Die Gesundheit der Bevölkerung ist kein politisches Experiment! Schließung der Helfensteinklinik: Eine Fehlentscheidung, für deren Folgen sich die Verantwortlichen erklären müssen

Nach jahrzehntelanger hauptberuflicher Tätigkeit als Rettungsfachkraft in der Göppinger Notfallrettung weiß ich aus eigener Erfahrung, worauf es bei einer funktionierenden medizinischen Versorgung ankommt. Nicht nur medizinische Kompetenz und ausreichend Personal sind entscheidend. Gerade in unserer Region spielen auch die geografischen und topografischen Gegebenheiten sowie die Erreichbarkeit medizinischer Einrichtungen eine zentrale Rolle.

Deshalb halte ich die Schließung der Helfensteinklinik zugunsten des Zentralklinikums in Göppingen für eine schwerwiegende politische Fehlentscheidung, deren Folgen insbesondere die Bevölkerung im ländlichen Raum zu tragen hat.

Ein imposanter Klinikneubau ist noch lange kein Garant für eine bessere Gesundheitsversorgung. Entscheidend ist nicht die Größe eines Gebäudes, sondern ob die medizinische Versorgung personell, fachlich, technisch und wirtschaftlich dauerhaft funktioniert.

Und genau hier bestehen erhebliche Fragen.

Das Alb-Fils-Klinikum kämpft seit Jahren mit Millionendefiziten. Der finanzielle Druck auf den Landkreis Göppingen wächst. Damit stellt sich zwangsläufig die Frage, welche weiteren Einsparungen bevorstehen und ob diese letztlich zulasten des Personals und der Patienten gehen werden.

Auch der Weggang hochqualifizierter Ärzte, die offenbar anschließend in Kliniken benachbarter Landkreise tätig werden, sollte Anlass zur kritischen Auseinandersetzung sein. Über die tatsächlichen Gründe kann nur spekuliert werden. Doch eines ist klar: Der Verlust erfahrener medizinischer Fachkräfte ist kein Qualitätsmerkmal eines erfolgreichen Klinikstandortes.

Hinzu kommen öffentlich diskutierte bauliche und technische Fragen. Ein modernes Krankenhaus muss nicht nur repräsentativ aussehen. Es muss funktionieren – medizinisch, personell, technisch und wirtschaftlich!

Doch die entscheidende Frage lautet: Wer übernimmt die politische Verantwortung für diese Entwicklung?

Der jahrelange kommunalpolitische Streit um die Helfensteinklinik hat viel Vertrauen gekostet. Wurden die langfristigen Folgen der Schließung ausreichend berücksichtigt? Wurden die besonderen geografischen Bedingungen unserer Region angemessen bewertet? Und wurde die Bevölkerung tatsächlich in den Mittelpunkt der Entscheidungen gestellt?

Gesundheit darf nicht zum Spielball politischer Interessen und wirtschaftlicher Rechenmodelle werden. Menschenleben sind keine kalkulierbare Einsparposition!

Damit stellt sich auch eine grundsätzliche Frage zur politischen Verantwortung: In nahezu jedem verantwortungsvollen Beruf müssen fachliche Eignung, persönliche Zuverlässigkeit und Qualifikation nachgewiesen werden. Warum sollte ausgerechnet für politische Verantwortung ein anderer Maßstab gelten?

Wer über Krankenhäuser, Milliardenbeträge und die Sicherheit der Bevölkerung entscheidet, muss über entsprechende Urteilsfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein und persönliche Integrität verfügen. Ich halte deshalb eine ernsthafte Diskussion über verbindliche Eignungs- und Qualifikationsstandards für politische Verantwortungsträger für dringend notwendig.

Ein leistungsfähiges Gesundheitswesen gehört zur elementaren Daseinsvorsorge. Gerade in einem wohlhabenden Bundesland wie Baden-Württemberg darf eine verlässliche medizinische Versorgung nicht allein von wirtschaftlichen Interessen abhängig gemacht werden.

Ich erwarte von den politisch Verantwortlichen keine weiteren Beschwichtigungen und wohlklingenden Zukunftsversprechen, sondern nachvollziehbare Antworten und eine ehrliche Aufarbeitung der damaligen Entscheidungen.

Was hat die Schließung der Helfensteinklinik der Bevölkerung tatsächlich gebracht? Wie haben sich Erreichbarkeit und Notfallversorgung verändert? Und wer steht heute für die Folgen dieser politischen Entscheidung gerade?

Meine jahrzehntelange Erfahrung im Rettungsdienst hat mir eines deutlich vor Augen geführt: Im medizinischen Notfall zählen keine politischen Erklärungen, keine Prestigeprojekte und keine nachträglichen Rechtfertigungen. Es zählen funktionierende Strukturen, qualifiziertes Personal und rechtzeitige Hilfe.

Politik darf sich nicht hinter Gremien, Gutachten und Zuständigkeiten verstecken. Verantwortung hat Namen!

Die Gesundheit der Bevölkerung darf niemals zum Experimentierfeld politischer Fehlentscheidungen werden.

 

Alfred Brandner

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