Oberbürgermeister Alexander Maier hat in seiner Haushaltsrede dem Gemeinderat vorgeschlagen, eine Bewerbung Göppingens um die Landesgartenschau 2038 strategisch zu prüfen. Im Mittelpunkt steht der Stauferpark Süd. Eine Entscheidung über die Bewerbung fällt ausdrücklich noch nicht. Voraussetzung sind ein überzeugendes Konzept und eine tragfähige Finanzierung.
Sparen und Wachsen: Sparen allein schafft keine neue Steuerkraft
Göppingen hat ein strukturelles Haushaltsproblem und kann sich nicht allein gesundsparen. Deshalb setzt die Stadt auf die Strategie „Sparen und Wachsen“: Die beschlossenen Einsparungen werden konsequent umgesetzt, etwa mit dem sogenannten wiN-Programm zur Sicherstellung der wirtschaftlichen Nachhaltigkeit und der Begrenzung der Personalkosten. Gleichzeitig muss die Stadt die Einnahmegrundlagen der kommenden Jahre stärken. Die Landesgartenschau (LAGA) ist dafür kein Ziel an sich, sondern ein mögliches Werkzeug für eine Stadtentwicklung, die ohnehin ansteht.
„Wir müssen sparen UND wachsen – beides gehört zusammen. Die Landesgartenschau ist kein Luxusprojekt, sondern ein strategischer Hebel für eine Stadtentwicklung, die ohnehin nötig ist“, betonte Oberbürgermeister Maier in seiner Haushaltsrede am Donnerstagabend in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats der Stadt Göppingen.
Der Stauferpark Süd gilt als eines der letzten großen Entwicklungspotenziale der Stadt. Auf 34 Hektar sollen nach dem Grundsatzbeschluss des Gemeinderats 12,2 Hektar Gewerbe, 4,9 Hektar Wohnen und 16,9 Hektar Grünflächen entstehen. Gewerbe- und Wohnbauvorhaben sind nach der bisherigen Planung ab 2031 vorgesehen. Die Frage ist daher nicht, ob die Fläche entwickelt wird, sondern wie.
Vier Hebel für eine wirtschaftlich tragfähige Entwicklung
Die Prüfung soll klären, ob eine Landesgartenschau die Entwicklung effizienter, qualitätsvoller und finanziell besser abgesichert möglich macht. Sie richtet sich auf vier Hebel:
- Fördermittel mobilisieren: Mit einem städtischen Eigenanteil als Initialzündung könnten Landesförderung, weitere Programme und private Investitionen erschlossen werden. Ob und in welchem Umfang das gelingt, muss die Prüfung zeigen.
- Qualität erhöhen: Grünflächen, Gewerbe und Wohnen sollen in einem abgestimmten Konzept zusammengeführt werden.
- Entwicklung beschleunigen: Ein gemeinsamer Zeitplan könnte die einzelnen Vorhaben bündeln und schneller voranbringen.
- Standort sichtbar machen: Eine stärkere Wahrnehmung Göppingens soll die Wirtschaftsförderung unterstützen.
Langfristig zählt dabei nicht der einmalige Erlös aus Grundstücksverkäufen, sondern die dauerhafte Wirtschaftskraft: Unternehmen, Arbeitsplätze, Steuereinnahmen und neue Einwohner. Diese Wirkung ist zunächst eine Hypothese, die belastbar belegt werden muss. Deshalb werden zwei Wege verglichen: die Entwicklung des Stauferparks mit und ohne Landesgartenschau. Zu klären sind, was auf der Fläche ohnehin anfällt, was eine Gartenschau zusätzlich kostet, welche Förderung erreichbar ist und welche Kosten Umsetzung und spätere Pflege verursachen. Am Ende muss feststehen, was die Stadt insgesamt aufbringen muss und welchen dauerhaften Nutzen sie dafür erhält.
Kein Blankoscheck: Finanzierung als Voraussetzung
Die Prüfung folgt sieben klaren Kriterien: ein vertretbarer städtischer Eigenanteil innerhalb der tragbaren Neuverschuldungsgrenze, eine ausreichende Förderquote und beherrschbare Folgekosten, eine tragfähige Gewerbeansiedlungsstrategie mit funktionierender Erschließung, die Vereinbarkeit mit Naturschutz- und Wasserrecht, eine realistische Zeitplanung, gesicherte Kernflächen sowie ein fraktionsübergreifender Rückhalt im Gemeinderat. Wird ein Kriterium nicht erfüllt, wird die Bewerbung nicht weiterverfolgt oder der Ansatz angepasst. Der Eigenanteil muss in die Finanzplanung der Stadt passen. Die Entwicklung des Stauferparks muss zudem unabhängig von einem Zuschlag möglich bleiben.
„Geht die Rechnung nicht auf, müssen wir Umfang, Finanzierung oder Zeitplan ändern. Und wenn auch das nicht reicht, verzichten wir“, sagte Maier: „Verpflichtungen, die wir nicht tragen können, gehen wir nicht ein. Auch nicht für eine Idee, die ich selbst vorgeschlagen habe.“
Fahrplan: erst prüfen, dann entscheiden
In der Stabsstelle des Oberbürgermeisters hat ein Projektteam die Arbeit aufgenommen. Der Zeitplan sieht folgende Schritte vor:
- Dezember 2026: Der Gemeinderat entscheidet über den Grundsatzbeschluss. Er ist ein ergebnisoffener Prüfauftrag, kein Beschluss zur Umsetzung.
- Bis Ende Juli 2027: Das städtebauliche Strukturkonzept für den Stauferpark Süd entsteht als eigenes Projekt. Es bildet die Grundlage der Machbarkeitsstudie und ist von der Gartenschau-Bewerbung unabhängig.
- Oktober 2027: Die Lenkungsgruppe prüft die sieben Kriterien.
- Herbst 2027: Nur wenn die Kriterien erfüllt sind, entscheidet der Gemeinderat über die Einreichung der Bewerbung. Die Einreichung beim zuständigen Landesministerium wäre voraussichtlich im Dezember 2027.
Eine Umsetzungsgesellschaft wird nicht vor einem Zuschlag gegründet. Der Zeitplan steht unter dem Vorbehalt, dass das Landesprogramm 2037–2042 noch nicht veröffentlicht ist. Die Planung wird nach der Veröffentlichung abgeglichen.
Dauerhafter Nutzen statt kurzfristiger Veranstaltung
„Mich interessiert vor allem, was nach der Gartenschau bleibt“, so der Oberbürgermeister. Gemeint sind zugängliche Grünflächen, neue Verbindungen zwischen den Stadtteilen, Plätze zum Spielen und Begegnen sowie modern geplantes, ökologisch verantwortungsvolles Gewerbe und Wohnen.
Das Motto „Tief verwurzelt. Neu belebt.“ knüpft an die Geschichte des Stauferparks an: vom Flugplatz der 1930er Jahre über die Cooke Barracks bis zur Konversion durch die Business Park Göppingen GmbH. Es steht zugleich für Göppingen als Industriestadt, die sich immer wieder neu erfunden hat.
Über das Vorhaben soll nicht nur im Gemeinderat gesprochen werden: Die Stadt will die Bürgerschaft intensiv und frühzeitig einbinden.
PM Stadtverwaltung Göppingen