Rund 3.500 Beschäftigte im kommunalen Nahverkehr sind heute ganztägig seit Beginn der Frühschicht bis zum Ende der Spätschicht im Ausstand. Aufgrund der Arbeitsniederlegungen findet in den sieben betroffenen Betrieben in Stuttgart, Karlsruhe, Heilbronn, Freiburg, Baden-Baden, Esslingen und Konstanz heute kein Fahrdienst statt. Auch die Fähre am Bodensee fällt aus. Die Streiks finden im Rahmen bundesweiter Arbeitsniederlegungen statt. Die Tarifverhandlungen für die rund 6.700 Beschäftigten in den sieben kommunalen Nahverkehrsbetrieben zwischen ver.di Baden-Württemberg und dem Kommunalen Arbeitgeberverband (KAV) waren am 20. Januar ohne Angebot vertagt worden.
Jan Bleckert, ver.di Verhandlungsführer: „Die kommunalen Verkehrsunternehmen haben immer größere Probleme, Fahrerinnen und Fahrer für die besonders belasteten Schichten zu gewinnen. Extrem frühe und späte Arbeitszeiten, ohne die Chance mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Job zu kommen. Ständige Arbeit am Wochenende und in Wechselschichten. Endhaltestellen oft ohne Toilette. Wegen unverschuldeter Verspätungen häufig keine Pausen. Und immer die Verantwortung am Steuer für Millionen Schülerinnen und Pendler. Das alles prägt jeden Tag die Arbeit der Kolleginnen und Kollegen. Faire Zuschläge für zusätzlichen Belastungen sind kein nice to have, sie sind ein must have.“
ver.di fordert unter anderem die Anhebung des Nachtzuschlags, des Sonntagzuschlags, Zulagen entsprechend der individuellen Entgeltstufe, eine Anhebung des Überstundenzuschlags sowie eine Anhebung des Samstagszuschlags. Im Nachgang der Mantelrunde 2024 war letztes Jahr mit den Arbeitgebern vereinbart worden, weitere Verbesserungen im Jahr 2026 verhandeln zu können. Die nächste Verhandlungsrunde ist am 9. Februar.
Aktuell liegt der Stundenlohn für Überstunden ohne Zuschläge unterhalb des regulären Stundenlohns. Faktisch ist deshalb Mehrarbeit für die Arbeitgeber billiger als zusätzlicher Personaleinsatz.
In allen 16 Bundesländern finden Tarifrunden zu den Arbeitsbedingungen im kommunalen Nahverkehr statt. Betroffen sind bundesweit knapp 150 kommunale Unternehmen in ebenso vielen Städten und Landkreisen sowie in den drei Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen. Um neu verhandeln zu können, wurden in 15 Bundesländern die Flächentarifverträge über die Arbeitsbedingungen in den Unternehmen des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) gekündigt, zudem die Haustarifverträge der Hamburger Hochbahn und der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH). In Brandenburg, Thüringen und dem Saarland werden zusätzlich die Löhne und Gehälter der Beschäftigten verhandelt.
PM ver.di Landesbezirk Baden-Württemberg