Das politische Wort zum Sonntag: über 85 Jahre Deportation Russlanddeutsche, die Demonstrationen der Generation Z und dem Ableben von Hubert Aiwanger

1941 wurden die Russlanddeutschen aus der wolgadeutschen Republik und der Ukraine nach Sibirien und asiatische Teilrepubliken deportiert. Dazu empfehle ich diesen Film:
Spätere Generationen schafften es zurück nach Deutschland und wurden Teil unserer Gesellschaft. Mehrfach hatte ich Gespräche mit Menschen, die damals noch Kinder waren oder kurz danach geboren wurden und noch die schönen alten schwäbischen Dialekte sprachen. Sie haben sich immer sehr gefreut, wenn ich das festgestellt habe und die, die nicht ins Schwabenland kamen, waren sichtlich begeistert, einen schwäbischen Landsmann zu treffen. Eine Russlandschwäbin, die Anfang der 90er in die Nähe von Ellwangen kam, erzählte mir, dass sie, nachdem sie ein Jahr da lebte, dafür gelobt wurde, wie schnell sie sich sprachlich assimiliert hat. Sie entgegnete trocken: „So han I imm´r scho g´schwätzt.“ In diesem Zusammenhang bin ich auf dieses Lied gestoßen:
Ich halte das für Thema verfehlt, da Helmut Kohl nicht aus Nächstenliebe, sondern aus Machtkalkül handelte. Er wusste, dass Russlanddeutsche eher konservativ wählen und ihm Stimmen bringen werden. Sicher gab es in seinem Umfeld auch Pragmatiker, die Fachkräfte sahen, die sich für nichts zu schade waren und durch schnelle Einbürgerung und meist schon vorhandene Sprachkenntnisse schnell in den Arbeitsmarkt integriert werden konnten.
Dann erhitzen die Demonstrationen der Generation Z gerade die Gemüter. Dazu eine Einschätzung meiner früheren Lehrerin Eva-Maria Böhler:
„Was die Proteste an Halloween betrifft: da habe ich verschiedene Befürchtungen… Vor allem hinsichtlich derer, die die Proteste gekapert haben… und überhaupt: sind ernst zu nehmende Proteste ausgerechnet an Halloween, wo die heutige Jugend sowieso auf „Schabernack“ und anti- Stimmung eingestellt ist. War das nicht eher ein Happening, geschickt angezettelt von denen, die destabilisieren wollen???“
Mich persönlich stört, dass massiv Stimmung gegen die Wehrpflicht gemacht wird. Darüber hinaus haben alle das Recht auf Ersatzdienst, so dass niemand zum Dienst an der Waffe gezwungen wird. Ich habe eher die Befürchtung, dass da gerade Einfluss von Kräften genommen wird, die Deutschland und Europa destabilisieren wollen und darum eine starke Bundeswehr verhindern wollen. Und die Debatte um angebliche Krawallmacher mit Migrationshintergrund darf auch nicht unter den Tisch gekehrt werden. Momentan sieht es danach aus, als ob da einige dabei sind und wenn das so ist, muss das auch klar angesprochen werden. Die vielen anständigen und integeren Akteure der Generation Z müssen sich von destruktiven Kräften klar abgrenzen; sonst droht eine gute Sache schon früh zu scheitern.
Final beschäftigt mich auch der plötzliche Tod von Hubert Aiwanger und der Umgang damit.
Ich bin ihm 2x begegnet und habe ihn menschlich geschätzt, auch wenn er Dinge gemacht hat, die ich nicht in Ordnung fand und inhaltlich meilenweit von ihm entfernt war. Des Weiteren kenne ich Leute bis ins grüne Milieu, die ihn persönlich kannten und ihn als aufrechten, ehrlichen und aufgeschlossenen Menschen bezeichneten. Ich habe aber auch Verständnis dafür, dass es Menschen gibt, die nicht um ihn trauern, aber man sollte das in diesem Fall dann für sich behalten. Er hatte Frau, Kinder, Eltern, Bruder, Freunde, die um ihn trauern und schon allein deswegen finde ich es in diesem Fall nicht fair, wenn Freude über sein Ableben geäußert wird. Die Frage ist, wo ist die Grenze? Würde Alexander Dobrindt sterben, würde ich einfach ruhig sein. Als Helmut Kohl und Silvio Berlusconi verstorben sind, habe ich ihm auch keine Träne nachgeweint, es aber für mich behalten.
In einem anderen Fall ist ein DDR-Bürger im Oktober 1989 gestorben, der viel Unheil über die Welt gebracht hat und da habe ich offen geäußert, dass ich froh bin, dass er noch rechtzeitig verreckt ist, bevor die BRD ihm noch hätte Rente zahlen müssen. Ich wurde für diese Aussage vielfach kritisiert, aber ich stehe heute noch dazu und würde sie jederzeit wiederholen. Und ganz ehrlich: Wenn Alice Weidel sterben würde, würde ich mit meiner Freude auch nicht hinter dem Berg halten.
Man sieht also, es gibt in solchen Fällen keine Musterlösung und es muss jeder für sich entscheiden, wie er wann reagiert. Ich für meinen Teil wäge sorgfältig ab, wann ich mich wie äußere, bin aber auch bereit, mich kontrovers zu äußern. In Aiwangers Fall bin ich aber ehrlich traurig und sage das auch direkt raus.
Marcel Kunz

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://filstalexpress.de/filstalexpress/215445/das-politische-wort-zum-sonntag-ueber-85-jahre-deportation-russlanddeutsche-die-demonstrationen-der-generation-z-und-dem-ableben-von-hubert-aiwanger/