Online-Vortrag zum Thema Apfelanbau und Gentechnik

Karte nicht verfügbar

Datum/Zeit
Date(s) - 16/02/2023
20:00 - 21:00

Kategorien


„Warum einzelne Gene die Probleme der Landwirtschaft nicht lösen können und warum wir statt dessen die Vielfalt brauchen“ – dargestellt am Beispiel des Apfels (seiner Anbauprobleme und seiner Züchtungsgeschichte)
Veranstalter: Bündnis für eine agrogetechnikfreie Region Ulm und regionales Bündnis ür Artenvielfalt Ulm
Unterstützer: Arbeitsgemeinsch. bäuerl. Landwirtschaft, Lokale Agenda Ulm 21, Ulmer Netz für eine andere Welt
Teilnehmen können Sie über das Zoom-Meeting des NABU BADEN-WÜRTTEMBERG:
https://us02web.zoom.us/j/87918097742?pwd=ODFPc04wRE5QK0hYenFtRGY0aWRsdz09
Meeting-ID: 879 1809 7742, Kenncode: 680242
Hintergrund:
Zur Zeit laufen in den Medien massive Kampagnen, um die Europäische Kommission in Brüssel zu einer De-Regulierung des bisherigen Gentechnik-Rechts zu drängen. Wie schon vor 30 Jahren bei der „alten Gentechnik“ werden die Zeitschriften von interessierter Seite mit Heilsversprechen aller Art geflutet. Die „neue Gentechnik“ (CRISPR/Cas u.ä.) wird als Wunderwaffe gegen alle ökologischen Probleme unserer Zeit gehypt, seien es Klimawandel, Dürrestress, Artenschwund, Pflanzenschutzmitteleinsatz oder Welternährung.
Auch im Apfelanbau mit seinem hohen Verbrauch an Pflanzenschutzmitteln wird das „Einbauen“ einzelner Resistenz-Gene per Gentechnik von einzelnen Forschern als Lösungsansatz proklamiert. Schon fordern Obstbauern in Südtirol die Freigabe solcher Techniken, weil sie sich eine Lösung ihrer massiven Pflanzenschutzprobleme erhoffen.

In meinem Online-Vortrag untersuche ich, wie die großen Pflanzenschutz-Probleme im heutigen Apfelanbau entstanden sind,
welche Wege und Irrwege die Züchtung eingeschlagen hat, welche Züchter ökologisch nachhaltige Erfolge hatten und warum die gegenwärtige Züchtung mit ihrer Fixierung auf’s Genom und auf einzelne Resistenz-Gene genau diese Nachhaltigkeit schuldig bleibt.

Apfelzüchtung – Genom-fixiert oder ganzheitlich?

Durch den geschichtlich erweiterten Blickwinkel auf die Sortenentwicklung beim Apfel von 1800 bis heute sowie auf 150 Jahre Apfelzüchtung und ihre Prioritäten werden die tieferen Ursachen der heutigen Anbauprobleme beim Apfel ebenso deutlich wie die falschen Narrative, mit denen interessierte Wissenschaftler heute die Notwendigkeit eines Gentechnik-Einsatzes begründen.

Schlussendlich soll es auch um die Frage gehen, wie eine ganzheitlich ökologisch ausgerichtete Züchtung aussehen sollte, warum biologische Vielfalt dabei eine Rolle spielt und warum sie in Sachen Klimawandel-Anpassung weit nachhaltigere Lösungen liefern kann.

Mein persönlicher Hintergrund:
Ich betreue in der Pflanzung ‚Obst-Arboretum Olderdissen‘ in Bielefeld (BIOLAND) seit den 1990er Jahren ca. 400 Apfelsorten, von der ältesten deutschen Apfelsorte aus der Zeit des Mittelalters über die Sorten des 19. und 20. Jahrhunderts bis hin zu den neuesten Züchtungssorten – und das ohne intensiven Pflanzenschutz. Die Pflanzung ist Teil der ‚Deutschen Genbank Obst‘ sowie des privaten Netzwerks Obstsortenvielfalt im Pomologen-Verein e.V.

Die Tatsache, dass die historischen Sorten aus 8 Jahrhunderten in den Streuobstbeständen in Deutschland noch in großer Zahl erhalten geblieben sind, ermöglicht es (anders als bei Gemüse- oder Getreidesorten) heute noch, die Sortenentwicklung und Züchtungsgeschichte des Apfels noch minutiös nachzuzeichnen und zu dokumentieren, wie die Probleme des heutigen Apfelanbaus historisch entstanden sind.
Meine Erkenntnisse über die Züchtungsgeschichte des Apfels habe ich 2011 in der Zeitschrift ‚Erwerbsobstbau‘ publiziert (‚Moderne Apfelzüchtung: Genetische Verarmung und Tendenzen zur Inzucht‘, DOI 10-1007/s10341-010-0113-4) und habe als Konsequenz daraus gemeinsam mit anderen Bio-Obstbauern die ökologische Züchtungsinitiative apfel:gut e.V. mitgegründet.

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://filstalexpress.de/events/online-vortrag-zum-thema-apfelanbau-und-gentechnik/