ich will, dass wir uns wieder ansehen, zuhören, ernst nehmen. Wir brauchen wieder Menschlichkeit. Und zwar sofort.

Ich sage es so hart, wie es gesagt werden muss: Wenn wir nicht endlich anfangen, uns gegenseitig mit Respekt zu begegnen, dann verlieren wir alles, was eine Gesellschaft zusammenhält.

Und deshalb bleibe ich dabei: Mensch sein muss der Mensch. Punkt.

Alfred Brandner

 

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://filstalexpress.de/filstalexpress/203976/ich-habe-genug-respektlosigkeit-frisst-unsere-gesellschaft-auf-und-keiner-stoppt-es/

Schreibe einen Kommentar