„Aktenkundige Fact Story“: Rotlicht-Crash bei Einsatzfahrt

RTW-Fahrerin rechtskräftig verurteilt – doch der Beifahrer wird zum Leidtragenden eines Bürokratie-Albtraums.

Ein Notfalleinsatz der mit großer Wahrscheinlichkeit niemals in Vergessenheit gerät. Der Rettungseinsatz, Blaulicht, Eile – und dann der Moment, der alles zerstört: Die Fahrerin eines Rettungswagens rast bei Rot in eine große Kreuzung. Der Beifahrer, selbst erfahrener Rettungsassistent, erkennt die Gefahr früh, ruft laut, warnt verzweifelt – doch: Keine Reaktion!

„Sie zeigt keine Reaktion… Das Einsatzfahrzeug schießt den querenden PKW ab.“ So beschreibt der Betroffene den Horror-Moment.

Der Crash ist heftig. Menschen werden verletzt. Der Beifahrer kommt äußerlich glimpflich davon – doch innerlich beginnt ein monatelanger Kampf. „Regelmäßig werden Sie durch Unfall-Träume aus dem Schlaf geholt.“

Gericht urteilt klar: Fahrerin schuldig!

Die Ermittlungen sind eindeutig: Die RTW-Fahrerin wird rechtskräftig verurteilt. Damit steht fest: Der Beifahrer trägt keinerlei Schuld.

Doch während das Gericht Klarheit schafft, beginnt für den Betroffenen erst jetzt der eigentliche Albtraum.

Unglaublich: Arbeitgeber zweifelt Unfallfolgen an

Statt Rückhalt bekommt der Rettungsassistent Misstrauen. Der Arbeitgeber meldet der Krankenkasse Zweifel an der Erkrankung – trotz Klinikdiagnose, Facharztbefund und später sogar MDK-Gutachten.

Auf dem Schreibtisch der Sachbearbeiterin liegt das Fax des Arbeitgebers offen sichtbar. Die Botschaft: Vielleicht simuliert er ja.

Für den Betroffenen ein Schlag ins Gesicht.

Bürokratie statt Fürsorge

Was folgt, ist ein Spießrutenlauf:

  • Gutachten
  • Formulare
  • Zuständigkeitsgerangel
  • Rückfragen
  • Druck
  • und immer wieder dieselbe Frage: „Wie lange werden Sie krank sein?“

Währenddessen kämpft der Betroffene mit Erschöpfung, Schlafstörungen und der ständigen Angst, dass ein Fehler im Formular den Krankengeldanspruch gefährdet.

Ein Jahr später – und der nächste Tiefschlag

Nach intensiver Therapie, Sportprogramm und mentalem Training kehrt der Rettungsassistent vollständig genesen in den Dienst zurück. Ein Jahr Vollschicht. Keine Probleme. Stabil.

Doch dann kommt Post vom Arbeitgeber: Die unfallbedingten Ausfalltage hätten das Arbeitsverhältnis „erheblich belastet“. Die Kosten werden auf den Cent genau aufgelistet.

Der Mann, der unschuldig in einen Crash geriet, der durch eine inzwischen verurteilte Kollegin verursacht wurde, wird erneut zum Problem erklärt.

Ein Fall, der fassungslos macht

Ein Rettungsassistent, der alles richtig macht. Ein Unfall, den er nicht verhindern konnte. Ein Gericht, das seine Unschuld bestätigt. Und ein System, das ihn trotzdem zermürbt.

Sein Fazit: „Unschuldig geschädigt – und zusätzlich mit bürokratischem Aufwand überhäuft.“

Alfred Brandner

 

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