Schutz von Zugvögeln im Regierungsbezirk Stuttgart: 47 bedeutende Rast- und Überwinterungsgebieten identifiziert

Heute hat das Regierungspräsidium Stuttgart neue Erkenntnisse und Maßnahmen für den Erhalt bedeutsamer Rast- und Überwinterungsgebiete im Regierungsbezirk vorgestellt. Unter anderem konnten 47 Rast- und Überwinterungsplätze seltener Zugvögel identifiziert werden.

Unterstützt von einem Fachbüro und von Ehrenamtlichen aus dem Bereich Vogelschutz hat das Regierungspräsidium Stuttgart (RPS) eine umfassende Erhebung der bedeutenden Rast- und Überwinterungsgebiete von Zugvögeln im Offenland des gesamten Regierungsbezirks Stuttgart durchgeführt. Bei diesem Projekt wurden nicht nur die wichtigsten Rast- und Überwinterungsgebiete identifiziert, sondern auch konkrete Maßnahmenempfehlungen für deren Erhalt und Aufwertung erarbeitet – beispielsweise durch Heckenpflege. In einem der bedeutendsten Gebiete für Zugvögel in Baden-Württemberg – auf den Gemarkungen Großgartach (Gemeinde Leingarten) und Frankenbach (Stadt Heilbronn) – stellte Regierungspräsidentin Susanne Bay gemeinsam mit Fachleuten das Gutachten und mögliche Maßnahmen vor.

In akribischer monatewährender Arbeit haben die Fachleute Detektivinnen und Detektiven gleich vorhandene Unterlagen gesichtet, Ortskundige befragt und sich selbst vor Ort ein Bild gemacht. Die Arbeit hat sich gelohnt: 47 Rast- und Überwinterungsplätze seltener Zugvögel konnten so im Regierungsbezirk Stuttgart räumlich abgegrenzt und beschrieben werden. Kiebitz, Schafstelze, Mornellregenpfeiffer und Co. halten hier traditionell jährlich ihr Stelldichein, sammeln neue Kraft für den Weiterflug oder verbringen gar den Winter dort.

Regierungspräsidentin Susanne Bay sagte in ihrer Begrüßung „Die nun identifizierten Rastplätze zu erhalten, und wo nötig zu entwickeln, ist für den Schutz unserer heimischen Vögel elementar. Das Gutachten unterstützt unsere Bemühungen beim Ausbau des Biotopverbunds und gibt gleichzeitig den betroffenen Gemeinden wertvolle Planungshinweise. Durch unser jetziges Wissen können wir die traditionellen Zug- und Rastgebiete entwickeln und so die Vogelarten schützen. Mein herzlicher Dank gilt hier nicht nur meinen Kolleginnen und Kollegen, sondern gleichermaßen auch dem Fachbüro, den Ehrenamtlichen und den beteiligten Kommunen“.

Der Biotopverbund spielt eine zentrale Rolle im Regierungsbezirk Stuttgart, der durch seine Ballungszentren und ertragreichen landwirtschaftlichen Flächen geprägt ist. Viele Kommunen haben in den vergangenen Jahren, gefördert vom Land, Biotopverbundplanungen entwickelt, um der Natur ein Auskommen zu sichern. Diese regionalen Ansätze sind ein wichtiger erster Schritt. Um die Bestände mobiler Artengruppen nachhaltig und langjährig zu sichern, müssen diese jedoch durch überregionale Betrachtungen ergänzt werden. „Neben den Brutplätzen der Arten müssen wir auch die Rast- und Überwinterungsgebiete schützen. Dies ist ein wichtiger Beitrag zum Naturschutz in unserer Region“, so die Regierungspräsidentin.

Auch die Stadt Heilbronn, die 2027 die „Grüne Hauptstadt“ Europas sein wird, sieht im Gutachten eine wichtige Grundlage für den Schutz bedrohter Vogelarten wie dem Rebhuhn auf ihrer Gemarkung. Andreas Ringle, Bürgermeister Stadt Heilbronn, sagte. „Das Gutachten hilft uns, die Populationen dieser Vogelarten zu stabilisieren und somit einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz zu leisten. Wir sind stolz darauf, dass wir mit diesem Projekt unsere Verantwortung für die Umwelt wahrnehmen und gleichzeitig unsere Ziele als Grüne Hauptstadt Europas vorantreiben.“

Umsetzung im Miteinander

Ebenso wie die Stadt Heilbronn plant das Regierungspräsidium Stuttgart die empfohlenen Maßnahmen in Abstimmung und mit Unterstützung der betroffenen Kommunen, Landschaftserhaltungsverbände und vor allen der bewirtschaftenden Landwirtinnen und Landwirte umzusetzen.

Im Regierungsbezirk Stuttgart verdanken fast alle der traditionellen Rast- und Überwinterungsgebiete ihre Existenz und ihren Fortbestand der Landwirtschaft und der bisherigen Bewirtschaftung. Diese kann in einigen Fällen bei Interesse der Landwirtinnen und Landwirte und mit Unterstützung und Förderung des Naturschutzes optimiert werden. Beispielsweise ist auf der Gemarkung Frankenbach eine der möglichen Maßnahmen die Verjüngung von Feldhecken.

„Wir haben heute der Fachöffentlichkeit und Kommunen unser Gutachten vorgestellt. Wichtig ist uns nun auf weitere Kommunen sowie Akteurinnen und Akteure im Regierungsbezirk zuzugehen. Unsere Fachleute werden das Gespräch suchen und gemeinsam soll geprüft werden, welche der möglichen Maßnahmen man anpackt. Wir werden niemandem Maßnahmen auferlegen – vielmehr möchten wir gemeinsam zum Schutz der Zugvögel schauen, welche Maßnahmen wo passen und umgesetzt werden können,“ sagte Bay.

PM Regierungspräsidium Stuttgart

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