Greenpeace: Rechenzentren in Deutschland verbrauchen so viel Wasser wie eine Großstadt

Rechenzentren für Cloud- und KI-Anwendungen in Deutschland verbrauchten im vergangenen Jahr rund 13 Milliarden Liter Wasser zur Kühlung, zeigt eine neue Greenpeace-Berechnung. Die Menge entspricht dem Trinkwasserbedarf einer Großstadt mit 275.000 Menschen oder dem Volumen von 5.000 olympischen Schwimmbecken. Angesichts zahlreicher geplanter Mega-Rechenzentren kann der Wasserverbrauch bis zum Jahr 2030 auf bis zu 27 Milliarden Liter pro Jahr ansteigen. “Bestehende und geplante Rechenzentren graben uns das Wasser ab. Der Trend zu immer größeren Anlagen mit ihrem enormen Wasserverbrauch verstärkt lokalen Wasserstress und löst Nutzungskonflikte aus”, sagt Linda Klapdor, Digitalexpertin von Greenpeace. “Der Strom für den Betrieb muss aus erneuerbaren Energien stammen. In wasserarmen Regionen dürfen Rechenzentren nur mit geschlossenen Wasserkreisläufen ans Netz gehen.”

Die Studie modelliert erstmals den Wasserbedarf der knapp 30 in Deutschland geplanten Mega-Rechenzentren mit mehr als 100 Megawatt Serverleistung. Je nach eingesetzter Kühltechnik wird ihr jährlicher Wasserbedarf auf 200 bis 930 Millionen Liter geschätzt. Nur Kühlsysteme mit vollständig geschlossenen Kreisläufen können den Wasserverbrauch auf Null senken. Etwa ein Drittel der derzeit rund 1200 Betreiber von Rechenzentren in Deutschland nutzt in den Sommermonaten jedoch Verdunstungskühlanlagen. Dabei entweicht das genutzte Trinkwasser als Wasserdampf in die Atmosphäre und steht dem lokalen Wasserkreislauf und der Versorgung der Haushalte nicht mehr zur Verfügung.

Zu wenige Betreiber melden den Wasserbedarf ihrer Rechenzentren

Die vergangenen Hitzesommer führten in vielen Regionen Deutschlands zu Wasserknappheit mit historischen Tiefständen in Flüssen und Seen. Anfang Oktober erklärte Umweltminister Carsten Schneider (SPD) die Wasserversorgung zur Voraussetzung für soziale Gerechtigkeit: Menschliche Grundbedürfnisse dürften nicht mit dem Wasserverbrauch von Rechenzentren konkurrieren. Trotzdem sollen sich die Rechenkapazitäten bis 2030 verdoppeln, die Kapazität für Künstliche Intelligenz mindestens vervierfachen.

Betreiber von Rechenzentren müssen ihren Wasserverbrauch seit November 2023 im nationalen Rechenzentrumsregister melden. Die Meldepflicht wird jedoch bislang nur lückenhaft erfüllt. Fehlende Daten werden nicht systematisch kontrolliert, es fehlen verbindliche Obergrenzen für den Verbrauch. Auch im aktuellen Ergebnisbericht des Digitalgipfels der Bundesregierung finden sich keine Kennzahlen zu Energie, Wasser oder Abwärme für die geplante Vervierfachung der KI-Rechenkapazität. “Wer neben einem Rechenzentrum lebt, sorgt sich zurecht um Lebensqualität, versiegende Brunnen und steigende Wasser- und Stromkosten”, sagt Klapdor. “Doch die Menschen wissen gar nicht, wieviel Wasser die Serverfarmen wirklich verbrauchen. Um Transparenz zu schaffen, muss die Meldepflicht schleunigst verbessert werden, besonders mit Blick auf all die geplanten Mega-Rechenzentren in Deutschland.”

PM Greenpeace Deutschland e.V.

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