NABU: Bahn frei für die Krötenwanderung – Bei milden Temperaturen laufen Amphibien zu ihren Laichgewässern – wer rast, gefährdet Helfende und Tiere

Mehrere milde und regnerische Nächte haben dieses Jahr bereits die ersten Spring- und Grasfrösche sowie Bergmolche am Oberrhein loslaufen lassen. Doch der Weg zu ihren Laichgewässern ist gefährlich. Er führt die Tiere oft über vielbefahrene Straßen. „Autofahrerinnen und -fahrer in ganz Baden-Württemberg sind jetzt gefragt und können selbst Kröten retten – indem sie Rücksicht nehmen auf die kleinen Hüpfer. Fuß vom Gas, langsam fahren und Durchfahrverbote beachten. Das schützt die Tiere vor dem Tod – und hilft allen Aktiven, die Krötenzäune kontrollieren und Tiere über Straßen tragen. Wer rast, gefährdet auch Menschen“, ruft NABU-Amphibienexperte Hans-Joachim Bek zur Mithilfe auf.

Foto vom NABU: Hilfe bei Amphibienwanderung

Im Vorfrühling machen sich ab fünf bis sechs Grad nachts bis in die Morgenstunden tausende Amphibien auf den Weg. Weil es vielerorts keine Amphibientunnel gibt, schützen sie Zäune vor dem Straßentod. Sie laufen daran entlang, fallen in eingegrabene Eimer und werden täglich von Aktiven über die Straße befördert. Wer selbst mit anpacken möchte, kann sich in einer der vielen NABU-Gruppe engagieren.

Die Ersten wandern im warmen Rheintal

Im milden Rheintal sind Erdkröte, Grasfrosch und Springfrosch als Erste unterwegs. Die Tiere versammeln sich manchmal zu großen Hochzeitsgesellschaften an den Gewässern. Zerschneiden stark befahrene Straßen ihre Wanderwege, können in der Dämmerung und nachts hunderte Kröten und Frösche unter die Räder kommen. Da Gras-, Springfrosch und Erdkröte nach dem Laichen in ihre Sommerlebensräume zurückwandern, sind sie auch auf dem Rückweg gefährdet. Grün-, Laubfrosch, Wechselkröte und Kreuzkröte wandern erst in den wärmeren Monaten April und Mai zu ihren Laichgewässern.

Vom Land zum Wasser wandern

Amphibien sind Landwirbeltiere, deren Leben fast immer im Wasser beginnt. In Bächen, Seen und Tümpeln legen die Weibchen ihre Eier oder Larven ab. Aus dem Ei schlüpft eine Kaulquappe oder eine Molchlarve, die sich im Wasser entwickelt und später als Minimolch oder Frosch an Land geht. Im Sommer leben die Tiere je nach Art in naturnahen Wäldern, Mooren, auf Brachflächen oder versteckt in Böschungen, wo sie kleine Käfer, Asseln, Regenwürmer, Spinnen und Schnecken jagen. Zum Überwintern suchen sie frostfreie Gewässer, Erdhöhlen oder Felsspalten auf.

Nachwuchs von Ei bis Mini-Salamander

Frösche verpacken ihre Eier in Laichballen, Kröten legen Laichschnüre mit mehreren hundert Eiern ab und Molche heften ihre Eier einzeln an den Blättern von Wasserpflanzen an. Der Alpensalamander bringt alle zwei bis drei Jahre vollständig entwickelte Jungtiere zur Welt und der Feuersalamander legt fertige Larven in Fließgewässern und sauerstoffreichen stehenden Gewässern ab. Die Geburtshelferkröte betreibt sogar Brutpflege: Die Männchen wickeln sich Laichschnüre um die Hinterbeine und tragen sie zum Schutz vor Eierdieben mit sich herum.

Elf Arten sind bedroht

Von 21 in Deutschland heimischen Amphibienarten leben 19 in Baden-Württemberg, elf stehen auf der Roten Liste und sind gefährdet. Für den Erhalt und Schutz von Feuersalamander, Bergmolch, Teichmolch und Springfrosch trägt Baden-Württemberg eine hohe Verantwortung, für die Gelbbauchunke sogar eine besonders hohe, denn diese Art hat ihren Verbreitungsschwerpunkt im Südwesten.

Amphibienleben im eigenen Garten

Lebensräume für Frösche und Kröten im eigenen Garten zu schaffen, ist gar nicht so schwer: Ein kleiner naturnaher und sonniger Gartenteich ohne Fische aber mit Pflanzen und flachem Uferbereich lockt meist schnell Bergmolch, Erdkröte oder Grasfrosch an. Sie nutzen auch im Sommer giftfreie und vielfältige Gärten als Lebensraum. „Je naturnaher die Umgebung, desto eher finden Amphibien den Weg in ihren Garten“, sagt NABU-Fachbeauftragter Bek. Wichtig ist, Fallen wie Rohre, Abflüsse, Schächte, Brunnen und Kellerfenster abzusichern und Verstecke wie Büsche, wilde Ecken und Totholzhaufen anzubieten. Hier finden die Tiere auch genügend Nahrung.

NABU-Aktion: Feuersalamander melden

Eine eingeschleppte Pilzkrankheit, die Salamanderpest (Bsal), bedroht auch die im Südwesten häufigen Amphibien. Wer einen Feuersalamander entdeckt, kann die schwarz-gelben Schwanzlurche melden – auch tote Tiere. NABU|naturgucker sammelt die Daten. Auch die Landesanstalt für Umwelt sammelt Sichtungen mit Foto. Der Pilz tötet die Tiere in nur wenigen Tagen und kann befallene Populationen in wenigen Jahren auslöschen. Im Südwesten gibt es bislang keine bekannten Bsal-Fälle. Damit das so bleibt, gelten Vorsichtsmaßnahmen: Weil die Pilzsporen an Schuhen, Wanderstöcken, Reifen oder Hundepfoten haften, Gegenstände stets trocknen oder desinfizieren und Hunde während der Laichzeit von Februar bis Mai nicht in und an Feuersalamander-Gewässer spielen und trinken lassen. Weitere Infos: Bsal – Salamanderpest – NABU Baden-Württemberg

Weitere Infos:

 

Seit 125 Jahren begeistert der NABU Menschen dafür, sich für den Schutz unserer Natur einzusetzen. Ihre Unterstützung ermöglicht es uns, das weiterhin zu tun. Erfahren Sie in unserem Newsletter mehr über unsere Arbeit. www.NABU-BW.de

 

PM NABU Baden-Württemberg

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://filstalexpress.de/freizeit/202973/nabu-bahn-frei-fuer-die-kroetenwanderung-bei-milden-temperaturen-laufen-amphibien-zu-ihren-laichgewaessern-wer-rast-gefaehrdet-helfende-und-tiere/

Schreibe einen Kommentar