Grundwasserpegel sinken, Coca-Cola & Co. pumpen weiter – foodwatch-Report: Getränkeindustrie produziert überwiegend in Regionen mit Wasserstress

  • 39 von 61 Werken der größten Getränkehersteller liegen in Landkreisen, die von Wasserknappheit bedroht sind
  • Coca-Cola, Red Bull, MEG und Co. zahlen oft nur wenige Cent pro Kubikmeter, an mindestens fünf Standorten sogar gar nichts
  • foodwatch fordert bundesweit einheitliche Preise für Wasserentnahmen durch Unternehmen und gesetzlichen Vorrang für die öffentliche Wasserversorgung

+++ foodwatch-Report „Pegel sinken, Umsätze steigen“ +++

Die großen Getränkehersteller in Deutschland produzieren überwiegend in Gegenden, in denen Wasserknappheit droht – und bekommen die Ressource Wasser dennoch fast zum Nulltarif. Das kritisiert foodwatch. Eine umfassende Recherche der Verbraucherorganisation zeigt: Fast zwei Drittel der Produktionsstandorte der absatzstärksten Hersteller liegen in Landkreisen mit „Wasserstress“ – dort ist das Grundwasser von Übernutzung bedroht. Trotzdem dürfen Coca-Cola, Refresco oder MEG Millionen Liter Wasser fördern. Oft zahlen die Getränkeunternehmen dafür nur wenige Cent pro Kubikmeter, an mindestens fünf Standorten sogar gar nichts. foodwatch fordert die Bundesregierung auf, der öffentlichen Wasserversorgung per Gesetz absoluten Vorrang zu geben. Zudem brauche es bundesweit einheitliche und faire Preise für das Allgemeingut Wasser. Es sei nicht hinnehmbar, dass Getränkehersteller deutlich weniger zahlen als die Bevölkerung – oder sogar gar nichts.

„Während Bürger:innen im Sommer ihren Garten nicht mehr wässern sollen, pumpen Getränkekonzerne für Limonaden, Schorlen und Co. unser Wasser ab – auch in Regionen, in denen das Wasser schon jetzt knapp wird. Coca-Cola, Aldi, Red Bull und Co. nutzen zum Spottpreis eine wertvolle Ressource, die eigentlich Reserve für die öffentliche Trinkwasserversorgung sein muss. Angesichts von Dürresommern und zunehmender Trockenheit ist das nicht mehr hinnehmbar. Wasser ist Allgemeingut. Es gehört nicht Konzernen, sondern uns allen“, sagte Alina Nitsche von foodwatch.

Ein entscheidender Teil des Problems: Wo, wie viel und zu welchen Konditionen Getränkeunternehmen Wasser abpumpen dürfen, ist oft nicht öffentlich einsehbar. foodwatch stellte daher mehr als 100 Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz an Behörden. Die Verbraucherorganisation glich zudem die 61 Produktionsstandorte der 15 absatzstärksten Getränkeproduzenten mit einer Studie ab, die das Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) 2025 im Auftrag des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) erstellt hat. Die Studie wertete Grundwasserdaten für alle Landkreise in Deutschland aus.

Zentrale Ergebnisse des foodwatch-Reports:

  • Fast zwei Drittel (39) der insgesamt 61 Produktionsstandorte für Mineralwasser, Limonaden oder Energydrinks liegen in Landkreisen, in denen laut BUND-Studie Wasserstress herrscht. Dort droht eine Übernutzung der Grundwasserressourcen.
  • Die Behörden vergeben die Wasserrechte oft für 20 Jahre oder sogar unbefristet – und zu sehr günstigen Preisen. An mindestens fünf Standorten entnehmen die Hersteller Wasser kostenlos. Bürger:innen zahlen teilweise fast 40-mal so viel wie die Unternehmen.
  • Viele Details über die Wasserentnahme-Rechte der Getränkeindustrie bleiben geheim. Nur für elf der 61 Standorte erhielt foodwatch genaue Preise.

Im Koalitionsvertrag kündigt die Bundesregierung keine Gesetze gegen Wassermangel an. Das Wort „Wasserknappheit“ taucht dort nur einmal auf, ohne konkrete Maßnahme.

foodwatch fordert:

  • Vorrang für die öffentliche Wasserversorgung bei Knappheit, gesetzlich festgeschrieben. Bei akutem Mangel müssen Behörden die Entnahmen von Getränkeherstellern beschränken oder untersagen können.
  • einen bundesweit einheitlichen und fairen Preis für Wasserentnahmen durch Unternehmen.
  • ein öffentliches digitales Wasserbuch, das Fördermengen und Preise aller Unternehmen zeigt.
  • eine jährliche unabhängige Prüfung der Umwelt- und Klimaverträglichkeit industrieller Wasserentnahmen.

Fallbeispiele: So pumpen Getränkehersteller das Wasser ab

Der foodwatch-Report zeigt anhand zahlreicher Fälle, wie unfair die Wasser-Nutzungsrechte verteilt sind:

Jessen im Landkreis Wittenberg zählt zu den niederschlagsärmsten Regionen in Sachsen-Anhalt. Im Sommer 2026 rief der Landkreis die Menschen zum Wassersparen auf. Wer Wasserverschwendung beobachtet, sollte sich bei der Behörde melden. Gleichzeitig darf die MEG, die wie Lidl und Kaufland zur Schwarz-Gruppe gehört, in Jessen mehr als eine Million Kubikmeter Wasser pro Jahr fördern. Sie zahlt dafür sieben Cent pro Kubikmeter. Zusammen mit dem benachbarten Abfüller Roxane dürfen die Unternehmen in Jessen mehr als zwei Millionen Kubikmeter entnehmen – deutlich mehr als Tesla in Grünheide nutzen darf.

Coca-Cola zahlt in Mönchengladbach fünf Cent pro Kubikmeter Grundwasser. Die Menschen in der Stadt zahlen für einen Kubikmeter Leitungswasser 1,96 Euro – fast 40-mal so viel.

Red Bull darf in Baruth in Brandenburg jährlich 2,35 Millionen Kubikmeter Wasser nutzen – so viel wie kein anderer untersuchter Standort. Was der Konzern dafür zahlt, ist geheim. Eine Bürgerinitiative vor Ort fordert bisher vergeblich, die entsprechenden Vertragspassagen einsehen zu dürfen.

Der Mineralwasserhersteller Hassia zahlt in Hessen für sein Wasser gar nichts. Denn Hessen erhebt – wie Thüringen – kein Entgelt für Wasser aus eigenen Brunnen. Bayern verlangt erst seit Juli 2026 eine Abgabe.

Quellen und weiterführende Informationen:

 

PM foodwatch e.V.

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