Raum für die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit

Am 28. August 2021 jährt sich der Erlass zur Deportation der Russlanddeutschen zum 80sten Mal. Zu diesem Thema passen die Texte des Buches „Wie Schatten werden – Gedichte“ von Dr. Lilli Gebhard. Ihr neues Buch richtet sich an Personen, die sich bewusst mit sich selbst und ihrer Umwelt auseinandersetzen, die über Lebenserfahrung verfügen und keine Angst vor der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit haben.

Dr. Lilli Gebhard, Lehrerin für Deutsch und Geschichte am Gymnasium, beschäftigt sich in ihrem Lyrikband „Wie Schatten werden – Gedichte“ mit dem Umgang mit Traumata.

Inspiriert wurde sie zu dieser Gedichtsammlung, Taschenbuch, 76 Seiten, durch die Auseinandersetzung mit Texten von russlanddeutschen Mennoniten im Rahmen ihrer Dissertation. In vielen Berichten stieß sie auf leidvolle Lebensgeschichten. Offen blieben allerdings Momente von Trauer, in denen das Erlebte durchfühlt und verarbeitet werden konnte. Dieser emotionalen Seite der Aufarbeitung spürt sie in ihren Gedichten nach.

Mit ihren Worten gibt sie der Trauer Raum, sucht nach Verbindungen. Sie weiß, die Biografien unserer Eltern und Großeltern bestimmen unsere Handlungen und Wahrnehmungen auf einer ganz tiefen inneren Ebene. Wenn wir uns unsere Geschichten erzählen würden, fänden wir vielleicht Auswege aus den sich wiederholenden Szenarien. Und vielleicht fänden wir trotz aller Differenzen zueinander.

 

Für alle irgendwann Migrierten, Vertriebenen oder Geflohenen und ihre Nachfahren: Wie reden wir über die Toten und über das, was sie uns hinterlassen haben? Wie gehen wir mit den Furchen um, die sie für und in uns gezogen haben?

Dr. Lilli Gebhard verknüpft die bisher noch immer ausstehende Vergangenheitsbewältigung Russlanddeutscher mit den Erfahrungen deutscher Kriegsenkel und schlägt einen Bogen zur aktuellen Situation Geflüchteter.

 

Sie beschreibt Zustände und sucht Worte für das Unaussprechliche angesichts des Leides der Vorfahren und verknüpft es mit Erfahrungen von heute. Vielleicht ist das Reden über die Toten das letzte Gemeinsame, das uns bleibt und einen Raum für Verständnis öffnet.

Vor allem aber öffnet Lilli Gebhard mit ihren Gedichten einen Raum für die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Sie verharrt eine Weile in der Betrachtung des Grauens, spannt dann aber einen Bogen zur Hoffnung und schafft Bilder, in die man sich mit seiner ganz eigenen Geschichte hineinschreiben kann.

Das Büchlein, ISBN 978-3-95544-148-7, ist ab sofort im Buchhandel, im Internet oder direkt beim Manuela Kinzel Verlag, Tel. 07165 / 929 399 erhältlich.

Was war wirft seine Schatten
In uns und über uns hinaus
Auf jene noch
Die nach uns kommen werden
Die Schatten spiegeln sich
Sie lassen Grenzen schwinden
Wie Hitze flimmert
Wird vor eigenem Wissen
Die Sicht verwehrt
Vorüberziehende Gesten
In Dunst und Nebel eingelegt

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