Wie stark die Abhängigkeit von fossilen Energien die Inflation in Deutschland und Europa antreibt, zeigt eine neue Greenpeace-Analyse (https://act.gp/4ycwWZa). Wäre der Ölpreis seit Januar konstant geblieben, hätte die Inflation im August in Deutschland rechnerisch bei 1,9 statt 2,9 Prozent gelegen. Im Euroraum wären es 2,2 statt 3,2 Prozent gewesen.
„Die steigenden Energiepreise schlagen unmittelbar auf die Lebenshaltungskosten durch“, sagt Mauricio Vargas, Finanzexperte von Greenpeace Deutschland. „Unsere Abhängigkeit von Öl und Gas macht Verbraucherinnen und Verbraucher anfällig für geopolitische Krisen samt der verbundenen Preissprünge. Wer langfristig stabile Preise will, muss die fossile Abhängigkeit verringern.“
Morgen veröffentlicht das Statistische Bundesamt seine aktuellen Berechnungen zur Teuerungsrate im September. Nach vorläufigen Zahlen lag sie bei 3,3 Prozent. Besonders deutlich stiegen demnach die Energiepreise mit 14,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.
Die Analyse zeigt: Elektrifizierte Haushalte sind deutlich weniger von fossilen Preissprüngen betroffen. Ein Modellhaushalt mit Wärmepumpe, Elektroauto und eigener Solaranlage samt Speicher wäre von Januar bis August 2026 einer Preissteigerung von 1,5 Prozent ausgesetzt gewesen. Für den amtlichen Warenkorb lag die Teuerung seit Jahresbeginn 40 Prozent höher bei 2,5 Prozent. Seit 2020 wäre die jährliche Teuerung für den elektrifizierten Modellhaushalt um durchschnittlich 0,4 Prozentpunkte geringer ausgefallen, zeigt die Berechnung. Sie geht davon aus, dass der Haushalt 70 Prozent seines Strombedarfs selbst deckt. Investitionskosten sind nicht berücksichtigt.
Die Untersuchung zeigt auch den längerfristigen Zusammenhang zwischen Energiepreisen und Inflation. Seit 2024 sind im Euroraum 97 Prozent der statistisch erfassten Schwankungen der Gesamtinflation auf die Energiekomponente zurückzuführen, in Deutschland sind es 62 Prozent.
Zentralbanken können fossile Inflation bremsen
Greenpeace fordert von den Zentralbanken, die Abhängigkeit von fossilen Energien stärker als wiederkehrende Inflationsursache anzuerkennen. Als mögliche Ergänzung nennt die Analyse Programme zur Förderung grüner Kreditvergabe, wie sie unter anderem die chinesische und die ungarische Zentralbank eingeführt haben. „Zentralbanken müssen diese Auseinandersetzung führen und das Risiko unserer Abhängigkeit von Öl und Gas für die Preiswertstabilität stärker thematisieren”, sagt Vargas. ”Dazu gehören auch geldpolitische Instrumente, die Investitionen in erneuerbare Energien und Elektrifizierung unterstützen.” Ebenso sei die Bundesregierung gefragt, so Vargas weiter: “Auch die Finanzpolitik kann die Menschen dauerhaft vor Preissteigerungen schützen, indem sie Elektrifizierung fördert, statt kurzfristig fossile Kraftstoffe zu subventionieren.“
PM Greenpeace Deutschland e.V.