STROH-MACHT-GOLD in Schwäb. Gmünd

Datum/Zeit
Date(s) - 18/11/2016
19:00 - 20:30

Veranstaltungsort
Galerie im Kornhaus

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Der Gmünder Kunstverein e. V.  freut sich, die Werkserie „Stroh & Gold“ der Schweizer Künstlerin Franziska Rutishauser in ihrer Galerie zu präsentieren

Franziska Rutishausers Werk ist von physikalischen, philosophischen und ästhetischen Entwicklungen der Jetztzeit geprägt. Ausgehend von neuen Erkenntnissen über Realität und Veränderungen des Umweltbildes lassen sich ihre Gemälde, Zeichnungen und Fotografien besser in ihrer Gänze verstehen. In der Ausstellung STROH-MACHT-GOLD werden Arbeiten aus dem Werkzyklus „Stroh & Gold“ gezeigt, die sich auf die fatalen Zusammenhänge zwischen industriellem Weizenanbau und Kapitalwirtschaft beziehen.

Für die Künstlerin lag es auf der Hand, ihre erste Ausstellung in der Region zum Anlass zu nehmen, die Serie „Stroh und Gold“ aus dem Jahr 2006 thematisch passend in dem ehemaligen Kornspeicher der Stadt Schwäbisch Gmünd zu zeigen und damit die ungebrochene Aktualität der Thematik zur Diskussion zu stellen. Gold hat an Faszination nicht verloren, Macht hat sich immer mehr konzentriert. Handels-Drehscheiben für Weizen wie Chicago, Paris und Genf sorgen weiterhin für dämonische Spiele mit Not und Hunger weltweit. Die neun aus der Serie „Stroh & Gold“ ausgewählten Öl auf Leinwand-Gemälde aus dem Jahr 2006 spielen bereits im Titel auf Weizen und Reichtum an. Die weitgehend fotorealistisch gemalten Bilder zeigen unendliche Ebenen von abgemähten Stoppelfeldern mit großen zylindrischen Strohballen. Das fahle Licht, die stringent beschränkte Farbpalette, die rhythmische Struktur und die Horizontlosigkeit lassen die Landschaften entrückt und zeitlos wirken. Der Zyklus ist in nummerierter Reihenfolge aufgebaut. Die Werke 01 – 04 bilden gemeinsam eine Panoramaansicht auf die „golden planes“, die unendlich riesigen Anbauflächen der WeizenMonokultur. Nummer 05 rückt den Betrachter-/innen das Material der Strohballen näher, Nummer 07 lässt den Blick zum schmalen Schlitz verengt zu Boden sinken, wo ganz spärlich solitäre Wildpflanzen erspäht werden, welche im Anbaujargon als Unkraut bezeichnet werden. Das Werk Nummer 08 ist wie eine Lupenvergrößerung als Rondo konzipert und öffnet den Blick in den Makrobereich. Das Werk Nummer 06 besteht aus 3 Elementen, wovon der Mittelteil das Material in Form einer runden Fläche zentriert vor einen Goldgrund stellt, womit abrupt der Illusionismus der Landschaft dem Bedeutungsvollen einer Ikone weicht. Die beiden flankierenden Acryltafeln erweitern den Anspruch an die nunmehr kognitive Herangehensweise. Sie zeigen eine typografisch geordnete Ansammlung von Namen. Es sind die in ganz Europa überlieferten unterschiedlichen Namen des in Deutschland als Rumpelstilzchen bekannten Dämons, der eine wichtige Rolle spielt in der Legende über die menschliche Gier nach Macht und Reichtum. Das Schlusswerk Nummer 09 zeigt nicht mehr Stroh, sondern Wurzeln, die in ihrer Funktion und Farbigkeit an Blutgefäße erinnern, währenddem sich einzelne Elemente in der Farbigkeit des Strohs darin verlieren. Das Bild lässt an organische Formen denken, beendet somit die Reise mit dem Blick ins menschliche Innere. Franziska Rutishauser macht Unsichtbares sichtbar. Sie gibt dem Besucher der Ausstellung Bilder mit, die nicht nur visuell-sinnlich erlebbar sind, sondern auch nachdenklich machen. Die Schweizer Künstlerin Franziska Rutishauser (* 1962 in Münsingen) lebt und arbeitet seit sechs Jahren auch in Berlin, neben ihren Wirkstätten in Bern und Nizza. Seit dieser Zeit ist ein beeindruckendes Werk an Gemälden und Fotografien entstanden, die sich mit ihrer direkten natürlichen Umgebung auseinandersetzen. Einzelausstellungen im Kunstverein Bad Salzdetfurth 2016, Kunstverein Solingen 2015, den Galerien WHITECONCEPTS by Nicole F. Loeser 2015 und der Galerie Carpentier 2014 sowie Ausstellungsbeteiligungen in Bern, Berlin und Prag waren Stationen der letzten zwei Jahre. Ein Oeuvre-Katalog der Jahre 2006 bis 2014 ist im Kerber Verlag, Bielefeld erschienen und ein Ausstellungskatalog zur Ausstellung STROHMACHT-GOLD, herausgegeben vom Gmünder Kunstverein mit einem Text von Marjatta Hölz liegt aktuell in deutsch-englisch vor.

Eröffnung: Freitag, 18. November, 19 Uhr Einführung: Marjatta Hölz, Kunsthistorikerin aus Stuttgart Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 14-17 Uhr / Samstag 10-13 Uhr / Sonn- und Feiertag 11-17 Uhr

PM

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