Flamenco- oder Konzertgitarre? Ein Guide für Einsteiger

Auf den ersten Blick und für das ungeschulte Auge mögen sich alle Akustikgitarren sehr ähneln. Dabei können sie trotz ähnlicher Saiten und Korpus völlig unterschiedlich gebaut und konzipiert sein. Die Grundfrage, die sich jeder angehende Gitarrist deshalb fragen sollte, ist, ob er lieber sanfte, tragende Melodien spielen möchte oder sich eher nach perkussivem, rhythmischem Drive sehnt. Dieser Guide dient als praktische Hilfe bei der Entscheidung um den Gitarrentyp, bei dem der persönliche Musikgeschmack eine wichtige Rolle spielt.

Flamenco Gitarre vs. Klassikgitarre

Die zwei großen Typen unter den Akustikgitarren sind die leidenschaftliche Flamenco Gitarre und die elegante Klassikgitarre. Während die Klassikgitarre vor allem auf das Nachklingen und vollkommene Ausgewogenheit ausgelegt ist, geht es bei der Flamenco Gitarre um eine ganz andere Klangästhetik. Bei ihr ist der Ton sofort da, und zwar so knallig und direkt, dass er auch schneller abklingt und damit schnellen Rhythmus nicht die Klarheit nimmt. Was die Bauweise angeht, hat die Flamenco Gitarre dünnere Zargen und ist damit etwas leichter. Das klassische Schnarren, für das sie bekannt ist, stammt vom tiefer liegenden Sitz ihrer Saiten. In der Klassik wäre dieser Effekt nicht das passende Stilmittel, doch beim Flamenco ist es herzlich willkommen.

Der passende Typ zum Gitarristen

Beide Varianten haben also ihren würdigen Platz in der Welt der Gitarren und haben eine reiche Geschichte, doch nicht jedes Modell passt zu jedem Gitarristen. Für Einsteiger kann es schwierig sein, eine Entscheidung zu treffen, doch eine leichte Vorliebe besteht meist doch. Liebt man Bach, Folklore und auch moderne Balladen mit einem warmen, vollen Ton, der den Raum füllt, dann ist die melodische Konzertgitarre die richtige Wahl. Entfachen aber vor allem Schlagtechniken, also sogenannte Rasgueados, die Leidenschaft und dürfen es gern schnelle Läufe sein, dann passt vor allem der feurige, trockene Sound der Flamenco Gitarre, die sich auch gegen Tänzer und Gesang durchsetzt. Doch wenn die Entscheidung tatsächlich noch schwer fällt, gibt es auch einen Allrounder, der einen Kompromiss aus beiden Welten bietet. Die Negra Bauweise der Flamenco Gitarre ist spritzig, aber mit druckvollem Bass und kann deshalb in beiden Genres leuchten.

Worauf beim Kauf zu achten ist

Entscheidende Aspekte, die die Qualität des Klangs und den Spaß beim Spielen beeinflussen können, sind das Material, der Schutz und die Spielbarkeit. Was das Material angeht, ist die Wahl oft klar. Fichte sorgt für Brillanz und wird deshalb vor allem für Flamenco Gitarren genutzt, während Zeder sofort Wärme ausstrahlt und deshalb eine gute Wahl für Klassikgitarren ist. Außerdem muss die Gitarre vor den Schlägen der Flamenco-Techniken geschützt werden, wenn man sie ausprobieren möchte. Der sogenannte Golpeador ist ein Schlagbrett auf der Decke, der das Holz vor dem Ruin bewahrt. Und dann gibt es auch erhebliche Unterschiede in der Spielbarkeit. Manchen Gitarristen liegt die flache Saitenlage der Flamenco Gitarre, während andere etwas mehr Widerstand benötigen, damit ihr Fingerpicking sauber gelingt. Am Ende des Tages ist es wichtig, zu verstehen, dass es bei der Auswahl der Gitarre kein „richtig“ oder „falsch“ gibt. Das Ziel ist, eine Gitarre auszusuchen, die zum Gitarristen passt. Und wer das Gitarrespielen liebt, kann sich natürlich auch noch eine zweite Gitarre anschaffen.

PM

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