NABU und BUND: Neue Biber-Verordnung unnötig und unklar

Umweltverbände kündigen Petition an und wollen zweifelhafte Entscheidungen im Notfall gerichtlich prüfen lassen.

Die Landesregierung hat gestern (20.1.) eine neue Biberverordnung veröffentlicht. Die schlimmsten Befürchtungen der Naturschutzverbände NABU und BUND konnten zwar abgewendet werden, viele Kritikpunkte bleiben aber.

„Die neue Biber-Verordnung ist aus unserer Sicht absolut unnötig. Denn bereits heute kann ein Biber, wenn es keinen anderen Weg gibt, nach geltendem Recht getötet werden. Auch künftig greift zunächst das Bibermanagement und die Tötung eines Bibers bleibt immer das allerletzte Mittel. Und das ist gut so!“, sagt der NABU-Landesvorsitzende Johannes Enssle.

Die neue Verordnung umreißt zwar, an welchen Stellen Biber-Abschüsse im Rahmen der Verordnung möglich sein sollen und an welchen nicht. Allerdings setzt sie dabei unklare Rechtsbegriffe ein, ohne diese weiter zu definieren. Damit löst sie keine Probleme, sondern schafft neue. Wie soll zum Beispiel definiert werden, was ein ernster Schaden ist? Daher bleibt bei den Umweltverbänden ein hohes Maß an Skepsis. „Der Nutzen oder Schaden dieser Verordnung für die Natur wird ganz maßgeblich davon abhängen, wie sie von den Behörden und Biberberatenden vor Ort umgesetzt wird“, so Enssle weiter.

Besonders kritisch sehen BUND und NABU weiterhin, dass die Verordnung es ermöglicht, per Allgemeinverfügung quasi biberfreie Zonen im Land zu schaffen. Dazu erklärt der BUND-Landesgeschäftsführer Martin Bachhofer: „Die Engagierten im Biberschutz vor Ort sollen künftig über Leben und Tod einzelner Biber entscheiden. Wie kann dabei sichergestellt werden, dass ehrenamtlich tätige Biberberatende und Untere Naturschutzbehörden nicht massiv von Politik und Landwirtschaft unter Druck gesetzt werden? Wer stellt fest, ob wirklich alles getan wurde, um voreilige Abschüsse zu verhindern? Die aktuelle Bestrebung, den Biber ins Jagdrecht aufzunehmen, verstärkt diese Entwicklung noch. Wir sehen dadurch ein großes Risiko, dass das bisher erfolgreiche Bibermanagement leidet, weil immer gleich der Abschuss als vermeintlich einfachste Lösung gefordert werden wird.“

Beide Verbände planen deshalb, mit einer Petition gegen das Töten von Bibern im Land zu protestieren. Die vielen Menschen, denen der Schutz von Bibern und eine intakte Natur wichtig sind, müssen endlich besseres Gehör finden. „Als Umweltverbände werden wir gleichzeitig mit Argusaugen auf die Umsetzungspraxis schauen und zweifelhafte Fälle auch vor Gericht überprüfen lassen“, stellen die beiden Verbandsvertreter klar.

Weitere Infos: NABU zum Biber als Baumeister

 

PM NABU Baden-Württemberg

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