Mitten im Winter beginnt in unseren Wäldern eine liebestolle Jagerei: Die Eichhörnchen sind in Paarungsstimmung und flitzen von Baum zu Baum. Scharfe, spitze Krallen bieten den oft braunrot gefärbten Nagetieren optimalen Halt bei ihren wahnwitzigen Klettertouren. Der buschige Schwanz hilft, um bei weiten Sprüngen von Ast zu Ast sicher ans Ziel zu kommen.
„Es wird gequietscht, geknurrt und mit den Beinen auf die Rinde gestampft, um unliebsame Konkurrenten zu vertreiben“, erklärt NABU-Experte Stefan Bosch. „Dem Duft der Weibchen folgen oft mehrere Männchen. Sie jagen teils lautstark und stundenlang einem paarungsbereiten Weibchen hinterher. Riechen sie eines auf weite Entfernung, queren sie auch mal unbedacht die Straße. Damit sie nicht unter die todbringenden Räder kommen, bittet der NABU Autofahrerinnen und -fahrer besonders um Rücksicht. „Bitte Fuß vom Gas und langsam fahren!“
Ist die Paarung geglückt, kommen hoch oben im Baum schon im März nach fünf Wochen Tragzeit meist vier Junge nackt und blind zur Welt. Um sie kümmert sich die Eichhörnchen-Mutter allein für die nächsten zehn Wochen, bis die kleinen Waldbewohner selbständig sind. In diesem Alter kann der Nachwuchs bereits sicher klettern.
Hörnchen-Kuscheln im Kobel
Eichhörnchen bauen ihre Wohn- und Schlafplätze hoch oben in Bäumen. Diese kugelförmigen Nester aus Zweigen, Moos und Blättern werden Kobel genannt. Innen sind sie weich ausgepolstert und bieten zusammen mit dem dichten Winterfell einen wirksamen Schutz vor Kälte, Wind und Nässe. Im Winter sind sie Rückzugsorte, die sich manchmal mehrere Tiere teilen. Sie kuscheln sich dort zusammen, um Wärme zu sparen. Wichtig für den Schutz der Tiere: „Kobel dürfen nicht zerstört und entfernt werden – auch dann nicht, wenn sie unbewohnt wirken. Eichhörnchen nutzen meist mehrere Kobel im Revier und wechseln je nach Witterung und Jahreszeit“, betont Bosch.
Wenn Schnee liegt und der Frost anhält, wird es für Eichhörnchen ungemütlich. Da die flinken Nagetiere keinen Winterschlaf halten, müssen sie ihren schützenden Kobel regelmäßig verlassen, um Futter zu suchen. Zum Ende des Winters kann sich die Lage zuspitzen: In der Natur sind energiereiche Nüsse sowie Baumsamen von Fichte, Kiefer und Lärche dann oft rar, frische Nahrung wie Knospen und frische Triebe fehlt noch. Jetzt gehen viele Eichhörnchen, vor allem trächtige Weibchen, an die Notrationen und suchen vermehrt nach vergrabenen Schätzen. Auch weniger Nahrhaftes wie Rinde und Flechten wird gefuttert. Gleichzeitig beginnt die Paarungs- und Fortpflanzungszeit als zusätzlicher Energiefresser in einer kritischen Phase.
Mit Vielfalt für ausreichend Futter sorgen
Jetzt brauchen Eichhörnchen unsere Hilfe – vor allem durch Rücksicht und Ruhe. Wer mag, kann städtischen Eichhörnchen in der nahrungsarmen Zeit Leckereien anbieten. Geeignet sind qualitätsvolle Futtermischungen aus Hasel- und Walnüssen, Mais, Sonnenblumenkernen sowie etwas Obst oder Karotten. Eine einseitige Diät, zum Beispiel nur aus Erdnüssen, schadet ebenso wie Essensreste. Vor allem brauchen die Nagetiere im Siedlungsraum naturnahe Lebensräume und in Wäldern lebende Hörnchen eine bunte Mischung an Baumsamen – je vielfältiger der Wald, desto besser.
4 NABU-Tipps: So können Sie Eichhörnchen jetzt unterstützen
- Rücksicht nehmen – besonders zur Paarungszeit
Im Winter und zeitigen Frühjahr brauchen Eichhörnchen Ruhe, denn Störungen kosten Energie. Wer draußen unterwegs ist, sollte in der Nähe von Eichhörnchen Hunde bitte anleinen und bei Stresssignalen wie lautem „Muckern“ oder hektischem Schwanzschlagen Abstand halten.
- Vorsicht im Straßenverkehr
Während der Paarungszeit jagen Eichhörnchen oft ungestüm durch Bäume und über Straßen – mit fatalen Folgen. Der NABU bittet Autofahrerinnen und -fahrer besonders in waldnahen Gebieten und an Parks mit altem Baumbestand um Aufmerksamkeit: Tempo reduzieren, bremsbereit bleiben. Jede vermiedene Kollision zählt.
- Vielfalt in der Natur
Eichhörnchen legen im Herbst Futterdepots an, die jedoch nur für kurze Zeit ausreichen. Sie müssen im Winter daher täglich den Kobel zur Nahrungssuche verlassen. Die flinken Kletterer profitieren – je nachdem, wo sie leben – von vielfältigen Wäldern oder naturnahen Parks mit altem Baumbestand.
- Sichtungen melden
Wo leben Eichhörnchen und wo sind sie, etwa durch Straßen, gefährdet – der NABU ruft zusammen mit dem Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung und NABU|naturgucker zum Melden von Beobachtungen auf. Infos: https://NABU-naturgucker.de/meldeportal/naturbeobachtungen-melden/eichhoernchen/.
Weitere Infos.
Hintergrund:
Weitere Infos: Eichhörnchen, fleißige Sammler
Foto (NABU/Wilfried Martin): Drei rotbraune Eichhörnchen am Vogelnistkasten
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PM NABU (Naturschutzbund Deutschland), Landesverband Baden-Württemberg e. V.