Baden-Württembergs Weißstörche kehren zurück

NABU-Experten: Störche erreichen ihre Brutplätze / Bangen nach Vogelgrippe-Ausbrüchen im Herbst / Erfolgsfaktoren für die Brutzeit

Mit breit aufgespannten Flügeln schwebt Mario durch die Luft. Der Weißstorch hat den Winter in der Nähe von Nîmes in Südfrankreich verbracht, rund 630 Kilometer Luftlinie von seiner Heimat in Baden-Württemberg entfernt. Nach nur sechs Tagen Flugzeit ist er am 5. Februar auf seinem Horst in Muggensturm bei Raststatt gelandet. Mario ist mit einem Sender versehen, so dass man weiß, wo er sich wann befindet. Senderstorch Mathilde hat den Winter in Marokko verbracht. Am 8. Januar startete sie dort und besetzt ebenfalls seit Anfang Februar ihren Horst in Willstätt im Ortenaukreis. So wie Mario und Mathilde kehren derzeit viele Weißstörche zur Brutsaison in den Südwesten zurück.

Rückkehr trotz Vogelgrippe im Herbst

Trotz Frost, Schnee und Glatteis sind die ersten Weißstörche seit den ersten Februarwochen zurück auf ihren Horsten. Dieses Jahr freut sich der NABU besonders über jeden schwarz-weiß gefiederten Rückkehrer. „Im Herbst grassierte unter Zugvögeln die Vogelgrippe in Spanien und Frankreich, wo viele Störche die Wintermonate verbringen“, sagt Stefan Bosch, NABU-Fachbeauftragter für Vogelschutz. Bisher ist unklar, ob alle Störche zurückkehren. „Wir können erst im Lauf der Brutsaison Bilanz ziehen, ob genügend weitere Störche zurück sind“, so Bosch.

„Meist haben die Storchenmännchen die Schnabelspitze vorn und kommen vor den Weibchen an, um sich einen Nistplatz zu sichern“, berichtet Bosch. Dass sie tendenziell früher ihre Horste beziehen, liegt an einem sich verändernden Zugverhalten über die letzten Jahre. Zu den frühen Rückkehrern gehören jene Vögel, die vermehrt in Spanien oder Südfrankreich überwintern. „Viele Störche versorgen sich da den Winter über auf den Müllkippen mit Nahrung. Von dort benötigen sie nur etwa eine gute Woche ohne lange Zwischenstopps, um ihre Brutgebiete zu erreichen“, sagt Bosch. Den anstrengenden Flug nach Nordafrika können sie sich somit sparen, was eine frühere Heimkehr begünstigt.

Zudem gibt es einige hundert sogenannte „Winterstörche“, die das ganze Jahr in Deutschland bleiben. Diese profitieren von den milderen Wintern, in denen die Schreitvögel auch in kalten Monaten ausreichend Nahrung wie Mäuse, Schnecken, Würmer oder Fische finden. Die Kälte sei kein Problem für den mit seinem Federkleid ausreichend isolierten Vogel, so der NABU-Fachbeauftragte für Weißstörche, Stefan Eisenbarth.

Bitte um Toleranz gegenüber dem Weißstorch

Störche bleiben ihrem Horst treu. Aktuell sind sie damit beschäftigt, ihre Nester auszubessern. Was Störche jetzt brauchen, um erfolgreich brüten zu können? „Das Wichtigste sind geeignete Nahrungshabitate, in denen sie genügend Futter für sich und ihre Jungen finden. Und das Wetter muss mitspielen, damit die Aufzucht der Jungvögel optimal verläuft“, berichtet Ornithologe Eisenbarth. Dauerregen etwa ist problematisch für die Jungstörche, weil sie dann an Unterkühlung sterben können.

Eisenbarth verweist auch darauf, dass es immer wieder vorkommt, dass illegal oder auch legal, mit Genehmigung der Behörden, Horste entfernt werden, weil Kot und Geräuschkulisse stören. „Mit der Horstentfernung ist das Problem jedoch nicht gelöst. Der Storch baut entweder erneut am gleichen Platz oder sucht sich einen neuen, der vielleicht noch ungeschickter erscheint“, so Eisenbarth. Der Storchenfachmann wirbt um Toleranz im Miteinander mit dem Weißstorch, der traditionell als Kulturfolger oft in der Nähe von Menschen zu finden ist.

Hintergrund:

 

Foto von © NABU/Marc Scharping

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