12. Ellwanger Tage „Lebendige Geschichte“ boten fundiertes Know-how zum Thema „Vom Fund zur Rekonstruktion“

Am 21. und 22. Februar 2026 fanden im Alamannenmuseum in Ellwangen die inzwischen 12. Ellwanger Tage „Lebendige Geschichte“ statt. Thema dieses Mal war „Vom Fund zur Rekonstruktion“.

Die Ellwanger Tage „Lebendige Geschichte“ sind eine Fortbildungsveranstaltung für Geschichtsdarsteller, die sich im Alamannenmuseum etabliert hat. Sechzehn Teilnehmer lernten an zwei Tagen in verschiedenen Vorträgen und Workshops nützliche Details zur Geschichtsdarstellung.

Jürgen Heinritz, Gründer der Alamanni, der Darstellergruppe, die im Alamannenmuseum Ellwangen beheimatet ist, war der Hauptorganisator der Ellwanger Tage in Zusammenarbeit mit dem Museumsleiter Andreas Gut.

Im ersten Workshop, den Johann Schrempp hielt, drehte sich alles darum, wie die Funde von der Grabung ins Archiv gelangen. Schrempp hat selbst die letzten Jahre beim Zentraldepot des Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg in Rastatt gearbeitet und konnte daher den Teilnehmern viel Hintergrundwissen vermitteln. Schrempp hatte sein Wissen nicht nur in einen informativen Vortrag gesteckt, er brachte die „trockene Materie“ sehr unterhaltsam den Teilnehmern bei. Er erläuterte, was Funde sind (bewegliche Kulturgüter). Wo werden archäologische Funde aufbewahrt? In Baden-Württemberg ist es das Archäologische Landesmuseum. Das Hauptlager für Funde ist in Rastatt. Von dort werden die Funde beispielsweise an Museen ausgeliehen. In Konstanz ist das Museum des Archäologischen Landesmuseums, in Rastatt das zugehörige zentrale Fundarchiv. Im Fundarchiv werden die Funde gezeichnet, mit Nummern versehen, fotografiert und teilweise restauriert. Die neueren Fundstücke müssen nicht mehr restauriert werden, die werden vom Landesamt für Denkmalpflege schon restauriert geliefert. Die Fundstücke kommen in eine Datenbank. Allerdings liegt durch die große Menge an Funden die Priorität für die Datenbankerfassung bei den Stücken, die zuerst gebraucht werden, nicht nach dem Datum der Anlieferung. Je nach Fundmaterial wird das archäologische Kleinod in Rastatt gelagert. Keramik wird bei anderer Keramik gelagert, Knochen bei anderen Knochen, alles im passenden Klima.

Im nächsten Workshop führte Jürgen Heinritz den Teilnehmern einen Weg von einer Fundbeschreibung zu einer museumstauglichen Rekonstruktion vor. Er hatte sich ein Grab von Trossingen ausgesucht und entwickelte anhand von Veröffentlichungen aus dem archäologischen Bereich mithilfe von verschiedenen Experten in jahrelanger Arbeit ein Schwert, eine Schwertscheide, das passende Gehänge, einen Gürtel mit Gürteltasche und vieles mehr. Alle Stücke sind möglichst nah am Original gehalten, allerdings bleibt aus erhaltungstechnischen Gründen sehr viel Raum für Interpretation.

Der Sonntag begann morgens mit dem letzten Workshop, Johann Schrempp hielt auch diesen ab. Der Titel des Workshops war „Wenn Funde erzählen könnten…“. Schrempp erklärte den Teilnehmern, wie die Funde zugeordnet werden und wo dabei Probleme auftreten. Beispielsweise kann eine Axt sowohl als Gerät bzw. Werkzeug angesehen werden, aber auch als Waffe. Auch auf die Datierung der Funde ging Schrempp ausführlich ein. Die Dendrochronologie, also die Zuordnung über die Jahresringe von Bäumen, ist nur eine von vielen Möglichkeiten. Für diesen Workshop hatte Schrempp extra Originalfundstücke mitgebracht, die die Teilnehmer sogar in die Hand nehmen durften. Unter anderem hatte er einen Stein mit einer Spitze und einem Loch dabei. Er fragte die Teilnehmer, was das wohl gewesen sein könnte. Eine Axt, war der erste Gedanke. Allerdings lag das Loch im Stein falsch für eine Axt. Es war wohl ein Querbeil, ein so genannter Dechsel. Er erläuterte ausführlich, wie wichtig für die Deutung eines Fundes das ganze Drumherum, die Lage usw. ist. Ohne dieses Wissen sind schöne Anschauungsobjekte für die Archäologen wertlos.

Schrempp begeisterte mit seinen Vorträgen die Teilnehmer, die ihn mit vielen Fragen bombardierten und Schrempp konnte diese ausführlich beantworten. Die Teilnehmer gaben alle positives Feedback und schwärmten von einer Fortsetzung der Ellwanger Tage.

Zum Ende der Veranstaltung bedankte sich Heinritz bei allen und eröffnete, dass er die Ellwanger Tage nicht weiter fortführen würde. Er wollte aus Altersgründen kürzertreten. Ob ein Nachfolger als Organisator gefunden wird, ist nicht absehbar. Die Alamanni, die Darstellergruppe des Alamannenmuseums, überreichte Heinritz einen gut gefüllten Präsentkorb als Dankeschön für die zwölf Ellwanger Tage „Lebendige Geschichte“. Alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen waren begeistert von der Fortbildung und nahmen viel Neues mit nach Hause.

Foto (Daniela Bittner): Johann Schrempp (links) und Museumsleiter Andreas Gut mit einem originalen Fundstück, einem steinernen Querbeil

PM Alamannenmuseum Ellwangen

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