Die Maultasche zählt zu den schwäbischen Speisen, die weit über die Grenzen der Region bekannt sind – gerade in der Fastenzeit haben die gefüllten Teigtaschen Hochkonjunktur. Um ihre Entstehung rankt sich die Legende von Mönch Jakob, die ins Kloster Maulbronn führt. Auch wenn die Erfindung der Maultasche im UNESCO-Welterbe nur eine schöne Geschichte ist, einen wahren Kern hat sie dennoch: Denn die Klöster interpretierten die Vorschriften der frommen Fastenzeit mitunter kreativ. Und dennoch war ihr Leben von Frömmigkeit und Andacht geprägt, wie ein Blick in die Klöster von Maulbronn, Alpirsbach und Heiligkreuztal zeigt.
Die Geschichte von Mönch Jakob
Der Fasching ist vorbei, die Fastenzeit hat begonnen. Von Mittwoch, 18. Februar, bis zum Ostersonntag, 5. April, verzichten viele Menschen auf etwas – die meisten nehmen heute ihre Gesundheit in den Fokus und entsagen beispielsweise Alkohol, Süßigkeiten oder Nikotin. Für die Mönche und Nonnen der einstigen Männer- und Frauenklöster in Baden-Württemberg waren die Tage vor Ostern durch besonders intensives Fasten geprägt. Die entbehrungsreiche Zeit förderte jedoch nicht nur die Andacht, sondern auch die Kreativität – das legt zumindest die Legende der Maultasche nahe. Der Maulbronner Mönch Jakob soll sie im Mittelalter angeblich erfunden haben. Per Zufall gelangte der Zisterzienser nämlich in den Besitz eines Stück Fleisches. Ein flüchtender Dieb hatte einen Sack mit Beute fallen lassen, direkt vor die Füße Jakobs. Während der Fastenzeit war es den Mönchen allerdings verboten, Fleisch zu essen. Doch wegwerfen wollte der Mönch die Speise auch nicht.
Eine legendäre Fastenspeise
Nachdem er mehrere Tage gegrübelt hatte, kam Jakob beim Zubereiten des Gründonnerstagsmahles die rettende Idee: Er hackte das Fleisch klein und mischte es unter das Gemüse. Weil den Mönch dennoch das schlechte Gewissen plagte, versteckte er das Ganze in kleinen Taschen aus Nudelteig. So konnte Jakob das Fleisch vor den Augen Gottes und seiner Mitbrüder verbergen – und servierte das herzhafte Mahl als Fastenspeise. Im Volksmund sind die Maultaschen daher auch als „Herrgottsb‘scheißerle“ bekannt. Woher die Maultasche tatsächlich kommt, ist unklar. In den Urkunden und Akten aus dem einstigen Kloster finden sich keine Belege. Zudem machen weitere mönchische Regeln die Geschichte unwahrscheinlich. Den Zisterziensern war es verboten, das Fleisch von Vierfüßlern zu essen – nicht nur vor Ostern, sondern generell. Zusätzlich sind Eier für den Teig der Maultasche notwendig und auch diese waren in der Fastenzeit nicht erlaubt.
Von „Flussgemüse“ und Wassertieren
Auch wenn die Erfindung der Maultasche in Maulbronn nur eine schöne Geschichte ist, so hat sie doch einen wahren Kern: Denn die Mönche interpretierten die strengen Fastenregeln hin und wieder sehr großzügig: Fische wurden zu „Flussgemüse“ und Biber zu Wassertieren ernannt. Aufgrund der vielen Fastentage waren viele Fische notwendig. Nicht nur in Kloster Maulbronn gab es daher eine florierende Fischzucht, sondern auch in anderen Klöstern der Zisterzienser, wie in Kloster Salem am Bodensee. Nichtsdestotrotz war das Leben der Mönche von Frömmigkeit geprägt. Das zeigt das monumentale Kruzifix der Maulbronner Klosterkirche oder der Marienaltar im Schwarzwaldkloster Alpirsbach, der im geschlossenen Zustand mit der Geißelung und Dornenkronen zwei Szenen der Passionszeit zeigt.
Ein Bild der Verbundenheit
Besonders andächtig ist die berühmte Christus-Johannes-Gruppe im Kloster Heiligkreuztal. Das oberschwäbische Kloster ist das am besten erhaltene Kloster der Zisterzienserinnen in Oberschwaben. Die Skulptur aus Nussbaumholz stammt aus dem frühen 14. Jahrhundert und entstand möglicherweise in einer Konstanzer Werkstatt. Sie zeigt eine emotionale Szene am Gründonnerstag: Johannes, der Lieblingsjünger Christi, lehnt sich an die Brust Jesu. Es ist das letzte gemeinsame Mahl Christi mit seinen Jüngern – wenige Tage später wurde er gekreuzigt. Darstellungen dieser Art, sogenannte Johannesminnen, waren in Frauenklöstern besonders beliebt. Die Nähe von Johannes und Jesus sollte sich auf die Ordensfrauen übertragen und zur Meditation anregen. Die Nonnen versetzten sich gedanklich an die Seite Christi.
Foto Katrin Karner (ssg-pressebild)
PM Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg