In den Tarifverhandlungen für die rund 6.700 Beschäftigten in den sieben kommunalen Nahverkehrsbetrieben in Stuttgart, Karlsruhe, Heilbronn, Freiburg, Baden-Baden, Esslingen und Konstanz zwischen ver.di Baden-Württemberg und dem Kommunalen Arbeitgeberverband (KAV) fand heute die erste Verhandlungsrunde statt.
Die Arbeitgeber haben kein Angebot vorgelegt mit Verweis auf die kommunale Finanzsituation. ver.di wird nun in der Tarifkommission die weiteren Schritte beraten. Die Gewerkschaft fordert unter anderem die Anhebung des Nachtzuschlags, des Sonntagzuschlags, Zulagen entsprechend der individuellen Entgeltstufe, eine Anhebung des Überstundenzuschlags sowie eine Anhebung des Samstagszuschlags. Im Nachgang der Mantelrunde 2024 war letztes Jahr mit den Arbeitgebern vereinbart worden, weitere Verbesserungen im Jahr 2026 verhandeln zu können. Die nächste Verhandlungsrunde ist am 9. Februar.
Jan Bleckert, ver.di Verhandlungsführer: „Die Finanz-Situation der Kommunen darf nicht zu Lasten der Beschäftigten gehen. Sie leisten wegen der faktischen Einstellungsstopps in den Verkehrsunternehmen durch Überstunden und Arbeitsverdichtung bereits einen großen Beitrag zur finanziellen Entlastung der Kommunen. In der Tarifrunde 2024 konnten wir echte Entlastungsregelungen erstreiten, die die Krankenstände inzwischen signifikant gesenkt haben. Das verschafft den kommunalen Verkehrsunternehmen wieder mehr Luft, die Fahrpläne für ihre Kundinnen und Kunden einzuhalten. Ziel dieser Tarifrunde ist es, die Zuschläge so anzupassen, dass Überstunden die Ausnahme bleiben und Neu-Einstellungen für Personallücken die Regel. Damit könnten wir die hohe Belastung der Beschäftigten durch das stressige Fahrgeschäft nachhaltig reduzieren und die Berufe deutlich attraktiver gestalten. Nur dann ist auch die angestrebte Verkehrswende realistisch erreichbar.“
Aktuell liegt der Stundenlohn für Überstunden ohne Zuschläge unterhalb des regulären Stundenlohns. Faktisch ist deshalb Mehrarbeit für die Arbeitgeber billiger als zusätzlicher Personaleinsatz.
In allen 16 Bundesländern finden Tarifrunden zu den Arbeitsbedingungen im kommunalen Nahverkehr statt. Betroffen sind bundesweit knapp 150 kommunale Unternehmen in ebenso vielen Städten und Landkreisen sowie in den drei Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen. Um neu verhandeln zu können, wurden in 15 Bundesländern die Flächentarifverträge über die Arbeitsbedingungen in den Unternehmen des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) gekündigt, zudem die Haustarifverträge der Hamburger Hochbahn und der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH). In Brandenburg, Thüringen und dem Saarland werden zusätzlich die Löhne und Gehälter der Beschäftigten verhandelt.
PM ver.di Landesbezirk Baden-Württemberg