Am 9. Februar 2016 passierte das fürchterliche Unglück in Bad Aibling mit vielen Toten. Ich erinnere mich noch gut an diesen Tag, da ich da in Passau war und eigentlich den politischen Aschermittwoch der CSU besuchen wollte, der dann aber abgesagt wurde. Damals hätte ich nicht gedacht, dass ich jemals für die Deutsche Bahn arbeiten werde und eigentlich hätte mir dieser Vorfall bereits Warnung sein müssen. Der damalige Notfallmanager wurde einige Jahre später mein Vorgesetzter und er sah damals sehr alt aus. Von Kollegen, die ihn schon länger kannten, erfuhr ich, dass dieser Vorfall ihn stark veränderte und er danach nicht mehr der Alte war.
Bis heute stört mich an der Berichterstattung die einseitige Fokussierung darauf, dass der Fahrdienstleiter mit dem Handy spielte und abgelenkt war – denn dies war nicht die Hauptursache (ich habe im Laufe der Zeit Leute kennengelernt, die ihn gut kannten und nur Gutes über ihn zu berichten hatten). Diese waren, dass es Fehler in der Technik und, dass es „Notruf Stecke“ gab, der alles benachrichtigt außer der Strecke – wie pervers ist das denn? Ein anderer Grund war, dass Fahrdienstleiter oft unterbeschäftigt und dadurch abgelenkt sind – auch daran muss sich etwas ändern und nicht erst, wenn die Technik besser ist.
Noch wütender macht mich, dass sich Unfälle häufen und Experten warnen, dass es noch schlimmer wird. Und bei DB InfraGo passiert nichts! Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man dort um keine Ausrede verlegen ist und man alles versucht auf den kleinen Mann abzuschieben. Ich selbst habe einmal einen Zug über einen nicht gesicherten Bahnübergang fahren lassen, was vermeidbar gewesen wäre, wenn ich die Zeit zum Lernen bekommen hätte, die ich gebraucht hätte. Aber nein, alles wurde versucht auf mich abzuwälzen und keine Fehler im System hinterfragt – von erfahrenen Kollegen erfuhr ich später, dass so etwas ständig passiert, aber keine Konsequenzen gezogen werden. Statt geschult, wurde ich versetzt und später untauglich geschrieben, bis ich irgendwann keine Lust mehr auf den Job hatte, in den Jobservice ging und da rausgedrängt wurde. Aber irgendwie bin ich auch nicht undankbar über diese Entwicklung, denn dadurch konnte ich keinen weiteren Mist bauen. Sollen andere den Kopf hinhalten.
So habe ich am 10. Februar 2025 voller Euphorie eine Umschulung zum Bürokaufmann angefangen. Von der Euphorie ist aber nicht mehr viel übrig, da ich bereits wenige Wochen nach Beginn der Maßnahme vom Jobcenter wegen Kleinigkeiten genervt wurde, die mich viel Zeit und Kraft kosteten. Für die Aufklärung von CumEx fehlt das Personal, aber um Kleinstbeträgen von Umschülern hinterherzujagen ist welches da – mein Favorit war eine Nachforderung für 8€. Da meine Wohnung auch ca. 180€ pro Monat zu teuer ist, habe ich versucht, eine neue zu finden, was mir aber nicht gelang, so dass ich in der alten blieb. Wegen meines Post-Covid, durch das ich kaum eine reguläre 40h-Woche bewältige, war es mir auch nicht möglich, umzuziehen und ich blieb in der Wohnung. Das interessierte das Jobcenter aber nicht, sie kürzten mir die Aufstockung und ich habe mit Hilfe des DGB-Rechtsschutz Klage eingereicht.
Der Streitwert wird sich auf ca. 2500€ belaufen und dafür muss noch ein Gericht beschäftigt werden, wo wir auch schon beim letzten Thema wären. Im Laufe meines Lebens habe ich 2 Prozesse beobachtet, war 2 mal zur moralischen Unterstützung dabei, einmal als Vertrauensperson, war einmal Angeklagter, musste 4 Klagen einreichen und war bei diversen Verhandlungen als Schöffe dabei. Einmal habe ich eine Klage eingereicht, bei der die Gegenseite in letzter Minute einlenkte, die aber dadurch auch schon ein Gericht beschäftigt hat. Mindestens 2/3 der Fälle waren unnötig, denn man hätte sich ohne Weiteres so einigen können. Wenn man das auf ganz Deutschland hochrechnet, wundert es mich nicht, dass Gerichte so überlastet sind. Meine Idee wäre – wobei ich nicht weiß, ob das rechtlich möglich ist – dass Menschen, die ohne Not Gerichte behelligen, kostenpflichtig in Beugehaft müssen, damit dies für Nachahmer eine abschreckende Wirkung hat. Anfangs wären wahrscheinlich die Gefängnisse überlastet, aber auf längere Sicht würde sich vermutlich einiges bessern.
Viele der Themen hängen irgendwie zusammen. So hat mich mal ein DB-Mitarbeiter angezeigt, weil er eine Aussage, die ich irgendwann mal betätigt habe, auf sich bezog, obwohl sie mit ihm rein gar nichts zu tun hatte. Der Vorfall wurde aus Mangel an öffentlichem Interesse eingestellt, aber es mussten sich Behörden damit befassen. Ich habe einen erfahrenen EVG-Mitarbeiter um Rat gefragt, der mir zu einer Gegenanzeige riet, was ich aber nicht getan habe, weil ich wusste, dass ich dem Mitarbeiter nicht nachweisen konnte, was ich vermutete, dass hinter seiner Aktion steckte. So habe ich es lieber gelassen, um nicht noch mehr Institutionen unnötig zu belasten.
Wenn man aber sieht, wie heutzutage wegen Kleinigkeiten Aufwand betrieben wird, während die wichtigen Dinge hinten runterfallen, dann macht mir das große Sorgen. Und wenn ich dann noch sehe, mit welcher Dreistigkeit Gerichte belästigt werden und Ausreden statt Taten bei der DB im Vordergrund stehen, dann ist das sehr beängstigend. Meine aktuelle Klage, zu der ich gezwungen wurde, mache ich nicht nur, weil mir das Geld zusteht, sondern auch um ein Zeichen gegen Willkür zu setzen und dass man sich nicht alles bieten lassen darf – ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass ich damit meinem Heimatland diene. Ich hoffe, dass ich sie haushoch gewinne und damit ein Zeichen setze, damit sich gewisse Institutionen in Zukunft überlegen, ob sie anständige Bürger zu solchen Schritten nötigen.
Marcel Kunz