- Supermärkte und Discounter unterstützen zwar offiziell „Planetary Health Diet“ für eine pflanzenbasierte Ernährung
- foodwatch-Auswertung von Prospekt-Werbung zum „Veganuary“ zeigt aber: Handelsketten bewerben vor allem tierische Produkte
- Verbraucherorganisation fordert: Sonderangebote müssen stärker für pflanzliche Lebensmittel gelten
- foodwatch-Podcast zur „Planetary Health Diet”
Die Verbraucherorganisation foodwatch hat den großen Discountern und Supermarktketten vorgeworfen, zu wenig Werbung für pflanzliche Lebensmittel zu machen. Eine Auswertung von Werbeprospekten im Januar – in der Branche auch als „Veganuary“ bekannt – zeigt: Sonderangebote und Rabattaktionen gelten mehrheitlich für Fleisch und Milchprodukte. Bei manchen Handelsunternehmen mache der Anteil tierischer Lebensmittel rund 80 Prozent aus, kritisierte foodwatch. Dabei unterstützen die Unternehmen offiziell eine gesündere und umweltschonendere Ernährung nach der „Planetary Health Diet“ und machen teilweise sogar Zielvorgaben für den Ausbau ihres veganen Sortiments. foodwatch kritisierte, dass Aldi, Rewe & Co. Verbraucher:innen mit ihren Nachhaltigkeitsversprechen in die Irre führen und forderte die Unternehmen auf, mehr Sonderangebote und Prospektwerbung für pflanzliche Produkte zu machen. Zudem müsse die Bundesregierung die Mehrwertsteuer für Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte streichen, um eine gesunde und klimaschonende Ernährung zu erleichtern.
„Eine gesunde und umweltfreundliche Ernährung fördert man nicht mit Rabattaktionen für Rinderhack und Gouda-Käse. Statt mit der ‚Planetary Health Diet‘ und dem ‚Veganuary‘ nur PR zu machen, sollten Aldi, Rewe & Co. handeln und pflanzliche Lebensmittel prominenter bewerben“, erklärte Dr. Chris Methmann, Geschäftsführer von foodwatch.
Die „Planetary Health Diet“ ist ein Speiseplan der internationalen EAT-Lancet-Kommission. Er soll sowohl die menschliche Gesundheit als auch den Planeten schützen und sieht vor, dass etwa 80 Prozent der Gesamtkalorien aus pflanzlichen Lebensmitteln stammen. In Deutschland liegt der Anteil deutlich niedriger – mit Folgen für die Gesundheit, darunter Adipositas, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, sowie für die Umwelt, wie etwa hohe Treibhausgasemissionen und Umweltschäden.
Vor diesem Hintergrund stellen sich große Handelsketten hinter die Planetary Health Diet – in der Prospektwerbung spiegelt sich das jedoch nicht wider:
- Lidl orientiert sich laut eigener Webseite bei der Gestaltung des Sortiments an der Planetary Health Diet. Doch in der Prospektwerbung machen pflanzenbasierte Lebensmittel nur einen geringen Anteil aus: in den ersten zwei Wochen des Januars lediglich 21 Prozent. Pflanzliche Ersatzprodukte machten sogar nur zwei Prozent aus.
- In den Prospekten von Aldi Nord waren im Januar lediglich 28 Prozent der beworbenen Produkte pflanzenbasiert. Vegane Fleischersatzprodukte lagen bei unter einem Prozent, frisches Obst und Gemüse bei neun Prozent.
- Rewe nimmt die Empfehlungen der Planetary Health Diet laut eigener Webseite „ernst“. Das Unternehmen will den Anteil pflanzenbasierter Produkte erhöhen. In den Prospekten bewarb Rewe im Januar immerhin 44 Prozent vegane Produkte, möglicherweise aber auch wegen des Veganuary. Denn im Dezember lag der Anteil noch bei 24 Prozent.
- Edeka macht kaum eigene Zielvorgaben zum veganen Sortiment und verweist auf Kochtipps und Ernährungsempfehlungen. In den Prospekten überwogen ebenfalls tierische Produkte: Im Januar lag deren Anteil bei 62 Prozent (davon 34 Prozent Fleisch, Fisch und Käse). Im Dezember betrug der Anteil tierischer Produkte sogar 81 Prozent.
Trotz vieler digitaler Angebote sind Handzettel weiterhin das wichtigste Informationsmedium für Verbraucher:innen. Laut einer Studie aus dem Jahr 2024 nutzen 79 Prozent der Befragten wöchentlich gedruckte Werbeprospekte, um sich einen Überblick über die aktuellen Aktionen der Händler zu verschaffen.
Quellen und weiterführende Informationen:
PM foodwatch e.V.