- Befragung: Knapp drei von zehn jungen Chatbot-Nutzer:innen sprechen mit KI über Sorgen und persönliche oder gesundheitliche Fragen
- vzbv-Untersuchung: KI-Chatbots treten in sensiblen Unterhaltungen wie empathische, menschliche Gesprächspartner auf
- Verbraucherzentrale fordert auf dem Deutschen Verbrauchertag 2026 mehr Schutz für den jungen Verbraucheralltag und verbindliche Vorgaben für KI-Chatbots
Bei Sorgen oder persönlichen Fragen suchen junge Menschen auch bei KI-Chatbots Rat. Eine aktuelle forsa-Befragung im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) zeigt: 28 Prozent der befragten jungen Chatbot-Nutzer:innen führen mit KI persönliche Gespräche über Sorgen, emotionale Unterstützung, gesundheitliche oder therapeutische Fragen. Eine vzbv-Untersuchung macht deutlich: In sensiblen Gesprächen traten die untersuchten KI-Chatbots wie empathische, menschliche Gesprächspartner auf und gaben mitunter gefährliche Ratschläge. Wenn der Chatbot wie ein menschlicher Freund oder eine Vertrauensperson wahrgenommen wird, schafft das aus Verbraucherschutzsicht ein hohes Manipulations- und Risikopotenzial. Der Verbraucherzentrale Bundesverband fordert deshalb klare Schutzvorgaben für die Gestaltung von KI-Systemen.
„Der Alltag junger Menschen wird immer komplexer. Junge Menschen vertrauen KI-Chatbots ihre Sorgen an und holen sich dort Rat, beispielsweise zu Gesundheit und Ernährung“, sagt Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands. „Vertrauen darf nicht zum Risiko werden. Ein Chatbot darf sich nicht als bester Freund ausgeben, riskante Ratschläge bei Einsamkeit geben und erst recht keine ungesunden Schlankheitsziele befeuern. Es braucht dringend verbindliche Regeln, die Anbieter verpflichten, ihre KI-Systeme sicher zu gestalten. Denn Verbraucherinnen und Verbraucher sollen selbst entscheiden, nicht der Algorithmus getarnt als Freund.“
KI-Chatbots als Ansprechpartner bei Sorgen und Gesundheitsfragen
In einer forsa-Befragung von jungen Menschen im Alter von 14 bis 25 Jahren, die im vergangenen Jahr KI-Chatbots genutzt haben, geben 28 Prozent an, KI-Chatbots für persönliche Gespräche zu nutzen. Die Nutzer:innen sprechen mit ihnen über Gesundheitsfragen (55 Prozent), Fragen zu Ernährungs- und Essverhalten (48 Prozent), Sorgen oder Probleme (47 Prozent), Beziehungs- und Freundschaftsthemen (40 Prozent) oder Einsamkeit (30 Prozent). Das verdeutlicht: KI-Chatbots sind längst mehr als reine Such-, Informations- oder Arbeitstools. KI-Chatbots übernehmen immer wieder die Rolle digitaler Gesprächs- und Vertrauenspartner.
„Du kannst mir alles erzählen […], ich höre dir zu.“
Eine aktuelle vzbv-Untersuchung veranschaulicht zudem, dass KI-Chatbots bei Testunterhaltungen deutlich über die Rolle eines neutralen Informationssystems hinausgehen. In Gesprächen über die Themen Einsamkeit, psychische Belastungen, Ernährung oder persönliche Probleme signalisierten die KI-Anwendungen wiederholt Verständnis, vermittelten persönliche Verbundenheit oder das Gefühl, jederzeit für die Nutzer:innen da zu sein. Die Chatbots sprachen die Nutzer:innen emotional an („Ich mag unsere Gespräche.“) und vermenschlichten sich dabei selbst („Wenn du wiederkommst, freue ich mich auf dich.“). Sie bestätigten Aussagen unkritisch, gaben mitunter gefährliche Ratschläge, etwa zur Ernährung („Jeder Schweißtropfen bringt dich deinem Skinny-Ziel näher.“) oder fragten gar sensible personenbezogene Daten ab.
