Warnstreik-Welle: 413.000 Beschäftigte fordern von Arbeitgebern Bewegung und Verbindlichkeit

  • Tarifstreit in Metall- und Elektroindustrie: IG Metall fordert mehr Sicherheit bei Geld und Jobs
  • Benner: „Pauschale Sparprogramme zur Renditesicherung und Lohnverzicht sind mit uns nicht zu machen“
  • Boguslawski: „Unser Angebot für faire und flexible tarifliche Regelungen liegt auf dem Tisch – jetzt sind die Arbeitgeber am Zug“

 

Entschlossene Warnstreik-Woche der Metall-Elektro-Beschäftigten: Seit Sonntag haben sich über 413.000 Beschäftigte an ersten Ausständen, Aktionen, Demonstrationen und Kundgebungen der IG Metall beteiligt – mehr als im Vergleichszeitraum der Tarifrunde 2024. Vom südlichen Singen bis zum Nordsee-Windpark protestierten die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie bundesweit gegen das Minus-Angebot der Arbeitgeber. Bei über 2800 Warnstreik-Aktionen bis Freitag setzten die Beschäftigten deutliche Zeichen für 5 Prozent mehr Geld, eine bessere tarifliche Beschäftigungssicherung in Krisenunternehmen und eine Gewinnbeteiligung in Boom-Unternehmen.

IG Metall-Tarifvorständin Nadine Boguslawski: „Unsere Kolleginnen und Kollegen sind hoch engagiert, sie kämpfen um die Zukunft ihrer Familien und Arbeitsplätze. Sie erwarten spürbare Kaufkraft sowie handfeste Zusagen und Konzepte der Arbeitgeber: zur Sicherung industrieller Wertschöpfung und Investitionen am Standort. Drohkulissen mit weiterem Stellenabbau helfen nicht weiter. Unser Angebot für faire und flexible tarifliche Regelungen liegt auf dem Tisch – jetzt sind die Arbeitgeber am Zug.“

Gewerkschafts-Chefin Christiane Benner sagte angesichts der laufenden 3. Verhandlungsrunde: „Viele, viele Beschäftigte haben sich an beeindruckenden Warnstreiks mit klarer Botschaft beteiligt. Sie haben damit gezeigt, dass sie nichts, aber auch gar nichts von dem Minusangebot der Arbeitgeber halten. Sie erwarten Respekt für ihre Leistung und Perspektiven für ihre Zukunft. Pauschale Sparprogramme zur Renditesicherung und Lohnverzicht sind mit uns nicht zu machen. Nur Innovationen und Investitionen bringen den Industriestandort Deutschland nach vorne.“

Der weitere Verlauf des Arbeitskampfs hängt nach Gewerkschaftsangaben an einem ernsthaften Lösungswillen der Arbeitgeber im Tarifkonflikt. Diese bleiben bislang unverändert bei ihrer Forderung nach einem Reallohnverlust in Form einer streichbaren Einmalzahlung und einer Entgelterhöhung von 1,3 Prozent im Juli 2028. Am Donnerstag bot die Gewerkschaft der Arbeitgeberseite eine neue tarifliche Regelung an, um in der Strukturkrise Investitionen in Zukunftsprodukte mit verbindlichen Zusagen für Standorte, Arbeitsplätze und Ausbildung zu sichern.

Aktionen in den IG Metall-Bezirken

Mit Fackeln, Fahnen und Feuertonnen erhöhten die Metallerinnen und Metaller seit dem Ende der Friedenspflicht am 1. November bundesweit täglich den Druck auf die Arbeitgeber. Dabei protestierten unter anderem Beschäftigte von Maschinen- und Automobilbauern, Zulieferern, der Elektrotechnik- und metallverarbeitenden Industrie mit Demonstrationen oder Frühschluss-Aktionen.

Massive Warnstreiks in Baden-Württemberg prägten unter anderem die Beschäftigten von Autobauern wie Mercedes (Sindelfingen), Audi (Neckarsulm) und Porsche (Zuffenhausen). In Bayern protestierten jeweils 3000 Warnstreikende an Standorten von BMW, Audi und Bosch. 3400 Auszubildende aus dem Freistaat demonstrierten in Regensburg für höhere Azubi-Vergütungen. Im IG Metall-Bezirk Mitte warnstreikten zwischen Saarland und Thüringen ebenfalls Tausende Beschäftigte. Allein bei Daimler Truck in Wörth und Kassel 3850 Beschäftigte, in Dillingen trafen sich Beschäftigte von Stabilus, ZF, Kalzip, Thales und anderen Betrieben zum Sternmarsch.

In Nordrhein-Westfalen forderten rund 1500 Beschäftigte aus zehn Betrieben in der Schützenhalle von Neheim-Hüsten zielgerichtete tarifliche Regelungen für mehr Kaufkraft und Beschäftigung. In Köln und Düsseldorf warnstreikten mehrere Tausend Beschäftigte der Autobauer Ford und Mercedes. In Niedersachsen zeigten in Osnabrück 2000 Beschäftigte von Volkswagen und weiteren Unternehmen den Arbeitgebern die „gelbe Karte“, ebenso in Hannover mit 2200 Beschäftigten.

In mehreren größeren wie kleineren Betrieben in Berlin, Brandenburg und Sachsen legten Beschäftigten zum ersten Mal die Arbeit nieder. Ihre Premiere bei den Warnstreiks in dieser Woche feierten die Kolleginnen und Kollegen von Rosenbauer in Luckenwalde (Brandenburg), von ASML in Berlin und von Purem in Wilsdruff (Sachsen).

Im IG Metall-Bezirk Küste protestierten allein am Donnerstag 12.400 Beschäftigte von vier Airbus-Standorten, am Dienstag 3.300 Mercedes-Beschäftigte in Bremen. Auf der Nordsee-Insel Helgoland warnstreikten alle Windpark-Beschäftigten von Siemens Gamesa.

PM IG Metall

 

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