Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) hat die von der Verkehrsministerkonferenz beschlossene Preiserhöhung des Deutschlandtickets scharf kritisiert: „Der Verkehr in Deutschland verfehlt zuverlässig seine Klimaziele, die Kommunen dünnen den Nahverkehr aus und die Verkehrsunternehmen ringen um qualifiziertes Personal – und jetzt stellt man dem ÖPNV mit einer weiteren Preiserhöhung das Bein“, sagte die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Christine Behle am Donnerstag. Die politische Diskussion um das Deutschlandticket habe jede strategische Dimension verloren. Es gehe nur noch darum, wie Bund und Länder sich am leichtesten aus der Verantwortung für einen funktionierenden ÖPNV stehlen könnten.
Zwar sorge die Preisanpassung anhand des neuen Kostenindex dafür, dass den Unternehmen nicht noch mehr Geld fehlt. „Aber es werden weder die bisherigen Finanzierungslücken damit geschlossen noch wird die Frage beantwortet, wer die zusätzlichen Kosten für die Transformation, Elektrifizierung und Digitalisierung trägt“, erklärte Behle. Von den Zielen einer nachhaltigen Erhöhung der Fahrgastzahlen verabschiede man sich mit immer weiteren Preissteigerungen komplett: „Einen langsam wachsenden Preis könnte man vielleicht noch vielen der heutigen Pendler zumuten, aber Umsteiger gewinnen wir damit nicht mehr, gerade in Zeiten zunehmender Homeoffice-Arbeit“, sagte Behle.
Dabei sei es notwendig, das Ticket weiterzuentwickeln: „Angebote für Schülerinnen und Schüler, für Familien, für Menschen mit schmalem Geldbeutel brauchen wir bundesweit einheitlich, um den öffentlichen Verkehr in Deutschland gemeinsam voranzubringen“, sagte die Gewerkschafterin. An Geld, um den ÖPNV attraktiver zu machen, mangele es in der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt nicht – und an guten Ideen sowieso nicht. „Dafür müssen Bund und Länder aber endlich aus ihrer Schmollecke kommen, in der sie sich immer nur gegenseitig die Schuld geben, dass nichts passiert.“ Die Gewerkschaft erwarte von Bund und Ländern jetzt politische Vernunft, erklärte Behle, und kritisierte dabei auch die Konzeption des jüngsten Tankrabatts als verantwortungslose Verschwendung. „Jeder Euro, der in den ÖPNV gesteckt wird, zahlt sich dreimal aus für dieses Land. Von einem Tankrabatt profitieren in erster Linie nur Ölaktionäre.“