In der Wilhelma blickt man stolz und zufrieden auf die vergangenen zwölf Monate zurück. Direktor Dr. Thomas Kölpin gibt bekannt: „Auch 2025 haben wir wieder die Marke von 1,8 Millionen Besucherinnen und Besuchern geknackt. Das unterstreicht nicht nur die herausragende Rolle der Wilhelma als Ausflugsziel und Bildungsort: Dank des Artenschutz-Euros, den fast alle unsere Besuchenden über den Eintritt zahlen, konnten wir erhebliche Mittel für den Schutz bedrohter Tiere und Pflanzen in aller Welt aufbringen.“
Bereits früh zeigte sich, dass mit 2025 ein ereignisreiches Jahr bevorstünde: Am 13. Januar 2025 wurde in der Wilhelma in Zusammenarbeit mit der Zoologischen Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz e.V. (ZGAP) das Zootier des Jahres verkündet – das Gürteltier. Die Kampagne, deren Auftakt jedes Jahr in einem anderen Zoo stattfindet, macht seit 2016 auf bedrohte Tierarten aufmerksam, die oft im Schatten anderer Tiere und damit weniger im Zentrum der medialen Aufmerksamkeit stehen.
Für die Wilhelma war 2025 aber auch ein Jahr der Katzen. Volker Grün, Leiter des Fachbereichs Zoologie, zeigt sich begeistert: „Wir konnten gleich zwei bemerkenswerte Zuchterfolge verzeichnen: Am 20. April kam bei unseren Schneeleoparden ein Jungtier zur Welt. Nur zehn Tage später wurden die Sechslinge bei den Geparden geboren.“ Höhepunkt des „Katzenjahres“ war die Einweihung der neuen Anlage für Amurtiger am 16. Juli. Das Land Baden-Württemberg hatte rund 5,5 Millionen Euro in die Anlage investiert. Eine weitere Million wurde vom Verein der Freunde und Förderer der Wilhelma zugeschossen. Finanzminister Danyal Bayaz betonte im Rahmen der Eröffnung: „Für die Wilhelma ist die neue Amur-Tiger-Anlage ein wichtiger Meilenstein, sie ist eine der modernsten Anlagen für Großkatzen in Europa.“
Auch auf botanischer Seite gab es Neues: So entstand beispielsweise an der Südseite des Aquarium-Gebäudes ein im japanischen Stil gestalteter Bonsai-Garten. Inmitten einer mit Seerosen bepflanzten Teichlandschaft haben hier einige der schönsten Bonsais der Wilhelma einen neuen Platz gefunden. Die botanischen Sonderschauen, z. B. zur Pflanzenwelt am 34. Breitengrad oder zur Vielfalt der Bromelien, sorgten ebenfalls für Aufsehen.
Zum dritten Mal in Folge konnte die Wilhelma mehr als 40 Artenschutzprojekte in aller Welt mit insgesamt über einer Million Euro unterstützen, die mit Hilfe des Artenschutz-Euros, über Spenden von Einzelpersonen und Firmen und über den Verein der Freunde und Förderer der Wilhelma zusammenkamen. Stefanie Reska, Leiterin der Stabsstelle für Artenschutz in der Wilhelma, erklärt: „Wir haben zusammen wieder viel bewirkt – vom Kampf gegen invasive Pflanzen auf den Galapagosinseln über Nothilfe für vergiftete Geier in Südafrika und die Mithilfe bei der Rettung der letzten Sumatranashörner in Indonesien bis hin zum Kauf von Regenwaldflächen in Ecuador. Dank der Hilfe von uns und unserem Förderverein ist eine der seltensten Magnolienarten der Welt nicht mehr vom Aussterben bedroht.“
Dr. Björn Schäfer, Leiter des Fachbereichs Botanik in der Wilhelma, ergänzt: „Uns beschäftigt nicht nur die Tier- und Pflanzenwelt auf anderen Kontinenten. Unsere Gärtnerinnen und Gärtner haben mit viel Herzblut persönlich dazu beigetragen, die Borstige Glockenblume auf der Schwäbischen Alb vor dem lokalen Aussterben zu bewahren. In Zusammenarbeit mit dem Regierungspräsidium Stuttgart haben wir nun im zweiten Jahr in Folge bei uns angezogene Exemplare in ihrem natürlichen Lebensraum ausgepflanzt.“
