Die Kraft der Hülsenfrüchte – Slow Food: Hülsenfrüchte stärken gesunde Ernährung, resiliente Landwirtschaft und Ernährungssouveränität weltweit

Vor dem Welttag der Hülsenfrüchte betont Slow Food erneut, dass pflanzenbasierte Ernährungsweisen zentral für die Gesundheit von Menschen und unseres Planeten sind. Angesichts zunehmender geopolitischer Spannungen hebt die Organisation hervor, dass globale Lieferketten weder den Zugang zu nahrhaften Lebensmitteln noch faire Einkommen für Landwirt:innen gewährleisten können. Hülsenfrüchte werden als starker Hebel für einen notwendigen Paradigmenwechsel der Lebensmittelsysteme herausgestellt.

„Öffentliche Politik muss lokale Versorgungsketten unterstützen, Biodiversität schützen und den Marktzugang für kleinbäuerliche Produzent:innen verbessern, damit der ernährungsphysiologische, wirtschaftliche und ökologische Wert von Hülsenfrüchten echte Vorteile für Gemeinschaften weltweit bringt”, sagte Francesco Sottile, Slow Food Vorstandsmitglied . „Hülsenfrüchte sind grundlegend für ein gesundes Agrar- und Lebensmittelsystem: Sie liefern hochwertiges Eiweiß und lebenswichtige Mikronährstoffe, stärken die Ernährungssicherheit und verbessern die Bodenfruchtbarkeit durch Stickstoffbindung. Der Welttag der Hülsenfrüchte ist mehr als eine Feier, er ist ein kultureller Aufruf zum Handeln und fordert konkretes Engagement für ein Ökosystem, das auf gegenseitigem Respekt basiert. Biodiversität ist der Schlüssel: Resiliente, lokal angepasste Sorten ermöglichen eine agrarökologische Landwirtschaft, die Ressourcen schont und synthetische Chemikalien vermeidet.“

Im weltweiten Slow Food Netzwerk widmen sich 56 Slow Food Presidiaund 342 Ark of Taste Produkte dem Erhalt der Hülsenfrucht-Vielfalt. Produzent:innen, Köch:innen und Aktivist:innen, die sich für die Förderung von Hülsenfrüchten einsetzen, können sich dem  Slow Beans Netzwerk   anschließen. Durch das Unterzeichnen des Manifests teilen die Teilnehmenden gemeinsame Werte wie die Förderung der Agrarökologie, den Schutz der Hülsenfrucht-Vielfalt, Wissensaustausch und kollektive Arbeit für besseren Zugang zu gutem, sauberem und fairem Essen für alle.

Hülsenfrüchte können europäische und globale Politik beeinflussen

Slow Food ruft die EU-Institutionen und Mitgliedstaaten dazu auf, anstehende politische Rahmenbedingungen im Sinne dieser Prioritäten zu gestalten. Die demnächst erwartete Strategie für die Tierhaltungund Eiweißstrategieder EU-Kommission sowie die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) und die entsprechenden Finanzierungsprogramme im nächsten Mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) müssen deutlich vielfältige und regionale Lebensmittelsysteme, Agrarökologie und ländliche Entwicklung unterstützen. Europas intensive Tierhaltungist weiterhin stark von importierten Futtermitteln abhängig und trägt zu Überproduktion, langfristigen Umweltauswirkungen und mangelndem Tierschutz bei. Trotz der EU-Kommission, die Tierschutz zur Priorität erklärt hat, gibt es in Europa mehr als 24.000 intensive Schweine- und Geflügelbetriebe, die schwerwiegende Fragen im Hinblick auf Tierwohl, öffentliche Gesundheit und Umwelt aufwerfen.

Die Ausweitung der Produktion und des Konsums von Hülsenfrüchten kann den hohen Fleischkonsum reduzieren und gleichzeitig die Abhängigkeit von importierten Eiweißfuttermitteln verringern, auf denen die industrielle Tierhaltung beruht. Das Ziel einer sogenannten „Proteinautonomie” darf nicht losgelöst sein vom Übergang zu extensiven, weidebasierten und agrarökologischen Systemen, die das Tierwohl respektieren.

