Datum/Zeit
Date(s) - 14/10/2016
20:00 - 21:30
Veranstaltungsort
Göppingen - Stadtbibliothek am Kornhausplatz
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Im Rahmen der Interkulturellen Wochen 2016 liest Feridun Zaimoglu am Freitag, 14. Oktober, um 20 Uhr in der Stadtbibliothek aus seinem neuesten Roman „Siebentürmeviertel“. Die Integrationsbeauftragte Dragica Horvat hat den heuer mit dem Berliner Literaturpreis ausgezeichneten Schriftsteller nach Göppingen eingeladen.
Feridun Zaimgolu, 1964 im anatolischen Bolu geboren, zog mit seinen Eltern 1965 nach München. Seit 1985 lebt er in Kiel, das seine Heimatstadt wurde. Hier studierte er auch Kunst und Humanmedizin. Zaimoglus Debütroman „Kanak Sprak“, der 1995 erschien, katapultierte ihn sogleich in die ersten Reihen der deutschen Literaten. Ein Preis folgte auf den anderen, darunter so renommierte wie der Preis der Jury beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb, Adelbert-von-Chamisso-Preis, Grimmelshausen-Preis, Kulturpreis der Stadt Kiel und Anfang dieses Jahres dann der Berliner Literaturpreis. Neben seinen preisgekrönten Romanen verfasst Zaimoglu Theaterstücke und Drehbücher, ist bildender Künstler und Kurator und beteiligt sich an politischen Debatten. In dem epischen Roman „Siebentürmeviertel“ führt Feridun Zaimoglu seine Leser ins Istanbul der 1930er Jahre und mitten hinein in eine fremde und faszinierende Welt. Franz, ein von den Nazis verfolgter Sozialdemokrat, flieht mit seinem sechsjährigen Sohn Wolf in die Türkei. Wolf weiß nicht, wie ihm geschieht. Es ist das Jahr 1939 und Wolf findet sich in Istanbul wieder, in der Obhut der befreundeten Familie von Abdullah Bey; mitten im Siebentürmeviertel, einem der schillerndsten Stadtteile der Metropole, in der Religionen und Ethnien in einem spannungsreichen Nebeneinander leben. Was als vorübergehende Maßnahme gedacht war, wird zu einer Dauerlösung, und Wolf muss sich zurechtfinden in diesem überwältigenden Kosmos. Er wird von Abdullah Bey an Sohnes statt angenommen, besucht die Schule und erobert sich seine Stellung unter den Jugendlichen des Viertels. Als er langsam zu begreifen beginnt, welche Rolle Abdullah Bey wirklich spielt, gerät er in große Gefahr. Emotionsgeladen, abgründig und spannend erzählt Zaimoglu, wie sich der als „Hitlers Sohn“ von türkischen Jugendlichen gerufener Wolf in einer Welt behaupten muss, in der Religionen und Ethnien, menschliche Leidenschaften und Sehnsüchte, tradierte Moralvorstellungen und revolutionäre Ideen aufeinander prallen. Mit großer Sprachkraft und Poesie entfaltet der Autor eine Welt, in der kulturelle und emotionale Grenzen mit aller Härte aufeinander stoßen, in der ein Heranwachsender durch die Welten gewirbelt wird und die Wurzeln zu verlieren droht – eine Familiensaga zwischen Orient und Okzident der besonderen Art: atemberaubend, aufwühlend und fesselnd.
Feridun Zaimoglu liest am Freitag, 14. Oktober, um 20 Uhr in der Stadtbibliothek. An die Lesung schließt sich eine von Andrea Maier moderierte Diskussion an. Der Eintritt kostet fünf Euro, Tickets sind erhältlich im ipunkt im Rathaus, Telefon 07161 650-292.