- Milde Temperaturen als Startsignal für Wanderung
- Straßenverkehr ist große Gefahr für die bedrohten Tierarten und ihre Helfer*innen
- Meldung von Amphibienfallen erbeten
Durch die milden Temperaturen im Land erwachen die ersten heimischen Amphibienarten aus ihrer Winterstarre. Sobald die Werte auch nachts wieder einige Zeit lang über fünf Grad liegen, machen sich zuerst Spring- und Grasfrösche, dann Erdkröten und Molche sowie ab März auch Feuersalamander auf die alljährliche Wanderung zu ihren Laichgewässern.
Jonathan Bauder, Projektleiter des Projekts „220 Amphibiengewässer“ beim BUND Baden-Württemberg: „Wir hoffen, dass viele Tiere in diesem Jahr den Weg zu ihren Laichgewässern finden. Mehr als 180 Gewässer haben die Beteiligten vor Ort in unserem Projekt ,220 Amphibiengewässer’ bereits für sie saniert. Diese Einladung nehmen hoffentlich viele Frösche, Molche und Co. an. Denn bei 14 von unseren 19 heimischen Amphibienarten sind teils deutliche Bestandsrückgänge zu verzeichnen. Mit unserem Projekt steuern wir gemeinsam aktiv dagegen und sorgen für mehr Lebensräume.“
Straßen als lebensgefährliches Hindernis
Fehlende geeignete Lebensräume sind jedoch nicht der einzige Grund für den Rückgang von Amphibienbeständen. Viele Tiere fallen auf ihrer Wanderung zu den Laichgewässern dem Verkehr zum Opfer. Der Weg ist meist von Straßen zerschnitten. Viele ehrenamtliche Amphibienschützer*innen im Land, unter anderem Aktive in über 50 BUND-Gruppen, sind deshalb jetzt unermüdlich im Einsatz: Sie errichten Schutzzäune, sammeln die Tiere jede Nacht in Eimern, tragen sie über die Straße und setzen sie hinter dem Schutzzaun wieder aus. So gelangen Frosch, Kröte und Co. sicher zu ihren Laichgewässern. Trotzdem gibt es für sie an vielen Straßen im Land weder Zäune noch Tunnel. Auf Straßen mit Amphibienwarnschildern sollten Verkehrsteilnehmende jetzt langsamer fahren.
Jonathan Bauder: „Fahren Sie bitte vor allem bei Dunkelheit, wenn es draußen feucht ist und die Temperaturen über fünf Grad liegen, besonders rücksichtsvoll. Da Amphibien oft bewegungslos im Licht von Scheinwerfern verharren, geraten sie häufig unter die Räder. Wenn Sie sehen, dass bereits viele Amphibien auf der Straße sind, kann ein Umweg sehr viele Leben retten. Denn selbst wenn sie nicht von den Rädern zerquetscht werden, können die Tiere durch die Druckwelle des fahrenden Autos sterben, auch bei geringen Geschwindigkeiten. Schnelles Fahren oder geringer Abstand gefährdet zusätzlich die ehrenamtlichen Helfer*innen beim nächtlichen Einsatz am Straßenrand.“
Mithelfen ist ganz einfach
Je nach Witterung kann sich die Amphibienwanderung über mehrere Wochen ziehen. Helfende Hände sind in den BUND-Gruppen in der Hochphase der Amphibienwanderungen sehr willkommen. Sie benötigen keine Vorkenntnisse, eine kleine Einweisung vor Ort genügt. Insbesondere für Kinder ist die Wanderung der Tiere eine gute Gelegenheit, Amphibien kennenzulernen und sie mit eigenen Augen in Ruhe zu betrachten. Da die Tiere erst in der Dämmerung loslaufen, sind sie keine alltägliche Naturbeobachtung für die meisten Menschen.
Wer mithelfen möchte oder einen Straßenabschnitt mit einer Amphibien-Wanderung entdeckt, um den sich niemand kümmert, kann sich gerne an die nächste BUND-Gruppe wenden. Informationen finden Sie unter www.bund-bawue.de/BUNDvorOrt
Fallen für Amphibien melden
Darüber hinaus geraten viele Amphibien auf ihren Wanderungen zwischen Laichgewässern und Landlebensräumen unbeabsichtigt in unser Abwassersystem. Sie orientieren sich dabei an künstlichen Strukturen wie Bordsteinkanten und werden so häufig direkt zu Gullys geführt. Dort fallen sie hinein oder werden bei Regen hineingespült – ein Entkommen ist meist nicht möglich. Viele Tiere verenden in den Gullys oder in der Kanalisation.
Um das Ausmaß dieses Problems in Baden-Württemberg besser zu verstehen und gezielte Schutzmaßnahmen umsetzen zu können, hat der BUND eine Umfrage gestartet. Wenn Sie Amphibienfallen (Straßenabläufe, Gullys, und Schächte jeglicher Art) im Siedlungsbereich oder entlang von Wanderstrecken der Tiere kennen, können Sie uns diese unter folgendem Link melden: www.bund-bawue.de/amphibienfalle
Hintergrund:
Das Projekt „220 Amphibiengewässer“ führt der BUND Baden-Württemberg seit Juli 2022 in Kooperation mit dem Amphibien-Reptilien-Biotopschutz Baden-Württemberg (ABS) und dem NABU Baden-Württemberg durch. Das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg fördert das landesweite Projekt bis Herbst 2026. Es ist Teil der Artenschutzoffensive (ASO) Baden-Württembergs, über die ein Großteil der Sanierungsmaßnahmen gefördert werden. Durch das Anstoßen von je fünf Gewässersanierungen in allen Land- und Stadtkreisen Baden-Württembergs sollen 220 Gewässer landesweit zum Schutz der heimischen Amphibienbestände beitragen. Darüber hinaus vernetzt das Projekt die vor Ort ehrenamtlich im Amphibienschutz Aktiven mit den zuständigen Landschaftserhaltungsverbänden, Behörden und Kommunen und hat ein langfristiges landesweites Amphibienschutzprogramm (LAP) für Baden-Württemberg initiiert, das aktuell im Auftrag des Umweltministeriums erarbeitet wird.
Mehr Informationen:
Projekt „220 Amphibiengewässer“
PM Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Baden-Württemberg