Anfang Oktober hörte ich diesen Spruch: „Herbst ist, wenn die Bäume mit Konfetti werfen.“
Mit gewissem Schalk im Nacken wird das vom Konfetti gesagt zu einer Jahreszeit, die ähnlich dem Februar als kalt und trüb gilt. Viele unter uns wollen die Herbstmonate eher überspringen. Nach langen Sommertagen gewinnt die Dunkelheit an Gewicht. Sonnentage sind gezählt, die Tage werden kürzer, der Himmel ist oft grau und wolkenverhangen, der feuchte Nebel kriecht durch alle Ritzen, Nieselregen… Der Herbst erinnert an Vergänglichkeit und Hinfälligkeit.
Doch ich bin ein Herbstkind und habe den Herbst gerne: Nicht, weil ich im Oktober geboren bin, mag ich diese Jahreszeit, sondern weil sie einfach in der Luft liegt, und mir die bunten Bäume mit der goldenen Herbstsonne gefallen. Der Wald hat einen einzigartigen Geruch, im Keller liegen die frisch eingelagerten Kartoffeln und riechen nach Erde. Die geernteten Äpfel verströmen ihr Aroma und erfüllen die Luft.
Im Nebenraum geizen meine ausgeschleuderten Honigwaben nicht mit ihrem unverkennbaren Duft.
Bis zum Herbst haben viele das ein oder andere im Garten geerntet, die Räume in warmen Herbstfarben dekoriert, oder so mancher blickt auf eine besondere Prüfung zurück, die im Sommer abgelegt wurde, oder auf einen beruflichen Erfolg, der sich in den vergangenen Monaten eingestellt hat.
Der Herbst ist die letzte Jahreszeit vor dem Winter, der, kaum begonnen, bereits das neue Jahr einläutet.
Der Herbst bietet Zeit zurückzublicken, Bilanz zu ziehen. Es gibt bestimmt die eine oder andere persönliche Ernte, die uns im Jahr reich gemacht hat: Was ist bei mir persönlich im Frühjahr gewachsen? Was hat sich angebahnt? Welche Gedanken sind den Sommer über gereift? Welche Begegnungen wurden wichtig?
Wir alle sind auf unsere je eigene Weise vollgesogen mit Eindrücken und Erfahrungen…
Mein Akku ist im Herbst definitiv vollgetankt. Meine „Scheune“ ist voll an einmaligen Momenten, die mir Gott in den vergangenen 10 Monaten geschenkt hat.
Ich darf deshalb getrost in die Zukunft blicken und mit festem Schritt dem Kommenden entgegengehen!
Ist das nicht Grund zur Freude, zum Fröhlichsein? Die Welt ist bunt und die Bäume werfen Konfetti! Ein Karneval der Natur – einfach Feierlaune.
Im 5. Buch Mose steht folgender Vers: Der HERR wird gebieten dem Segen, dass er mit dir sei in deinen Scheunen und in allem, was du unternimmst, und wird dich segnen in dem Land, das dir der HERR, dein Gott, gibt. (5. Mo. 28,8 – Luther 2017)
Einst galt dieses Wort dem Volk Israel vor der Überquerung des Jordans.
Mir sagt dieses Wort, dass ich satt und zufrieden sein darf, meine Scheune hat sich gefüllt. Ich darf optimistisch in die Zukunft blicken, denn Gott will es so für mich, für uns alle.
Der Herbst, welch schöne Jahreszeit mit welch einmaligen Momenten, auf denen allen Gottes Segen liegt! Ihnen von Herzen ein segensreiches und sonniges Herbst-Wochenende!
Ihre Pfarrerin Michaela Köger
Evangelische Kirchengemeinde Süßen