Die baden-württembergischen Exporte in die Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay haben im ersten Halbjahr 2026 deutlich zugelegt. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum stiegen die Ausfuhren um 9,8 Prozent auf rund 1,24 Milliarden Euro. Die Importe legten sogar um 14 Prozent auf gut 504 Millionen Euro zu.
Seit dem 1. Mai 2026 wird das Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den Mercosur-Staaten vorläufig angewendet. Für Claus Paal, Vizepräsident des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertages (BWIHK) und Präsident der IHK Region Stuttgart, kommen die neuen Möglichkeiten zur richtigen Zeit. „Wir reden seit Jahren darüber, dass unsere Unternehmen neue Märkte brauchen. Jetzt öffnen sich Türen – dann sollten wir auch durchgehen“, sagt Paal. „Freihandel wirkt nicht auf dem Papier. Er wirkt dann, wenn unsere Unternehmen die neuen Möglichkeiten nutzen.“
Brasilien: Wichtigster Mercosur-Markt für Baden-Württemberg
Die aktuellen Außenhandelszahlen zeigen, welches Potenzial in den Wirtschaftsbeziehungen steckt. Mit Abstand wichtigster Mercosur-Markt für Baden-Württemberg ist Brasilien: Rund 82 Prozent der Südwest-Exporte in die vier Staaten gingen im ersten Halbjahr dorthin. Die Ausfuhren nach Brasilien stiegen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um zehn Prozent auf gut eine Milliarde Euro. Auch die Exporte nach Argentinien legten um 9,3 Prozent zu.
Gleichzeitig ist noch viel Luft nach oben: Auf die Mercosur-Staaten entfallen bislang lediglich rund ein Prozent der gesamten baden-württembergischen Exporte. „Ein Prozent Exportanteil zeigt vor allem eines: Da geht noch was“, so Paal. „Mercosur wird nicht von heute auf morgen unsere großen Absatzmärkte ersetzen. Darum geht es auch gar nicht. Entscheidend ist, dass wir unsere Exportwirtschaft auf mehr starke Beine stellen. Wer Abhängigkeiten reduzieren will, braucht Alternativen – und genau die müssen wir uns jetzt erschließen.“
Das Handelsabkommen verbessert dafür die Rahmenbedingungen. Zölle werden schrittweise abgebaut, Marktzugangsbarrieren reduziert und der Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen erleichtert. Davon können Branchen profitieren, die für Baden-Württemberg von besonderer Bedeutung sind, darunter Maschinenbau, Automobilwirtschaft und Chemie.
Paal warnt allerdings davor, die aktuellen Zuwächse allein dem neuen Abkommen zuzuschreiben. Da die vorläufige Anwendung erst Anfang Mai begonnen hat, bilden die Halbjahreszahlen nur die ersten Wochen unter den neuen Handelsbedingungen ab. „Zwei Monate machen noch keinen Trend. Aber die Richtung stimmt. Jetzt kommt es darauf an, aus besseren Rahmenbedingungen echtes Geschäft zu machen. Andere Weltregionen warten nicht auf uns“, so Paal. „Baden-Württemberg ist mit Offenheit, Innovation und internationalem Handel stark geworden. Statt Veränderungen zuerst als Risiko zu sehen, sollten wir die Chancen nutzen, die sich uns bieten.“
Der Baden-Württembergische Industrie- und Handelskammertag (BWIHK) ist eine Vereinigung der zwölf baden-württembergischen Industrie- und Handelskammern (IHKs). In Baden-Württemberg vertreten die zwölf IHKs die Interessen von mehr als 650.000 Mitgliedsunternehmen. Zweck des BWIHK ist es, in allen die baden-württembergische Wirtschaft und die Mitgliedskammern insgesamt betreffenden Belangen gemeinsame Auffassungen zu erzielen und diese gegenüber der Landes-, Bundes- und Europapolitik sowie der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) und anderen Institutionen zu vertreten.
Hintergrund: Freihandelsabkommen und Außenhandel Baden-Württembergs
Mercosur: Das Handelsabkommen mit Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay wird seit 1. Mai 2026 vorläufig angewendet. Die baden-württembergischen Exporte in die vier Staaten stiegen im ersten Halbjahr 2026 insgesamt um 9,8 Prozent auf rund 1,24 Milliarden Euro.
- Brasilien: 1,02 Mrd. Euro | +10,0 %
- Argentinien: 169,7 Mio. Euro | +9,3 %
- Uruguay: 32,8 Mio. Euro | +96,0 %
- Paraguay: 16,2 Mio. Euro | –42,3 %
Brasilien ist mit einem Anteil von rund 82 Prozent mit Abstand der wichtigste Mercosur-Markt für Baden-Württemberg. Insgesamt entfallen auf die Mercosur-Staaten bislang rund ein Prozent der baden-württembergischen Exporte.
Bolivien wurde in der Auswertung nicht berücksichtigt, weil das Land erst 2024 dem Mercosur als Vollmitglied beigetreten ist. Das derzeit vorläufig angewendete EU-Mercosur-Abkommen umfasst aber noch die ursprünglichen Mitgliedstaaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay.
Chile: Das modernisierte Handelsabkommen wird seit Februar 2025 angewendet.
- BW-Exporte im 1. Halbjahr 2026: 196,5 Mio. Euro | +8,7 %
- BW-Importe: 56,5 Mio. Euro | +42,8 %
Neuseeland: Das Freihandelsabkommen mit der EU ist seit Mai 2024 in Kraft.
- BW-Exporte im 1. Halbjahr 2026: 126,3 Mio. Euro | +0,8 %
- BW-Importe: 32,2 Mio. Euro | –15,1 %
Australien: Die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen wurden im März 2026 abgeschlossen; das Abkommen ist noch nicht in Kraft.
- BW-Exporte im 1. Halbjahr 2026: 929,9 Mio. Euro | +8,8 %
- BW-Importe: 174,9 Mio. Euro | +99,8 %
Indien: Die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen wurden 2026 abgeschlossen; das Abkommen ist noch nicht in Kraft.
- BW-Exporte im 1. Halbjahr 2026: 1,39 Mrd. Euro | +9,6 %
- BW-Importe: 895,1 Mio. Euro | –11,7 %
Mexiko: Das bestehende Handelsabkommen wurde modernisiert; der Handelsteil des neuen Abkommens ist bislang noch nicht in Kraft.
- BW-Exporte im 1. Halbjahr 2026: 1,24 Mrd. Euro | –0,1 %
- BW-Importe: 787,2 Mio. Euro | +1,3 %
Kenia: Das Wirtschaftspartnerschaftsabkommen mit der EU ist seit Juli 2024 vollständig in Kraft.
- BW-Exporte im 1. Halbjahr 2026: 14,6 Mio. Euro | +36,4 %
- BW-Importe: 13,2 Mio. Euro | +27,6 %
Weitere Informationen:
- Quelle für die Zahlen: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Außenhandelsstatistik, Stand: August 2026
- Die IHK Region Stuttgart ist innerhalb des BWIHK federführend für das Thema Außenwirtschaft
PM Baden-Württembergischer Industrie- und Handelskammertag