Deutschlands Notfallvorsorge: Ein sicherheitspolitisches Versagen mit Ansage

Seit vierzig Jahren stand  ich an der Front des Rettungswesens. Das Jahr 2025 setzt einen weiteren Meilenstein: Fast 100 Stunden zertifizierte Fortbildung in Notfallmedizin und Rettungswesen, durchgeführt von Ärzteteams aus renommierten Klinikzentren, gesetzlich anerkannt und praxisnah – sichern fachliche Kompetenz. 

Und Ich weiß, wie Krisen aussehen – und wie schlecht ein Staat vorbereitet ist, wenn er seine eigenen Strukturen über Jahrzehnte abbaut. Genau das erleben wir heute. Die aktuelle Notfallvorsorge ist nicht nur unzureichend, sie ist das Ergebnis politischer Fehlentscheidungen, die sich wie ein roter Faden durch die letzten drei Jahrzehnte ziehen.

Während Bürgerinnen und Bürger zu Recht aufgefordert werden, sich privat auf Krisen vorzubereiten, bleibt der Staat selbst hinter seinen elementarsten Pflichten zurück. Die jüngsten Ereignisse – etwa in Berlin – zeigen das Versagen schonungslos. Verantwortlich sind nicht „die Umstände“, sondern jene politischen Entscheidungsträger, die den Rückbau einst beschlossen und bis heute nicht konsequent korrigiert haben.

Vom robusten Schutzsystem zur sicherheitspolitischen Illusion

Ich erinnere mich genau, was Deutschland einst vorhielt: ein funktionierendes Sirenennetz, öffentliche Schutzräume, Vorratslager, ein erweiterter Katastrophenschutz, der im Ernstfall binnen Stunden massiv aufstocken konnte. Das war kein Luxus – das war staatliche Daseinsvorsorge.

Nach 1990 wurde dieses System systematisch demontiert. Die sogenannte „Friedensdividende“ wurde eingefordert, als wäre Sicherheit ein verzichtbarer Posten. Die Folgen:

  • Auflösung des Bundesamts für Zivilschutz und drastische Reduktion seiner Aufgaben.
  • Abbau des bundeseigenen Sirenennetzes – vielerorts ohne Ersatz.
  • Aufgabe und Verkauf öffentlicher Schutzräume.
  • 1997: Ende des erweiterten Katastrophenschutzes und massive Reduzierung der Bundesbeteiligung.

Das war kein Sparen – das war sicherheitspolitische Selbstentwaffnung.

Ein spätes Erwachen – und immer noch zu zaghaft

Erst Terrorlagen, Naturkatastrophen und zuletzt der großflächige Stromausfall im Januar 2026 haben gezeigt, wie gefährlich diese Fehleinschätzung war. Doch selbst jetzt wird nur zögerlich reagiert. Deutschland diskutiert, wo andere längst handeln würden.

Die bittere Wahrheit aus Sicht eines Insiders

Wer vier Jahrzehnte Notfallrettung erlebt hat, weiß: Vorsorge ist keine Option – sie ist staatliche Pflicht.

Bürger können vorsorgen, aber sie können den Staat nicht ersetzen. Deutschland hat Strukturen abgebaut, die heute lebenswichtig wären. Das war ein Fehler mit Ansage. Und es ist höchste Zeit, dass die Verantwortlichen ihn endlich korrigieren – bevor die nächste Krise uns erneut vor Augen führt, was längst hätte verhindert werden können.

Alfred Brandner

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