Erste Approbationen für neue Psychotherapieausbildung in Baden-Württemberg – Regierungspräsidentin Bay: „Eine moderne und anspruchsvolle Ausbildung in einem stark gefragten Heilberuf“

Rund 80 Absolvierende haben im Herbst 2025 erfolgreich die erste Approbationsprüfung im reformierten Psychotherapiestudium abgelegt. Mit realitätsnahen Prüfungen, inklusive Therapiegesprächen mit Schauspielpatientinnen und -patienten, markiert der Pilotdurchgang einen Meilenstein für die moderne Ausbildung des wichtigen Heilberufs.

Im Herbst 2025 hat das im Regierungspräsidium Stuttgart (RPS) angesiedelte Landesprüfungsamt für Gesundheitsberufe an den Landesuniversitäten Freiburg, Heidelberg, Konstanz, Mannheim, Tübingen und Ulm erfolgreich die erste Approbationsprüfung neuer Ordnung durchgeführt. Die Approbationsprüfung am Ende des fünfjährigen Psychotherapiestudiums bestanden rund 80 Absolvierende. Bis heute wurden etwa 40 Approbationen ausgehändigt. Die neuapprobierten Absolventinnen und Absolventen machen nun noch eine mehrjährige Weiterbildung und stehen dem Gesundheitssystem danach als Fachpsychotherapeutinnen und -therapeuten zur Verfügung. Die neue Approbationsprüfung findet nun halbjährlich statt.

„Es handelt sich um den erfolgreichen ersten Abschluss einer modernen und anspruchsvollen Ausbildung in einem stark gefragten Heilberuf. Dieser erste Durchgang lief dank der guten Zusammenarbeit zwischen dem Landesprüfungsamt und den Universitäten im Land reibungslos“, betonte Regierungspräsidin Susanne Bay. „Zum ersten Mal setzen wir bei einer Approbationsprüfung Schauspielpatientinnen und -patienten ein, mit denen die angehenden Psychotherapeutinnen und -therapeuten nach einem vorgegeben Rollenskript zwei sehr realistische Therapiegespräche führen mussten“, so Bay weiter.

Sinn und Zweck dieser anwendungsorientierten Prüfung ist es, therapeutische Handlungskompetenzen möglichst realitätsnah abzuprüfen. Wie gut das funktioniert, zeigt die Reaktion einer angehenden Psychotherapeutin direkt nach der Prüfung. Sie berichtete tiefbeeindruckt, dass der Schauspielpatient an einer besonders heiklen Stelle des Prüfungsgesprächs tatsächlich Tränen in den Augen gehabt und geweint habe. Neben diesen beiden Gesprächsstationen umfasst die neue Prüfungsform auch eine mündlich-praktische Fallprüfung mit von den zu Prüfenden selbst erarbeiteten praktischen Krankheitsfällen in anonymisierter Form.

Im Jahr 2020 trat eine neue Psychotherapeutenausbildung in Kraft. Diese sieht ein dreijähriges Bachelor-, gefolgt von einem zweijährigen Masterstudium mit durchgehendem Schwerpunkt auf der Psychotherapie vor. 2021 haben in Baden-Württemberg alle sechs Psychologieinstitute an den Landesuniversitäten gemeinsam mit dem Landesprüfungsamt sowohl einen Bachelor- als auch einen Masterstudiengang mit berufsrechtlichem Schwerpunkt auf Psychotherapie eingeführt.

Jedes Psychologieinstitut kann so bis zu 80 Studierende jährlich zur Approbationsprüfung führen. Im Herbst 2025 stand nun der erste Jahrgang vor dem Abschluss.

Das Studium wird dann mit einem Masterabschluss an der Universität abgeschlossen und, wenn gewünscht, parallel durch eine Approbationsprüfung beim zuständigen Landesprüfungsamt ergänzt. Nach einer erfolgreichen Prüfung kann dann die Approbation beantragt werden.

Daran schließt sich dann eine mehrjährige Weiterbildung in stationären und ambulanten Einrichtungen an, die von der Landespsychotherapeutenkammer koordiniert wird. Im Rahmen der Weiterbildung spezialisieren sich die Therapeutinnen und Therapeuten dann auf ein bestimmtes Gebiet, wie zum Beispiel Erwachsene oder Kinder und Jugendliche, sowie Therapieverfahren, wie beispielsweise Verhaltenstherapie oder Psychoanalyse. Mit Abschluss der Weiterbildung sind Psychotherapeutinnen und -therapeuten berechtigt, sich in das Arztregister eintragen zu lassen und einen Antrag auf Zulassung zur ambulanten psychotherapeutischen Versorgung im System der gesetzlichen Krankenversicherung zu stellen.

Hintergrundinformationen: 

Erst in den 1990er Jahren wurde die Psychotherapie als eigenständiger Approbationsberuf eingeführt. Die 1998 erstmals gesetzlich geregelte erste Psychotherapieausbildung schloss sich an ein reguläres Psychologiestudium als mehrjährige berufsbegleitende Weiterbildung an eigenen Ausbildungsinstituten an. Geendet hatte die Ausbildung mit einer klassischen schriftlichen und mündlichen Staatsprüfung und führte letztlich zur Approbation. Diese berechtigte direkt zur Aufnahme einer selbständigen therapeutischen Tätigkeit. Diese „alte“ Ausbildung läuft noch parallel zur neuen Ausbildung an den fast 40 vom Regierungspräsidium beaufsichtigten Ausbildungsinstituten bis maximal 2035 und führt aktuell rund 350 Personen jährlich zur Approbation. Die neue Ausbildung wird im Endausbau in einigen Jahren dann ebenfalls rund 350 Personen zur Approbation führen und die alte Ausbildung dann vollständig ablösen.

Das Landesprüfungsamt für Gesundheitsberufe ist auch für die übrigen Approbationsberufe Humanmedizin, Zahnmedizin und Pharmazie zuständig und führt hier für insgesamt rund 6000 Prüflinge jährlich Staatsprüfungen durch. Im Jahr erteilt das Landesprüfungsamt insgesamt rund 2000 Approbationsurkunden. Das Referat des RPS ist außerdem zuständig für die Umsetzung der Landarztquote.

Weiterführende Informationen zum neuen Psychotherapiestudium sind auf dem gemeinsamen Themenportal der Regierungspräsidien Baden-Württemberg abrufbar unter rp.baden-wuerttemberg.de/themen/ > Gesellschaft > Schule und Bildung > Berufliche Ausbildung, Fortbildung und Weiterbildung > Berufliche Ausbildung > Inländische Abschlüsse in akademischen Heilberufen > Psychotherapie – Inländische Ausbildung

Weiterführende Informationen zum Landesprüfungsamt sind auf dem gemeinsamen Themenportal der Regierungspräsidien Baden-Württemberg abrufbar unter rp.baden-wuerttemberg.de/themen/ > Gesellschaft > Schule und Bildung > Berufliche Ausbildung, Fortbildung und Weiterbildung > Berufliche Ausbildung > Inländische Abschlüsse in akademischen Heilberufen

Informationen der Landespsychotherapeutenkammer zur Weiterbildung finden sich auf der Internetseite der Landespsychotherapeutenkammer Baden-Württemberg unter Allgemeine Informationen zur Weiterbildung für Psychotherapeut*innen – Landespsychotherapeutenkammer Baden-Württemberg

PM Regierungspräsidium Stuttgart

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