Ilija Trojanow liest „Macht und Widerstand“

Datum/Zeit
Date(s) - 17/06/2016
20:00 - 21:30

Veranstaltungsort
Göppingen - Stadtbibliothek am Kornhausplatz

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Im Rahmen des Literartursommers 2016 der Baden-Württemberg-Stiftung liest Ilija Trojanow, der als einer der vielseitigsten deutschsprachigen Schriftsteller gilt, in der Stadtbibliothek Göppingen aus seinem Roman „Macht und Widerstand“. Die Integrationsbeauftragte Dragica Horvat hat den vielfach ausgezeichneten Schriftsteller, Übersetzer und Verleger nach Göppingen eingeladen.

Ilija Trojanow liestDer achte Literatursommer Baden-Württemberg findet seit Mai bis Oktober unter dem Motto „HERKUNFT – ANKUNFT – ZUKUNFT. Heimat und Identität in der Literatur“ statt. Eine Auseinandersetzung mit den Begriffen Heimat und Identität scheint angesichts aktueller Entwicklungen angebrachter denn je. Migrationsbewegungen stellen für diejenigen, die ihre Heimat verlassen müssen, wie für diejenigen, die die Ankommenden aufnehmen, eine Herausforderung dar. Beide Seiten sind konfrontiert mit den Fragen nach der eigenen und der fremden Identität und müssen ihre Heimat möglicherweise neu definieren.

Ilija Trojanow wurde 1965 in Bulgarien geboren. Kurz vor seiner Einschulung flohen seine Eltern mit ihm über Jugoslawien und Italien nach Deutschland, wo sie in München politisches Asyl erhielten. Nach einem anschließenden zwölfjährigen Lebensabschnitt in Kenia, zog Trojanow 1984 für sein Studium der Rechtswissenschaften, Ethnologie und Havarie an der Maximilians-Universität München nach Deutschland zurück. 1996 erschien sein erster Roman „Die Welt ist groß und Rettung lauert überall“, der von der Exilerfahrung einer Familie vom Balkan in einem italienischen Flüchtlingsheim handelt. Schon in seinem Dokumentarfilm „Vorwärts und nie vergessen – Ballade über bulgarische Helden“ für das ZDF, den er während seines Aufenthaltes in Mainz als dortiger Stadtschreiber 2007 drehte, beschäftigte er sich mit der Aufarbeitung der bulgarischen Zeitgeschichte. Ilija Trojanow war Gastprofessor an verschiedenen Universitäten. In seinem „Lebensbuch“, wie es Trojanow selbst nennt, „Macht und Widerstand“ entfaltete der deutsche Schriftsteller ein breites zeitgeschichtliches Panorama von exemplarischer Gültigkeit. Er verarbeitete wahre Begebenheiten aus seinem Herkunftsland Bulgarien, die er seit den 1990er Jahren in Gesprächen mit Zeitzeugen gesammelt hat, zu einer Schicksalserzählung von menschlicher Würde und Niedertracht. Die Hauptfiguren Konstantin Scheitanow und Metodi Popow, die in einem Kampf um Leben und Gedächtnis verstrickt sind, lässt Trojanow aus der Ich-Perspektive abwechselnd und isoliert voneinander erzählen. Auf der einen Seite steht Konstantin, ein Widerstandskämpfer, der schon in der Schulzeit der bulgarischen Staatssicherheit auffällt und ihrem Griff nicht mehr entkommt: Er berichtet von seiner Verhaftung 1953, dem Martyrium in den bulgarischen Konzentrationslagern und von seinen Versuchen, nach der Wende 1989 in den Archiven nach den Schuldigen zu suchen. Auf der anderen Seite steht Metodi, Offizier, Opportunist und Karrierist, ein Repräsentant des Apparats, der nach der Wende nicht belangt wurde.

Ilija Trojanow liest am Freitag, 17. Juni, um 20 Uhr in der Stadtbibliothek. Die Journalistin Andrea Maier moderiert die anschließende Diskussion mit dem Schriftsteller. Der Eintritt beträgt fünf Euro. Tickets gibt es im ipunkt Göppingen, Telefon 07161 650-292. Weitere Informationen erhalten Interessierte bei der Integrationsbeauftragten Dragica Horvat, Telefon 07161 650-182

 

Foto (Thomas DornIlija) Trojanow in London, April 2015

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