Allgaier ist Geschichte – und der bittere Nachgeschmack bleibt

Der insolvente Automobilzulieferer Allgaier in Uhingen hat zum Jahresende 2025 endgültig seine Tore geschlossen. Ein Traditionsbetrieb verschwindet – abgewickelt, ausgelöscht, Vergangenheit. Doch im Rückblick bleibt mehr als nur ein leeres Werk: Manche Entscheidungen schmerzen bis heute.

Im Jahr 2011 wirkte es wie ein Stück aus dem Lehrbuch der Doppelmoral: Während Arbeitgeberpräsident und Allgaier‑Miteigentümer Dieter Hundt öffentlich vor einem drohenden Fachkräftemangel warnte, setzte er in seinem eigenen Unternehmen 110 Beschäftigte zum Jahreswechsel vor die Tür.

Ein Widerspruch, der damals wie heute fassungslos macht.

Hundt präsentierte sich in den Medien als Mahner, als jemand, der den Zuzug qualifizierter Fachkräfte aus dem Ausland forderte, um die deutsche Wirtschaft zu stärken. Doch hinter den Kulissen geschah das Gegenteil dessen, was er predigte: Menschen verloren ihre Existenzgrundlage, und das ausgerechnet in der empfindlichsten Zeit des Jahres – mitten in der Weihnachts- und Neujahresspanne.

Ob dieser Kündigungstermin bewusst gewählt wurde oder „zufällig“ so fiel, blieb ungeklärt. Sicher war jedoch eines: Die Botschaft an Belegschaft und Öffentlichkeit war eiskalt und unmissverständlich.

Für viele hatte dieses Vorgehen damals einen skandalösen Beigeschmack. Es wirkte wie ein Paradebeispiel dafür, wie weit sich Macht von Verantwortung entfernen kann. Und ja – es drängte sich der Eindruck auf, dass hier die Arroganz der Mächtigen sichtbar wurde.

Ich habe den Betroffenen damals durch einen ausführlichen Leserbrief in der lokalen Zeitung unter anderem geraten, an die Öffentlichkeit zu gehen, und würde diese Entscheidung aus heutiger Sicht erneut treffen.

Wer solche Entscheidungen trifft, darf sich nicht wundern, wenn die Menschen ihre Geschichten erzählen. Kündigungsschutzklagen waren für manche ein Weg, wenigstens ein Stück Gerechtigkeit zurückzuholen.

Den 110 entlassenen Beschäftigten galt damals mein Wunsch nach Kraft, Mut und Ausdauer. Und dieser Wunsch bleibt bestehen – als Mahnung daran, dass wirtschaftliche Entscheidungen immer auch menschliche Schicksale sind.

Alfred Brandner Schwäbisch Gmünd

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