Krank zur Arbeit: IG Metall fordert konsequenten Gesundheitsschutz

  • Metall- und Elektroindustrie: Die Hälfte der Beschäftigten arbeitet trotz Krankheit weiter
  • Mehrheit leidet unter Mehrfachbelastungen
  • IG Metall-Sozialvorstand Reinstädtler: „Wer über Krankenstände fabuliert, muss endlich über die Ursachen sprechen“

 

Rund jede*r zweite Beschäftigte in der Metall- und Elektroindustrie arbeitet trotz Krankheit. Zugleich prägen Lärm, körperlich schwere Arbeit, ungünstige Körperhaltungen, ständige Unterbrechungen und Zeitdruck den Arbeitsalltag. Das zeigt eine Auswertung des „DGB-Index Gute Arbeit“ zu den Arbeitsbedingungen in vier Berufsgruppen der Metall- und Elektroindustrie. Die IG Metall fordert die Arbeitgeber auf, die Ursachen von Krankenständen anzugehen und den betrieblichen Gesundheitsschutz konsequent umzusetzen.

IG Metall-Sozialvorstand Ralf Reinstädtler sagt: „Statt Beschäftigte unter Generalverdacht zu stellen, müssen wir endlich über die Ursachen von Krankenständen sprechen. Die Verantwortung liegt nicht bei den Beschäftigten, sondern bei den Arbeitgebern. Die Unternehmen kommen ihrer gesetzlichen Pflicht zum Gesundheitsschutz zu wenig nach.“

In der größten Gruppe der Beschäftigten in Maschinen- und Fahrzeugtechnikberufen sind zwei Drittel (63 Prozent) sehr häufig oder oft Lärm ausgesetzt. Mehr als die Hälfte (58 Prozent) ist durch ungünstige Körperhaltungen belastet. Schwer arbeiten müssen 38 Prozent. Auch psychische Belastungen treten sehr häufig oder oft auf. 56 Prozent der Befragten geben an, bei ihrer Arbeit sehr häufig oder oft Störungen bzw. Unterbrechungen ausgesetzt zu sein. Zudem ist Zeitdruck – als ein wichtiger Indikator für eine hohe Arbeitsintensität – weit verbreitet: Knapp die Hälfte (46 Prozent) gibt an, bei der Arbeit sehr häufig/oft unter Zeitdruck zu stehen.

Gesundheitliche Belastungen treten selten isoliert auf. Mehr als zwei Drittel (68 %) der Beschäftigten sind mindestens zwei relevanten Belastungsarten gleichzeitig ausgesetzt. Bei 43 Prozent treten sogar drei oder mehr Belastungen parallel auf. Besonders verbreitet ist die Kombination aus körperlicher Belastung und Zeitdruck.

Die Folgen sind gravierend: 50 Prozent der Beschäftigten in Maschinen- und Fahrzeugtechnikberufen arbeiten weiter, auch wenn sie sich richtig krank fühlen. Hinzu kommt: Nur 78 Prozent der Beschäftigten mit nur einem Belastungsfaktor gehen davon aus, ihre Arbeit bis zur Rente ausüben zu können. Sind Beschäftigte fünf Belastungsfaktoren ausgesetzt, glauben nur noch 18 Prozent, bis zum Rentenalter durchhalten zu können.

Reinstädtler: „Wer Angst um seinen Job hat, täglich unter Zeitdruck arbeitet, ständig unterbrochen wird und körperliche Verschleißarbeit leistet, läuft Gefahr krank zu werden. Das ist keine individuelle Schwäche, sondern das Ergebnis von Arbeitsbedingungen, die viele Menschen an ihre physischen und psychischen Grenzen bringen. Je mehr Belastungen, desto größer ist die Gefahr von Langzeiterkrankungen mit ihrer überdurchschnittlich hohen Zahl an Ausfalltagen. Um das zu ändern, müssen Arbeitsbedingungen, Unternehmenskulturen und Strategiedefizite in jedem Betrieb auf den Prüfstand.“

Hinweis: Die Auswertung „Zwischen Takt und Termindruck“ zu den Arbeitsbedingungen in Produktionsberufen der Metall- und Elektroindustrie basiert auf den Daten der Jahre 2023 bis 2025 der bundesweit repräsentativen Beschäftigtenbefragung „DGB-Index Gute Arbeit“. Dafür wurden 17.269 Arbeitnehmer*innen zu ihren Arbeitsbedingungen befragt.

Die Auswertung finden Sie zum Download hier bzw. im Anhang.

PM IG Metall

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