Ein Meilenstein war für Wilhelma-Direktor Dr. Kölpin die Gründung des Center for Species Survival für Orchideen und Reptilien in Zusammenarbeit mit der IUCN, der Internationalen Union zur Bewahrung der Natur: „Mit dem Center for Species Survival haben wir einen strategischen Meilenstein gesetzt. Seine Aufgabe besteht darin, den Bedrohungsstatus unterschiedlicher Orchideen und Reptilien zu erfassen. Auf dieser Basis können zusammen mit internationalen Partnern Schutzstrategien für die betreffenden Arten entwickelt und umgesetzt werden. Damit erhält die Wilhelma eine ganz neue Lenkungsfunktion im internationalen Artenschutz.“
Tagtäglich im Einsatz für die Artenvielfalt vor der eigenen Haustür ist der Fachbereich Parkpflege, der nicht nur die Wilhelma selbst, sondern sämtliche landeseigenen Grünflächen in Stuttgart betreut. Fachbereichsleiterin Katja Siegmann erläutert: „Unsere Parks entwickeln sich immer weiter zu Hotspots der Artenvielfalt mitten in der Stadt. Wir haben die Verantwortung für die nachhaltige Pflege ökologisch wertvoller Mähwiesen und sage und schreibe 12.000 Bäume. Unsere Erfahrungen möchten wir auch an die nächste Generation weitergeben. Zusammen mit dem Naturkundemuseum Stuttgart hatten wir darum am 30. September mehrere Schulklassen dazu eingeladen, gemeinsam eine 320 Quadratmeter große Biodiversitätsfläche mit einem artenreichen Wildstaudenbeet, einer mageren Kräuterwiese und einem Steingarten vor dem Museum am Löwentor anzulegen.“
Bildung hat für den gesamten Zoologisch-Botanischen Garten mitsamt seinen Außenstellen einen hohen Stellenwert. Am 24. November wurde der Wilhelma daher im Rahmen des diesjährigen BNE-Netzwerkforums in Stuttgart von Umweltministerin Thekla Walker und Kultus-Staatssekretärin Sandra Boser das BNE-Zertifikat verliehen. Miriam Wüst, Leiterin der Stabsstelle Umweltbildung & Veranstaltungen in der Wilhelma, verrät, was dahintersteckt: „BNE steht für ‚Bildung für nachhaltige Entwicklung‘. Die Zertifizierung würdigt Einrichtungen, welches dieses Prinzip leben und in ihren Angeboten verankern. Unsere Vision ist eine Gesellschaft, in der Menschen mit Bewusstsein, Empathie und Verantwortung gegenüber Natur, Umwelt und zukünftigen Generationen handeln. Die BNE-Zertifizierung bestärkt uns auf unserem Weg.“
Bereits im Frühjahr wurde die Wilhelma außerdem mit dem Fair Family-Gütesiegel ausgezeichnet. Dorothee Spengler, die Landesvorsitzende des Verbands kinderreicher Familien Deutschland e.V., erklärt: „Die Wilhelma setzt ein starkes Zeichen für Familienfreundlichkeit in Baden-Württemberg. Mit dem Fair Family-Siegel würdigen wir ihr vorbildliches Engagement, das gerade für Familien mit mehreren Kindern echte Teilhabe ermöglicht. Solche Orte machen unsere Gesellschaft lebenswerter – für alle Generationen.“
Eine Anerkennung der besonderen Art erhielt die Wilhelma im November 2025: In der Stuttgarter Prägestätte der Staatlichen Münze Baden-Württemberg wurde im Beisein von Finanzstaatssekretärin Gisela Splett und Wilhelma-Direktor Dr. Thomas Kölpin die erste von vorläufig 500 Exemplaren der neuen Wilhelma-Medaille aus Feinsilber mit Koala-Motiv geprägt. Kurz vor den Feiertagen wagte dann auch bei den echten Koalas in der Terra Australis ein Jungtier die ersten Blicke aus dem Beutel. Dr. Thomas Kölpin bekräftigt: „Dass wieder Nachwuchs bei den Koalas zu sehen ist, war für uns wie ein Weihnachtsgeschenk. Mit dieser guten Nachricht starten wir voller Motivation ins neue Jahr.“
Foto (© Wilhelma Stuttgart/Birger Meierjohann): Im September 2025 wurde mit der Hilfe von Schulklassen eine Biodiversitätsfläche vor dem Museum am Löwentor angelegt.
PM Wilhelma Stuttgart