In Verbindung mit Handelsregeln , die verlangen, dass importierte Lebensmittel und Futtermittel denselben Umwelt-, Sozial- und Tierschutzstandards entsprechen wie EU-Produkte, sowie mit öffentlichen Politikinstrumenten, die kurze Versorgungsketten und faire Preise honorieren, bieten Hülsenfrüchte Landwirtschaftsbetrieben eine produktive Rolle als Hüter unserer Ökosysteme. Die Stärkung lokaler Ernährungssysteme durch Instrumente wie öffentliche Beschaffungerhält nicht nur Wertschöpfung bei Landwirt:innen, sondern fördert Ernährungssouveränität durch Bildung und die Bereitstellung von gesunder Ernährung für die Gesellschaft.

Warum Hülsenfrüchte für Klima und Gesundheit wichtig sind

Bohnen verursachen deutlich geringere Treibhausgasemissionen als tierische Lebensmittel: Die Produktion einer Portion Linsen erzeugt 173-mal weniger CO₂-Äquivalent als eine Portion Rindfleisch. Rinder und andere Wiederkäuer benötigen pro konsumierter Proteineinheit mehr als 20-mal so viel Land wie Hülsenfrüchte. Für die Produktion eines Kilogramms Rindfleisch werden rund 15.000 Liter Wasser benötigt, für ein Kilogramm Bohnen hingegen nur 360 Liter. Slow Food arbeitet mit Meatless Monday zusammen , einer globalen Kampagne in Partnerschaft mit dem Johns Hopkins Center for a Livable Future (CLF), um nachhaltige Ernährung zu fördern, indem ein pflanzenbasierter Tag pro Woche als einfacher Weg zur Reduzierung der Umweltbelastung vorgeschlagen wird. Diese Zusammenarbeit steht im Einklang mit der umfassenderen Plant the Future-Vision von Slow Food, die den Übergang zu agroökologischen Systemen und pflanzenreichen Ernährungsweisen unterstützt, die Tierwohl, Biodiversität und lokale Esskulturen respektieren.

Hülsenfrüchte weltweit – Feierlichkeiten von Slow Food Gemeinschaften

In Türkei feiert die Slow Food Adana Community zusammen mit den Schüler:innen der Gastronomieabteilung der Nezihe Yalvaç Berufsschule. Nach einer Präsentation werden traditionelle Rezepte mit Hülsenfrüchten vom Adana Earth Market zubereitet.

In der südafrikanischen Provinz Gauteng führen Slow Food Gemeinschaften gemeinsam mit dem Meatless Monday Netzwerk eine Sensibilisierungskampagne in Schulen zum Thema Bohnen durch.

In Belchite (Spanien) findet eine Hülsenfruchtmesse mit Filmvorführungen, Verkostungen und einem Markt für lokale Sorten statt.

In London (UK) bringt eine Veranstaltung zu getrockneten Hülsenfrüchten Anbauer:innen, Autor:innen, Köch:innen und Ernährungsfachleute zusammen, um Hülsenfrüchte „vom Feld bis auf den Teller“ zu entdecken. Neben Vorträgen über Anbau und Terroir gibt es geführte Verkostungen und ein gemeinsames Essen.

Im Rahmen der  Kampagne von Slow Food Italien  bieten mehr als 100 Gastronom:innen und Pizzabäcker:innen der Slow Food Allianz mindestens ein Gericht auf Hülsenfruchtbasis in ihren Restaurants an.

Laden Sie das Slow Food Plant the Future Toolkit herunter:  https://www.slowfood.com/wp-content/uploads/2025/11/Plant-the-Future_ENG.pdf 

Weitere Informationen im Slow Food Policy Brief Making EU agrifood trade work for better food systems

Über Meatless Monday:  https://www.mondaycampaigns.org/meatless-monday/about 

Slow Food ist eine weltweite Bewegung, die lokale Gruppen und Aktivisten um eine gemeinsame Vision vereint: allen Menschen Zugang zu Lebensmitteln zu ermöglichen, die gut für sie selbst, gut für die Produzenten und gut für den Planeten sind. Gegründet wurde Slow Food 1986 in Italien als Antwort auf die zunehmende Industrialisierung der Ernährung und den Aufstieg der Fast-Food-Kultur. Seitdem hat sich die Bewegung auf Millionen von Unterstützern in 160 Ländern weltweit ausgeweitet. Aktivitäten und Veranstaltungen organisiert, die in Convivien/Kapiteln und Gemeinschaften zusammenarbeiten.

PM Slow Food Deutschland e.V.

 

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