Nach Mercosur-Debakel: Zustimmung zum EU-Indien-Abkommen jetzt besonders wichtig

BWIHK-Vizepräsident Paal sieht in der Einigung wichtiges Signal für eine handlungsfähige EU-Handelspolitik und neue Perspektiven für die Wirtschaft.

Nach den jüngsten Entwicklungen rund um das EU-Mercosur-Abkommen und der Anrufung des Europäischen Gerichtshofs ist die Einigung zum Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Indien aus Sicht des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertages (BWIHK) von besonderer Bedeutung. Sie setzt ein wichtiges Signal, dass Europa trotz interner Blockaden handlungsfähig bleibt und seine Handelspolitik strategisch weiterentwickelt.

„Gerade der Umgang mit Mercosur zeigt, wie sehr sich Europa durch langwierige Verfahren und politische Verzögerungen selbst ausbremst“, sagt Claus Paal, BWIHK-Vizepräsident und Präsident der im BWIHK für Außenwirtschaft federführenden IHK Region Stuttgart. „Umso wichtiger ist es jetzt, mit Indien einen zentralen Wachstumspartner konsequent voranzubringen und Verlässlichkeit zu zeigen. Da Indien aktuell hohe Zölle für Ausfuhren in die USA zahlt, hat sich für Europa ein strategisches Zeitfenster geöffnet. Es geht darum, unser auf offenen Märkten basierendes Wirtschaftsmodell zu verteidigen.“

Indien zählt zu den dynamischsten Wachstumsmärkten weltweit. Mit jährlichen Wachstumsraten von sieben bis acht Prozent wird das Land voraussichtlich noch in diesem Jahrzehnt zur drittgrößten Volkswirtschaft der Welt aufsteigen. Entsprechend eng sind bereits heute die wirtschaftlichen Verflechtungen: Der bilaterale Warenhandel zwischen Deutschland und Indien belief sich 2024 auf rund 30,8 Milliarden Euro, EU-weit lag das Handelsvolumen bei etwa 120 Milliarden Euro.

Für die Unternehmen in Baden-Württemberg eröffnet das EU-Indien-Abkommen neue wirtschaftliche Perspektiven. 2023 exportierten Betriebe aus dem Land Waren im Wert von rund 2,4 Milliarden Euro nach Indien, insbesondere Maschinen, Fahrzeuge, elektrische Ausrüstungen sowie chemische und elektronische Erzeugnisse. Der geplante Abbau von Zöllen und technischen Handelshemmnissen stärkt vor allem exportorientierte Branchen wie den Maschinenbau, die Automobilindustrie und die chemische Industrie.

Die unmittelbaren Markteffekte hinaus hat das Abkommen eine klare strategische Dimension. „Eine engere wirtschaftliche Anbindung an Indien stärkt Europas Fähigkeit zur Diversifizierung und macht Liefer- und Absatzmärkte robuster“, betont Paal. Auch der parallel verhandelte moderne Investitionsschutz sei ein wichtiger Baustein für langfristige Planungssicherheit. „Ein handlungsfähiges Europa, das auf Kooperation statt Abschottung setzt, schafft Vertrauen – bei seinen Unternehmen ebenso wie bei internationalen Partnern“, so Paal. „Das ist die Voraussetzung dafür, dass Betriebe aus Baden-Württemberg ihre Position in globalen Wachstumsmärkten wie Indien nachhaltig ausbauen können. Nach Unterzeichnung des Abkommens werden wir die Beratung unserer Mitgliedsunternehmen für den indischen Markt jetzt gezielt ausbauen.“

Der Baden-Württembergische Industrie- und Handelskammertag (BWIHK) ist eine Vereinigung der zwölf baden-württembergischen Industrie- und Handelskammern (IHKs). In Baden-Württemberg vertreten die zwölf IHKs die Interessen von mehr als 650.000 Mitgliedsunternehmen. Zweck des BWIHK ist es, in allen die baden-württembergische Wirtschaft und die Mitgliedskammern insgesamt betreffenden Belangen gemeinsame Auffassungen zu erzielen und diese gegenüber der Landes-, Bundes- und Europapolitik sowie der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) und anderen Institutionen zu vertreten.

 

PM Baden-Württembergischer Industrie- und Handelskammertag

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