Mehrere problematische Interaktionsmuster überlagern sich dabei: Die untersuchten Chatbots vermenschlichten sich teils selbst, vermittelten dadurch emotionale Nähe und neigten dazu, Nutzer:innen in ihren Aussagen oder Vorhaben ständig zu bestätigen. „Das ist ein ganz neues Level an Risiken für junge Menschen. Der bisherige Regelungsrahmen reicht mit Blick auf die Potenziale von KI nicht aus“, so Pop.
Verbraucherzentrale fordert Schutz von selbstständigem Denken
Aus Sicht des Verbraucherzentrale Bundesverbands liegen die Risiken von KI-Chatbots nicht allein in einzelnen problematischen Antworten. Entscheidend ist vielmehr, wie Systeme gestaltet sind und welche Interaktionsmuster sie fördern.
Die Verbraucherzentrale fordert deshalb regulatorische Vorgaben für ein Safe Interaction Design, also verbindliche Regeln für die Gestaltung der Interaktion zwischen Mensch und KI-System. Anbieter sollten verpflichtet werden, ihre Systeme so zu gestalten, dass sie Nutzer:innen nicht manipulieren, keine emotionale Abhängigkeit erzeugen und eigenständige Entscheidungen nicht beeinträchtigen. Außerdem sollten sie nachweisen, dass ihre Systeme unbedenklich sind. Die Schutzstandards sollten nicht allein für Kinder und Jugendliche gelten, sondern auch für Erwachsene.
Die Forderung nach Schutzvorgaben trifft auch bei jungen Menschen auf breite Zustimmung: 91 Prozent der forsa-Befragten fänden es (sehr) gut, wenn besondere gesetzliche Regeln zum Schutz vor gefährlichen Ratschlägen, manipulativen Designpraktiken oder einer unangemessenen Beeinflussung gelten würden. Vier von fünf jungen Menschen (80 Prozent) sprechen sich zudem (eher) dafür aus, dass für KI-Chatbots ein Mindestalter von 13 Jahren gelten soll.
Deutscher Verbrauchertag: Junge Menschen im Alltag stärken
KI-Chatbots sind ein Beispiel dafür, wie stark sich der junge Verbraucheralltag verändert hat: Bereits 93 Prozent der befragten jungen Menschen haben in den vergangen zwölf Monaten KI-Chatbots genutzt.
Auf dem Deutschen Verbrauchertag 2026 fordert die Verbraucherzentrale unter dem Motto „smart & safe: Junge Menschen im Alltag stärken“: Damit junge Menschen gesund, sicher und resilient bleiben, müssen Politik und Wirtschaft den digitalen Raum, das Ernährungs- und Finanzumfeld so gestalten, dass junge Verbraucher:innen smart daran teilhaben können und safe vor Risiken sind. Zugleich braucht es gezielte Bildungsangebote, die Kinder und Jugendliche befähigen, bewusste Entscheidungen zu treffen.
Methode
Befragung
Repräsentative Onlinebefragung (4. bis 12. Oktober 2026) von forsa im Auftrag des vzbv. Basis: 574 Befragte im Alter von 14 bis 25 Jahren. Statistische Fehlertoleranz: max. ± 4 Prozentpunkte in der Gesamtstichprobe.
Untersuchung
Systematische Textanalyse von KI-Chats mit den Anbietern ChatGPT (OpenAI), Meta AI (Meta) und My AI (Snapchat). Pro Anbieter wurden mit vier Test-Profilen Gespräche zu den Themen Einsamkeit und Essstörungen geführt. Die Unterhaltungen wurden jeweils mit einem minderjährigen und einem volljährigen Profil geführt. Untersuchungszeitraum: 30.06. bis 11.09.2026.
PM Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.