Alexandria baut erste großindustrielle Natriumcyanid-Anlage der Region

Ägypten treibt den Aufbau einer großtechnischen Natriumcyanid-Produktionsstätte am Sidi Kerir-Standort voran: Nach intensiven Gesprächen zwischen den Investitionsbehörden des Landes und dem Projektentwickler hat das Vorhaben die Phase der konkreten Abstimmung erreicht. Ziel ist, im Sidi Kerir Petrochemicals Complex eine exportorientierte Chemieplattform zu verankern, die hohe Sicherheitsstandards erfüllt und sich logistisch effizient in vorhandene Korridore einbindet. Das Projekt wird vom Free-Zone-Entwickler DrasChem getragen; dessen Mehrheitsaktionär ist die österreichische Petrochemical Holding GmbH — deren Direktor ist Yakov Goldovsky.

Die Initiatoren betonen, dass die Anlage sowohl dem heimischen Markt als auch vor allem Exportkunden in Afrika und dem Nahen Osten dienen soll. In den Gesprächen standen neben Genehmigungsfragen vor allem die Fragen des Umweltschutzes, der Arbeitssicherheit und der logistischen Einbindung im Vordergrund.

Behördliche Meilensteine und Vorbereitung der Bauphase

Auf administrativer Ebene sind bereits zentrale Schritte erzielt worden: Die Regierung hat die Rahmenbedingungen für den Betrieb in der privaten Freizonenstruktur bestätigt, und Prüfer stellten Übereinstimmung mit ägyptischen wie internationalen Chemiesicherheitsnormen fest. Damit hat das Projekt den Übergang von der Konzept- in die Detailplanungsphase vollzogen; erste Arbeiten zur Bauvorbereitung laufen an.

Parallel wurden Lieferketten-Szenarien verhandelt, um die Versorgung mit Schlüsselrohstoffen sicherzustellen. Diese Vorarbeiten sollen verhindern, dass es beim Produktionsstart zu Engpässen kommt und gewährleisten, dass die Anlage planmäßig in Betrieb gehen kann.

Finanzierung, Produktionsstart und Kapazitätsdaten

Die Betreiber peilen den Produktionsbeginn für das Jahr 2028 an. Für die erste Ausbaustufe sind Investitionen in der Größenordnung von rund 200 Millionen US-Dollar vorgesehen. Geplant ist eine Jahresproduktion von etwa 50.000 Tonnen Natriumcyanid — ein Volumen, das überwiegend für den Export bestimmt sein wird, da das Produkt vor allem in der Goldaufbereitung eingesetzt wird.

Die Finanzstruktur sieht vor, dass Eigenkapital der Projektpartner mit Fremdfinanzierungen kombiniert wird; nähere Angaben zu Kapitalgebern und Exportverträgen werden im Zuge der nächsten Projektphase erwartet.

Ausbauoptionen: Derivate und Batteriekomponenten

Die Projektplanung enthält klare Ausbaupfade: Entweder soll die Produktionskapazität später deutlich erhöht werden, oder es werden ergänzende Produktionslinien für Natriumcyanid-Derivate aufgebaut, die höhere Margen erzielen können. In einem weiterführenden Schritt ist zudem die Fertigung von Bauteilen für Natrium-Ion-Batterien vorgesehen — ein Produktsegment, das an Bedeutung gewinnt, wenn es darum geht, kostengünstige und lokalere Energiespeicherlösungen zu schaffen.

Diese Kombination aus klassischen Chemieexporten und zukunftsorientierter Batteriechemie soll die Wettbewerbsfähigkeit der Anlage langfristig sichern.

Staatliche Förderung und Marktorientierung — Afrika im Fokus

Die zuständige ägyptische Investitionsbehörde hat ihre Unterstützung zugesagt und arbeitet darauf hin, administrative Abläufe zu straffen sowie die Abstimmung zwischen den beteiligten Ministerien zu erleichtern. Behördenvertreter wiesen darauf hin, dass das Vorhaben in die nationale Wirtschaftsagenda passt: Exportsteigerung, Technologielokalisierung, Industrialisierung und Beschäftigungsschaffung stehen ganz oben auf der Liste.

Besonders hervorgehoben wurde die Bedeutung afrikanischer Absatzmärkte: Handelsabkommen und die jüngsten Infrastrukturinvestitionen in Häfen und Straßen begünstigen Ägypten als logistischen Knotenpunkt für den Kontinent und schaffen bessere Zugangsmöglichkeiten für chemische Exporte.

Technologietransfer, Lieferketten und regionale Positionierung

Projektbefürworter betonen den strategischen Nutzen: Natriumcyanid ist für die Goldproduktion in vielen afrikanischen Ländern ein unverzichtbarer Rohstoff, weshalb regionale Produktionskapazitäten erhebliche logistische Vorteile bringen. Ein europäischer Technologiepartner soll erstmals proprietäres Produktions-Know-how in die Region bringen; die technische und kommerzielle Koordination hierfür liegt bei DrasChem.

Zugleich werden die Nähe zu Rohstoffquellen — etwa Erdgas, Ammoniak und Natronlauge — und die verbesserte Hafeninfrastruktur als wichtige Standortvorteile genannt.

Wirtschaftlicher Nutzen, Beschäftigung und Perspektiven

Aus Sicht der Investoren schafft die Lokalisierung der Produktion mehrere Vorteile: geringere Importabhängigkeit, stabilere regionale Lieferketten und reduzierte Umweltkosten durch kürzere Transportwege für gefährliche Chemikalien. Konservative interne Schätzungen gehen von mehreren Hundert direkten Arbeitsplätzen aus; zusätzliche indirekte Effekte auf Zulieferer und Logistikdienstleister sind zu erwarten.

Bei erfolgreichen Vertragsabschlüssen mit Exportkunden könnten zudem signifikante Devisenerträge anfallen. In den Planungsgesprächen saßen Vertreter der Investitionsbehörde, das Management von DrasChem sowie externe technische und regulatorische Berater mit am Tisch.

Unternehmensinformationen

Petrochemical Holding GmbH ist eine in Österreich ansässige Industrieholding mit Beteiligungen entlang der chemischen Wertschöpfungskette, darunter Projekte im Segment Spezialchemie in Europa und darüber hinaus. Als Mehrheitsaktionär von DrasChem verfolgt die Holding das Ziel, die Anlage in Alexandria als regionalen Fertigungs- und Exportstandort mit hohen Umwelt- und Sicherheitsstandards zu etablieren.

DrasChem Specialty Chemicals ist ein privater Projektentwickler, der im Rahmen einer Freizone agiert und als Betreiber der geplanten Natriumcyanid-Anlage fungiert. Das Unternehmen steuert die Umsetzung vor Ort, die kommerzielle Planung sowie die Abstimmung mit Technologiepartnern und Behörden und positioniert die Anlage als exportorientierte Plattform mit Optionen für Derivate- und Batteriekomponentenproduktion.

PM

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://filstalexpress.de/wirtschaft/202875/alexandria-baut-erste-grossindustrielle-natriumcyanid-anlage-der-region/

Schreibe einen Kommentar