Hartmannbund Baden-Württemberg: Resilienz im Gesundheitswesen und Thesenpapier

Wir sind nicht im Krieg – aber wir leben auch nicht mehr im Frieden. Ärztinnen und Ärzte bereiten sich auf Extremsituationen vor. Workshop des Hartmannbundes Baden-Württemberg in Stuttgart fordert klares Bekenntnis zur Stärkung der Resilienz.

Am Rande der Messe MEDIZIN 2026 in Stuttgart setzte sich die Ärzteschaft intensiv mit möglichen Krisen- und Ausnahmeszenarien auseinander. Hochrangige Expertinnen und Experten aus verschiedenen Institutionen und Organisationen forderten eine klare politische Rückendeckung und ein verbindliches Bekenntnis zur systematischen Vorsorge.

Pandemien, Cyberangriffe, großflächige Stromausfälle, Störungen kritischer Infrastrukturen oder sicherheitspolitische Eskalationen: Beim Workshop des Hartmannbundes „Resilienz des Gesundheitswesens – Resilienz der Gesellschaft“ wurde deutlich, wie vielfältig und komplex die neuen Herausforderungen für das Gesundheitswesen sind. Einig waren sich die Anwesenden vor allem darüber, dass der Operationsplan Deutschland (OPLAN DEU) seine Wirkung nur dann entfaltet, wenn alle beteiligten Akteure auf veränderte Bedrohungslagen vorbereitet sind – so lässt sich die Verwundbarkeit des deutschen Gesundheitswesens nachhaltig reduzieren.

In einem Thesenpapier haben die Workshopteilnehmenden zentrale Fragen der staatlichen Sicherheitsarchitektur sowie organisatorische Aufgaben im Gesundheitswesen gebündelt. Im Fokus stehen klare Zuständigkeiten, vorbereitete Strukturen, belastbare digitale Systeme, ausreichend qualifiziertes Personal sowie eine funktionierende Zusammenarbeit zwischen Politik, ärztlicher Selbstverwaltung, Apothekerschaft, Bundeswehr, Hilfsorganisationen und Zivilgesellschaft.

„Resilienz entsteht nicht im Krisenmoment, sondern durch vorausschauende Vorbereitung. Ärztinnen und Ärzte übernehmen hier bereits Verantwortung. Jetzt ist die Politik gefordert, diese Realität anzuerkennen und die dafür notwendigen rechtlichen, organisatorischen und finanziellen Voraussetzungen zu schaffen“, erklärt Klaus Rinkel, Landesvorsitzender des Hartmannbundes in Baden-Württemberg.

In diesem Zusammenhang warnt Rinkel vor zögerlichem politischem Handeln. Es gehe keineswegs um ein abstraktes Zukunftsthema, vielmehr seien konkrete Vorbereitungen bereits jetzt zwingend notwendig.

Das deutsche Gesundheitssystem sei grundsätzlich gut ausgestattet. Deutschland verfüge über rund 440.000 berufstätige Ärztinnen und Ärzte in Kliniken, Praxen, im Sanitätsdienst der Bundeswehr und im öffentlichen Gesundheitsdienst sowie über etwa 19.000 öffentliche Apotheken mit rund 67.000 approbierten Apothekerinnen und Apothekern. Zudem seien rund 1,7 Millionen Pflegekräfte in der Versorgung tätig. Hinzu kämen Einsatzkräfte und Freiwillige in caritativen und weiteren Hilfsorganisationen. Fachlich verfüge Deutschland damit über eine sehr leistungsfähige Infrastruktur.

„Leider ist bislang unzureichend geklärt, wo und wie diese Kräfte im Krisenfall konkret eingeplant sind. Hier besteht erheblicher organisatorischer Handlungsbedarf sowie Bedarf an rechtlicher Klarheit und Absicherung“, betont Klaus Rinkel.

Das Gesundheitswesen ist die tragende Achse jeder Krise – handlungsfähig bleibt es jedoch nur im engen Zusammenspiel von Staat, Selbstverwaltung und Gesellschaft. Denn Resilienz entscheidet sich nicht im Ausnahmezustand, sondern in der Vorbereitung. Jetzt.

Der Hartmannbund – Verband der Ärztinnen und Ärzte Deutschlands e.V. vertritt als freier Verband die beruflichen, wirtschaftlichen und sozialen Interessen aller Ärzt:innen, Zahnärzt:innen und Medizinstudierenden in Deutschland – unabhängig vom Fachgebiet, ob niedergelassen, angestellt oder im öffentlichen Gesundheitsdienst tätig. Frei und unabhängig, auf Bundes- und Länderebene, in Politik, Selbstverwaltung und der Öffentlichkeit.

 

PM Hartmannbund – Verband der Ärztinnen und Ärzte Deutschlands e. V.

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